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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 19:35 Uhr

Neue Ausstellung im Haus Peters : Ein Meister der Radiernadel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Noch bis zum 9. Oktober sind Werke des Künstlers Otto Beckmann im Haus Peters in Tetenbüll zu sehen. Er befasst sich darin mit nordischen Küstenlandschaften, Schiffen, Wind und Meer.

Poetisch, hintersinnig, tiefgründig, ironisch: Otto Beckmanns Werke erzählen lustvoll vielschichtige Geschichten. In Tetenbüll setzt der Maler und Grafiker seit Sonnabend „Sehzeichen“, die nicht selten Seezeichen sind, spielen nordische Küstenlandschaften, Schiffe, Wind und Wasser in dieser Ausstellung doch eine elementare Rolle. Beckmann nimmt den Betrachter mit auf Reisen, bindet ihn ein in seine Gedankenausflüge, entführt ihn in emotionale Tiefen. „Er ist ein reinsaugender Geist“, stellte Künstlerkollege Augustin M. Noffke denn auch in seiner leidenschaftlichen Rede zur Eröffnung fest. Beckmann sei ein dauernder Tüftler und dauernder Nachdenker, ein anregender Poet: „Jede Grafik von Otto erzeugt ein Gefühl.“

Im Haus Peters, das dem großen Horst Janssen ein Zimmer gewidmet hat, befindet sich Beckmann in bester Gesellschaft, ist er doch wie dieser ein Meister der Radierkunst, der mit prägnantem Strich und Lust am Experiment immer wieder neue Techniken ausprobiert. Mit wenigen skizzenhaften Strichen bannt Beckmann das Wesen einer Landschaft auf seine Druckplatten, verleiht ihr eine unverwechselbare Atmosphäre, lässt sie in stets neuem Licht erscheinen. Augenfällig wird dies bei den neun Einzelradierungen seiner „Küstenstriche“, die Beckmann zu einem Gesamtwerk reiht: Farben und Stimmungen könnten kaum unterschiedlicher sein, fangen Jahres- und Tageszeiten ein und werden lediglich durch das extreme Querformat geeint. Von hintergründiger Ironie: die Radierung „Das Fest“, eine Versammlung von Farbtupfern, die sich beim Nähertreten als Fingerabdrücke an Gläsern entpuppen, von denen jedes so markant und einmalig ist wie der hinterlassene Abdruck.

So poetisch die Werke auch sind, ist Beckmann doch weit davon entfernt, lieblich zu sein: Den röhrenden Hirsch, den man von unzähligen, kitschigen Ölschinken kennt, integriert er als anklagendes Versatzstück in sein „Seestück mit Wrackteil“. Dürers berühmter Hase verdreifacht sich in Beckmanns „Landschaft mit Hasen“, während direkt daneben die „Landschaft ohne Hasen“ ein ironisches Ausrufezeichen setzt. Beckmann bringt den Betrachter seiner Werke „auf Kurs“: Das gilt für die „Begegnung“ zwischen dem dicken Pott und dem winzigen Schiff ebenso wie für „Sindbads Reise“, die durch turmhohe, bedrohlich rote Wogen führt. Manchmal genügen dem Künstler wenige zarte Linien und die Abwesenheit von Farbe, um zum Wesen seines Motivs vorzudringen. Dann wieder setzt er plakativ Farbe ein, ermuntert Flächen und Striche zum Dialog, lotet immer wieder die Möglichkeiten der Radiertechnik aus. Das allein ist schon große Kunst.

Kein Wunder, dass Noffke in seiner Laudatio von der „Poesie der Arbeit“ sprach, die in Beckmanns Radierungen steckt. Nach Horst Janssen sei Otto Beckmann einer der „ganz Großen“, ein Künstler, der im Gegensatz zu dem „eng geführten Sehen“ unserer Tage noch das sparsam und selten gewordene „alte Sehen“ pflege. „Tanken Sie die poetisch warme Tiefe seiner Arbeiten“, forderte Noffke die zahlreich erschienen Besucher auf.

Die Ausstellung ist noch bis zum
9. Oktober im Haus Peters zu sehen. Für den Tag des offenen Denkmals am
11. September wird um 15 Uhr zum Künstlergespräch mit Otto Beckmann eingeladen.

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