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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 05:00 Uhr

Vogelschutz auf Eiderstedt : Ein neues Zuhause für Greta

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Fläche der Stiftung Naturschutz in Poppenbüll wurde erfolgreich für die Uferschnepfe und andere Wiesenvögel hergerichtet. Eine Schnepfe wurde bereits gesichtet.

Wenn Wasser auf den Fennen steht, sehen das viele Eiderstedter nicht gern. So wird mancher derzeit argwöhnisch beobachten, was sich im Iversbüller Koog in Poppenbüll tut. Dort am Osterdeich laufen nämlich Grüppen und Gräben voll Wasser, außerdem wird eine größere Fläche flach überflutet. Das alles hat Methode und ist mit Bedacht eingerichtet worden. Denn auf diesen 22 Hektar hofft die Eigentümerin, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein die bedrohte Uferschnepfe und ihre ebenfalls stark bedrohten Verwandten, den Kampfläufer und den Alpenstrandläufer, wieder heimisch werden zu lassen und vor allen Dingen zum Brüten zu bringen. Die Fläche ist eine von zusammen 4000 Hektar an der schleswig-holsteinischen Westküste, die in dem Life-Limosa Projekt „Wo ist Greta?“ eingebunden sind. Der Titel ist doppelt beziehungsreich, denn Greta ist der plattdeutsche Name der Uferschnepfe, Limosa limosa der wissenschaftliche. Durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft verbunden mit dem Rückgang von altem Grünland sowie Eindeichungen von Flußmündungen, beispielsweise der Eider, sind die Lebensräume der Schnepfen und vieler anderer Wat- und Wiesenvögel in den vergangenen Jahrzehnten immer kleiner geworden. Partner der Stiftung als Projektträgerin ist das Michael-Otto-Institut im Nabu in Bergenhusen (Moin). Das Vorhaben wird von der Europäischen Union gefördert. Insgesamt 6,2 Millionen Euro fließen bis 2022 dafür. Die eine Hälfte übernimmt die EU, die andere teilen sich die Stifung sowie die Kreise Schleswig-Flensburg und Dithmarschen.

Im vergangenen Herbst rückte der Bagger an, um die Weide entsprechend vorzubreiten. Die Bauleitung hatte Landwirt und Naturschützer Claus Ivens aus Kotzenbüll, der auch die Umgestaltung der Weide geplant hat. Nun begutachtete er zusammen mit Oliver Granke, bei der Stiftung zuständig für das Projekt, und Dr. Volker Salewski vom Institut in Bergenhusen, der die Fläche ornithologisch betreut, wie sich die Wasserstände entwickelt haben. Sie sind zufrieden, denn ihre Maßnahme hat Erfolg: Die erste Uferschnepfe ist gesichtet worden, die markanten schwarz-weißen Säbelschnäbler brüten bereits, und auch viele Enten sowie Wiesen- und Watvögel nutzen die 22 Hektar.

„In den vergangenen 50 Jahren sind die Gräben hier nicht mehr instand gehalten worden“, berichtet Claus Ivens. „Sie waren alle zugewachsen.“ Unter seiner Aufsicht wurden alle Gräben geöffnet und ihre Ufer abgeflacht. Sie sind rund 1,5 Meter tief. „Es ist wichtig, dass die Grabenränder flach sind, damit die Uferschnepfe und ihre Küken dort nach Insekten, Spinnen, Larven und Würmern stochern können.“ Die Tränkekuhlen und die Gräben sind miteinander verbunden. „Damit der Boden immer feucht ist“, so Ivens. Das sei wichtig, denn der Schnabel der Uferschnepfe sei weich. „In trockene Böden kommt sie damit gar nicht rein.“ Um zusätzlich Wasser in der Fläche zu halten, wurden die Abflüsse der kleinen Gräben, so genannter Grüppen, verschlossen.

Im nordöstlichen Bereich entsteht ein Polder, dort wird Wasser flach auf rund 1,6 Hektar eingestaut. Dort könne die Uferschnepfe ebenfalls nach Nahrung suchen. Ganz wichtig dabei sei, so Ivens weiter, dass das Wasser nicht die ganze Zeit auf dem Land stehe. „Denn das mögen Würmer und Larven nicht, sie würden verschwinden.“ Deswegen werde das Wasser bei Bedarf gesteuert in die Verbandsgewässer abgeleitet. Außerdem soll das Land weiter extensiv beweidet und gemäht werden können. Es sei an einen Landwirt verpachtet. Zudem werde es über Pegelsonden hydrologisch überwacht.

Gerne hätte die Stiftung auch die Pappelreihe entlang der Straße weggenommen. „Das ist ein idealer Ansitz für Greifvögel und Krähen“, sagt Oliver Granke. „Aber nach Rücksprache mit der Gemeinde haben wir davon Abstand genommen.“ Die Uferschnepfe habe eine natürliche Scheu vor solchen Strukturen. Ihr sei offenes Land lieber, in der sie ihre Freßfeinde sehen kann. Das größte Problem seien aber Räuber wie Fuchs, Marder und Marderhund. 90 Prozent der Gelege verschwinden nämlich nachts.

Eiderstedt wurde für dieses Projekt deswegen ausgesucht, weil es ein wichtiges Brut- und Rastgebiet für Wiesen- und Watvögel ist. Auf der Halbinsel fanden sich einst 20 Prozent der Uferschnepfen-Population in Schleswig-Holstein. Doch allein zwischen 2008 und 2013 nahm die Zahl auf Eiderstedt um 50 Prozent ab, erläutert Granke. Das gelte eigentlich für alle Wiesenvögel.

Nun hoffen alle Beteiligten, dass das Gebiet ähnlich gut angenommen wird, wie der Adenbüller Koog zwischen Tetenbüll und Oldenswort, der ebenfalls der Stiftung gehört und bereits vor zehn Jahren hergerichtet worden ist. Dort hat sich Greta wieder angesiedelt. 30 Paare wurden 2015 gezählt. Weitere Projektflächen befinden sich in Poppenbüll-Neukrug und Westerhever.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 09:00 Uhr

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