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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 03:25 Uhr

150 Jahre Theodor-Storm-Schule : Ein Ort der Bildung und Emanzipation

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Jubiläumsjahr im Theodor-Storm-Gymnasium: Mit Musik und Theater wird das 150-jährige Bestehen gewürdigt und nicht nur im Jahrbuch an Schulgründerin Sophie Jacobsen erinnert.

150 Jahre ist es her, dass Sophie Jacobsen im Jahr 1866 in Husum eine Private Töchterschule gründete. Diese Schule gibt es noch. Allerdings heißt sie Theodor-Storm-Schule (TSS) und steht als städtisches Gymnasium beiden Geschlechtern offen. Der Musikzweig gilt längst als wertvoller Bestandteil der Husumer Kulturszene. In stimmungsvollen Konzerten zeigen die jungen Musikerinnen und Musiker der Schule öffentlich ihr Können, während die Kunstschüler Ausstellungen bereichern und die Theater-Mitglieder hochkarätige Inszenierungen auf die Bühne bringen.

Das musisch-künstlerische Profil der Schule spielt auch im Jubiläumsjahr eine große Rolle. Unter der Überschrift „150 Jahre TSS“ sind im Nordsee-Congress-Centrum (NCC) drei große Veranstaltungen geplant: So gibt am 27. Mai die TSS-Jazz-Big-Band zusammen mit der Nordic-Big-Band und der Youngster-Big-Band der Kreismusikschule Föhr ein Konzert, am 17. und 18. Juni wird der 11. Jahrgang die Shakespeare-Inszenierung „Romeo und Julia – kann uns nur die Liebe retten?“ präsentieren und vom 14. bis 19. Juli steht die beliebte Reihe „TSS in concert“ auf dem Programm.

Nach den Sommerferien folgt ein weiterer Höhepunkt: Der TSS-Jubiläums-Arbeitskreis wird ein neues Schullogo vorstellen. „Es symbolisiert Bewegung, Musik und Kommunikation“, verrät Arbeitskreissprecherin Barbara Carstensen zu dem neuen Aushängeschild, das in den Schulfarben Blau und Rot gestaltet sein wird und durch die künstlerische Gestaltung der Initialen TSS besticht: Sie lassen die drei Buchstaben noch erahnen, erinnern zugleich aber auch an tanzende Noten. Schulleiterin Sibylle Karschin hält dieses Logo für sehr gelungen: „Es passt zu unserer Schule.“ Mit ihrem engagierten Kollegium plant sie für September eine Projektwoche zur Geschichte der Schule. „Und am 5. November feiern wir einen großen Festball, zu dem auch viele Ehemalige erwartet werden.“

Unter den geladenen Ehrengästen wird auch ihre Vorgängerin im Amt sein, Oberstudiendirektorin a. D. Therese Chromik. Sie war von 2000 bis 2007 TSS-Schulleiterin und hat sich für das Jubiläum intensiv mit der Geschichte der Schulgründerin Sophie Jacobsen auseinandergesetzt. Zur „Corporate Identity“ gehöre das Wissen von der Entstehung und von den Wurzeln der eigenen Schule, sagt sie und hinterfragt dabei auch die heutige Namensgebung: „Hieße die Theodor-Storm-Schule Sophie-Jacobsen-Schule, wäre nicht nur der Gründerin Ehre und Anerkennung für ihre Leistung erwiesen worden. Der Name könnte auch in der heutigen Zeit für die emanzipierte Rolle der Mädchen Ansporn und Programm sein.“

Ihr umfangreiches Manuskript über das Leben und Werk Sophie Jacobsens, das Erkenntnisse aus diversen Publikationen zusammenfasst, wird im Jahrbuch der Schule unter genauer Quellenangabe nachzulesen sein. Für die Husumer Nachrichten hat Therese Chromik einige Fakten zusammengefasst, die neugierig machen sollen auf das große Ganze.

Sophie Jacobsen wurde am 19. Juli 1829 als jüngstes von fünf Kindern geboren. Lehrerin zu werden war damals eine beliebte Möglichkeit für Mädchen, sich Bildung anzueignen. Da es zu der Zeit noch keine Lehrerseminare für Mädchen gab, sammelte sie Lehrerfahrung in England und Kopenhagen und erkannte dabei den Bedarf ihrer Zeit: die Förderung der Mädchenbildung. Am 2. November 1866 gründete die damals 37-Jährige in Husum eine Private Töchterschule mit anfangs vier Klassen, in denen Mädchen bis zur Konfirmation betreut und beschult wurden.

Im ersten Jahr hatte die Schule ihre Räume zuerst in der Großstraße (heute Teil der Sparkasse) und danach elf Jahre lang im Homfeldschen Haus am Markt (Einhorn-Passage). Von 1877 bis 1900 war die Schule im Haus Neustadt 74 (heute 48) untergebracht und zog dann in die Theodor-Storm-Straße um. Bis 1886 leitete Sophie Jacobsen die Schule. 1917 starb sie als Präbandin im Kloster, hat also noch erlebt, dass 1914 aus der Privattöchterschule des Fräulein Jacobsen das Städtische Lyzeum wurde, das lange Zeit nur zur mittleren Reife führte. 1932 wurde der erste Abiturjahrgang entlassen, zugleich erhielt das Lyzeum den Namen Theodor-Storm-Schule. 1966 bezog das Gymnasium schließlich seinen jetzigen, mehrfach erweiterten Standort in der Ludwig-Nissen-Straße.

„Indem Sophie Jacobsen den Töchtern der Stadt eine höhere Schulbildung ermöglichte, trug sie zur Durchsetzung des Menschenrechts auf Bildung für Frauen und für alle soziale Schichten bei“, betont Therese Chromik. Welche große Leistung dies gewesen sei, zeige sich im historischen Kontext: „Zwar gab es in Schleswig-Holstein schon einige kommerziell betriebene kleinere Privatschulen für höhere Töchter, das erste deutsche Mädchengymnasium wurde jedoch erst 1893 in Karlsruhe eröffnet. Husum kann sich also – dank Sophie Jacobsen – einer Fortschrittlichkeit in Bildungs- und Emanzipationsfragen rühmen.“ Um ihre Ziele zu erreichen, habe die engagierte Frau ihre ganze Existenz eingesetzt und zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs immer wieder Bittgesuche auf finanzielle Unterstützung an die Stadt gestellt. Intensiv brachte sie ihren Schülerinnen die Kultur nahe, die Pflege alter Bräuche, das Singen und Gestalten. „Darin zeigt sich, dass der musische Schwerpunkt der heutigen TSS in den Anfängen durch Sophie Jacobsen schon angelegt wurde“, erklärt Therese Chromik.

Um die Schüler auf die Geschichte der Gründerin ihrer Schule aufmerksam zu machen, war vor einigen Jahren ein Wettbewerb für ein Denkmal ausgeschrieben worden. Zahlreiche Vorschläge mündeten schließlich in eine Halbplastik der Sophie Jacobsen, die seit 2007 im Eingangsbereich zur Mensa angebracht ist. In ihrem Entwurf beschrieben die Kunstlehrerinnen Andrea Schettler und Brigitte Wolff ihre Idee so: „Sie (Sophie) begleitet an der Treppe Schülerinnen und Schüler in den Raum, in dem Kommunikation am größten und ihr Ideal von Schulgemeinschaft am stärksten verwirklicht wird.“

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