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St. Peter-Ording : Ein lokalpolitisches Urgestein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wilhelm Bahrenfuß ist seit 50 Jahren Gemeindevertreter in St. Peter-Ording, genau so lange, wie es die Kommune gibt. Bis zum Ende der Wahlperiode im nächsten will der 85-Jährige im Amt bleiben.

Von Politikverdrossenheit ist bei Wilhelm Bahrenfuß keine Spur. Seit einem halben Jahrhundert ist er Gemeindevertreter von St. Peter-Ording. Mehr noch: Er ist Mitglied der ersten Stunde und hat damit alle vier Bürgermeister der Gemeinde erlebt. Denn am 1. Januar 1967 wurde aus den beiden Dörfern St. Peter und Ording der beliebte Badeort mit dem bekannten Doppelnamen. Morgen ist Wilhelm Bahrenfuß auf den Tag genau 50 Jahre Mitglied der Gemeindevertretung. Und zum Jubiläum wird es eigens eine Sitzung geben, in der er geehrt wird (siehe Infokasten), aber auch mit ganz normalem Programm.

„Meine erste Sitzung vergesse ich nie“, erzählt der heute 85-Jährige. „Ich wollte bei meiner Premiere etwas Grundsätzliches sagen. Da schnitt mir der SPD-Vertreter Karl Schulz gleich das Wort ab: Setzen Sie sich wieder hin, sie sind ja noch ganz grün hinter den Ohren.“ Davon hat sich Bahrenfuß aber nicht abschrecken lassen und noch heute meldet er sich regelmäßig in den Sitzungen zu Wort, immer sachlich, manchmal hintersinnig. Und ebenso so sachlich lenkt er als Vorsitzender die Geschicke des Hauptausschusses des Amtes Eiderstedt. Dabei ist er immer freundlich, verbindlich und ausgleichend.

Dass Wilhelm Bahrenfuß in der Lokalpolitik tätig wurde, dafür sorgten andere Kräfte, „denn eigentlich war ich ein eher unpolitischer Mensch“. Wie er berichtet, war es dem damaligen SPD-Vorsitzenden Gerhard Hoff ein Dorn im Auge, dass die CDU in St. Peter so stark war. Er wollte im politischen Spiel der Kräfte für eine dritte Stimme sorgen und regte an, dass die Wählergemeinschaft gegründet wurde. Das war kurz vor der Fusion der beiden Dörfer. Dr. Ernst Ziem und Dr. Günther Lippky, die beiden treibenden Kräfte in der damaligen WGS, heute heißt sie AWG, nahmen Bahrenfuß mit ins Boot. „Für mich war das auch beruflich als Steuerberater praktisch: Ich konnte immer sagen, ich bin nicht CDU und auch nicht SPD, ich war immer fein raus.“ Aus dem unpolitischen Bahrenfuß wurde bald ein Lokalpolitiker mit Leib und Seele. „Ich wurde ja ehrgeizig.“ Er war Mitglied in mehreren Ausschüssen, als Zahlenfachmann stand er von 1994 bis 2013 dem Finanzausschuss vor, von 1986 bis 1990 war er Vorsitzender des Umweltausschuss und von 1990 bis heute ist er stellvertretender Bürgermeister.

„Die Arbeit in den Gremien hat sich in all den Jahren nicht geändert“, findet er. Schließlich müsse man sich ja immer an Recht und Gesetz halten. Doch das Miteinander in der Gemeindevertretung ist anders geworden: „Die Fraktionen verstehen sich in den letzten Jahren sehr gut, früher wurde mehr gegeneinander gekämpft.“ Auch das Verhältnis zu den Bürgern des Badeorts sei immer gut gewesen. Mit einer Ausnahme: die Sache mit dem Gustav-Frenssen-Weg, dem heutigen Gorch-Fock-Weg. Bahrenfuß hatte Mitte der 1990er Jahre angeregt, die Straße umzubenennen. Denn der Dithmarscher Schriftsteller Frenssen hatte sich im Dritten Reich stark für die Nationalsozialisten engagiert. „Wegen meiner Initiative wurde ich damals angefeindet und angepöbelt. Manche reden deswegen noch heute nicht mit mir.“

Traurig ist Bahrenfuß, dass im Badeort die alte Bausubstanz total verschwindet, „aber wegen der Energieeffizienz sind die Gebäude wohl nicht zu halten“. Und so hatte er auch Bauchschmerzen, in Ording das Hotelprojekt auf dem Areal des Ordinger Hofs zuzulassen, auch weil die Bürger dagegen waren. „Aber wir wollten an der Stelle keine Eigentumswohnungen.“ Auf keinen Fall dürften im Badeort Hochhäuser entstehen, wie schon einmal in den frühen 1970er Jahren, das wünscht er sich für die Zukunft von St. Peter-Ording. Die Gemeinde liegt ihm einfach am Herzen, seit der gebürtige Gardinger 1950 als frischgebackener Steuerberater hierher kam. „Ich und mein Kollege Siegfried Kroll waren die einzigen in diesem Fach hier. Man kann sagen, dass wir den Ort mit aufgebaut haben.“ Denn für Kredite benötigten die Gastwirte, Hoteliers und Pensionsinhaber schließlich eine gute Bilanz, sagt er schmunzelnd.

Ans Aufhören als Gemeindevertreter hat Wilhelm Bahrenfuß nie gedacht. „Es hat immer Spaß gemacht, die Zeit ist so schnell verflogen. Ich werde noch bis zum Ende der Wahlperiode im nächsten Jahr bleiben“, sagt er. Sein Amt als Schiedsmann will er sogar noch fünf Jahre lang wahrnehmen. Fit hält er sich mit Spaziergängen am Strand, seinem Lieblingsort, gemeinsam mit seiner Frau und den Hunden.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 15:00 Uhr

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