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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 14:38 Uhr

Rungholt-Ausstellung : Ein sagenhafter Ort taucht wieder auf

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gerade noch rechtzeitig ist das rekonstruierte Gesicht des rätselhaften Rungholters fertig geworden. Gezeigt wird es vom 29. Mai an in einer Sonderausstellung des Husumer Nordsee-Museums.

Dieser Tag sollte Andreas Buschs Leben verändern – und in die Geschichtsbücher eingehen. Am Pfingstsonntag anno 1921 brach der Nordstrander Landwirt mit seiner Familie zu einer Wattwanderung vor Hallig Südfall auf. Was er dort entdeckte, waren freigespülte Schleusenreste. Der begeisterte Heimatforscher war sich sicher: Sie gehören zu Rungholt, der mittelalterlichen Siedlung, die 1362 bei der Groten Mandränke unterging. Was vorher noch nicht viel mehr als eine Sage war, bekam nun Hand und Fuß.

95 Jahre später steht der Leiter des Husumer Nordsee-Museums, Dr. Uwe Haupenthal, vor einer Handvoll Journalisten und verkündet etwas, was Andreas Busch mit Sicherheit gefreut hätte: Nach 24 Monaten Planung und Vorbereitung kann die Sonderausstellung, die das rätselhafte Rungholt in den Mittelpunkt rückt, endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Wie angekündigt, hatten wir viel vor. Nun wird und muss noch viel passieren“, erklärte er am Donnerstag. In der Tat – für die Museumsmitarbeiter gibt es noch einiges zu tun. In den Ausstellungsräumen liegt verstreutes Werkzeug, Kisten sind noch unausgepackt und diverse Schaukästen müssen bestückt werden. Die Zeit wird knapp: Am 29. Mai soll die Ausstellung eröffnet werden. Immerhin steht der 650 Kilogramm schwere Steinsarg an seinem Platz, der mit Hilfe eines kleines Kranes an Ort und Stelle gewuchtet werden musste, wie die wissenschaftliche Mitarbeiterin Tanja Brümmer berichtete.

In Zeitnot geriet auch die Frankfurter Rechtsmedizinerin Dr. Constanze Niess, die ein nach wissenschaftlichen Maßstäben rekonstruiertes Gesicht eines Rungholters angefertigt hat, das zu den Höhepunkten der Schau zählt (wir berichteten). Sie hat es geschafft, wenn auch sehr knapp: Zwei Stunden vor der Pressekonferenz traf der aufgearbeitete Schädel des ältesten bekannten Nordfriesen in Husum ein.

Die Ausstellung soll Details der hochmittelalterlichen Alltagskultur an der Nordseeküste zeigen. Exponate wie Balken der Rungholt-Schleuse oder spanisch-maurische Lüsterkeramik kommen unter anderem aus Sammlungsbeständen der Stiftung Schloss Gottorf, des Heimatmuseums Nordstrand und des Museums Landschaft Eiderstedt in St. Peter-Ording.

„Mit dieser Ausstellung soll die Forschung eine Freischzellenkur erfahren“, sagte Haupenthal. Die versunkene Stadt rege bis heute die Fantasie der Menschen an. „Sie war Inspirationsquelle wichtiger Literaten wie Theodor Storm und Spekulationsobjekt von Forschern und Laien. Dennoch wissen Experten relativ wenig über die für den Norden, wichtige Handelsstadt“, machte der Museumsleiter deutlich. Die Realität, den Mythos und Forschungsergebnisse zugänglich zu machen, sei Ziel der Ausstellung. Konzipiert wurde sie von Dr. Uwe Haupenthal und Jürgen Newig. Miterleben kann der bekannte Geograf und Rungholtforscher die Eröffnung nicht: Der 74-Jährige ertrank im Herbst 2015 während eines Urlaubs auf Teneriffa.



„Rungholt. rätselhaft und widersprüchlich“ wird am 29. Mai eröffnet. An diesem Tag bietet das Nordsee-Museum von 14 bis 18 Uhr freien Eintritt. Die Ausstellung ist bis zum 29. Januar 2017 zu sehen. Öffnungszeiten: täglich (außer montags) von 11 bis 17 Uhr.

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erstellt am 27.Mai.2016 | 07:00 Uhr

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