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Tag des Buches : Ein Leben ohne Bücher – undenkbar

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Antiquarin Linda Streblow bricht nicht nur am heutigen (23. April) Welttag des Buches eine Lanze für das gedruckte Wort.

„Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.“ Dieses vom argentinischen Schriftsteller Jorge Louis Borges (1899  -  1986) beschriebene Paradies befindet sich in der Wasserreihe 48. Dort ist das Antiquariat von Linda Streblow (54) mit Tausenden von gedruckten Werken eine besondere Adresse.

Auf 70 Quadratmetern im unteren Bereich des alten Hauses ist das, was das Herz von Bücherfreunden höher schlagen lässt, geordnet nach Themen – von Landeskunde über Kulturgeschichte bis zu Psychologie, Philosophie und Weltliteratur – in Schränken mit Glastüren, vor allem aber in hohen Holzregalen und in Stapeln davor untergebracht. Erstausgaben – „die sammeln eher die, die nicht nur gerne lesen, sondern auch den ästhetischen Reiz eines bibliophilen Buches schätzen“ –, schön gestaltete Exemplare der bekannten Inselbücherei, aber auch Taschenbücher für einen Euro, die Schülerinnen und Schüler nachfragen, gehören im Sinne des Argentiniers zu dieser paradiesischen Bücherwelt. Vom Barock bis zur Gegenwart ist hier eine literarische Zeitreise i möglich.

Am Herzen liegen der 54-Jährigen ihre ausgewählten Kinderbücher – „Struwelpeter“ und „Der kleine Häwelmann“ begeistern auch Erwachsene – ebenso wie die Reihe „Weltliteratur für Kinder“: Mit Goethes Faust, besonders illustriert, verlassen sogar „große“ Leserinnen und Leser das Antiquariat, die das berühmte Werk bereits kennen.

Linda Streblow ist in Niedersachsen zur Buchhändlerin mit der Fachrichtung Antiquariat ausgebildet worden. Das eigene Geschäft hat sie seit 1988 in Husum. Ihre Stammkunden reisen aus ganz Deutschland zu ihr. Sie alle wünschen eine persönliche Beratung – und wer einmal in der Wasserreihe 48 war, achtet das Fachwissen und die Leidenschaft der 54-Jährigen für das gedruckte Wort. Aber auch die haptische Wahrnehmung ist für die, die das Antiquariat mit dem nostalgischen Flair betreten von Bedeutung – sie möchten einfach Bücher berühren. Und Linda Streblow möchte denen, die ihre „Lieblingskinder“ erwerben, in die Augen schauen können, deswegen ist ihr Geschäft nicht im Internet zu finden. Die Husumer Antiquarin hat sich bewusst entschieden, auf diese „Welt“ zu verzichten. Dahinter steckt eine eigene Philosophie. „Ich möchte eine Begegnungskultur leben – bei mir sollen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Früher waren Antiquariate Treffpunkte für Autoren, Leser und Buchliebhaber.“

Vor allem Mundpropaganda hat zu ihrer Bekanntheit beigetragen. Und nicht von Nachteil ist auch die Nähe zum Storm-Museum – es liegt gegenüber: Dadurch gehört für alle Besucher der Stadt die Wasserreihe fest zum Besichtigungsprogramm.

Was bedeutet ihr das Lesen? „Alles“, sagt sie, lacht und ergänzt nach kurzem Nachdenken: „Ich kann meinen Wissensschatz erweitern und Dinge miteinander verknüpfen. Mit Büchern öffnen sich einem neue Räume. Und Lesen ist auch ein ästhetisches Erlebnis.“ Demütig sei sie geworden bei der Wahrheit, dass sie es nicht schaffen könne, alles, was sie sich wünsche, zu lesen. Deshalb ist für Linda Streblow Lesezeit kostbar. Das Antiquariat öffnet erst um 11 Uhr, denn die Vormittage gehören ihr und den Büchern – darunter „natürlich immer wieder“ Theodor Storm, „aufregende Neuentdeckungen“ und vergessene Autoren der vergangenen 150 Jahre.

Die verbreitete Klage über die Jugend, die nicht mehr lesen würde, teilt Linda Streblow nicht. Seit Kurzem führt sie sogar eine private Statistik, fragt ihre jungen Kunden nach dem Alter und vermerkt mit deren Erlaubnis, was sie gekauft haben. Auf ihrer Liste finden sich unter anderem der Ehebriefwechsel von Johann Wolfgang von Goethe (1749  -  1832) und dessen „Dichtung und Wahrheit“ für zwei 20-Jährige und eine 16-Jährige, die gleich mit vier Gedichtbänden von Goethe den Laden verließ. Neben dem großen deutschen Dichter ist William Shakespeare (vermutlich 1564  -  1616) ein gefragter Autor bei jungen Menschen. Auch Hermann Hesse (1877  -  1962) sei ein Autor, den junge Menschen lesen möchten, weiß die Fachfrau.

Ihre „Lieblingskinder“ findet sie, wenn private Bibliotheken aufgelöst oder vererbte Bücherbestände abgegeben werden. Antiquariats-Messen und Auktionen besucht Linda Streblow, die in ihrem Geschäft von einer Mitarbeiterin unterstützt wird, eher selten. Zum heutigen Welttag des Buches betont sie: „Das Buch wurde schon oft totgesagt. Doch es hat das Fernsehen überlebt und auch das Internet.“

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erstellt am 23.Apr.2016 | 12:00 Uhr

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