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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 13:35 Uhr

Schafbockauktion in Husum : Ein Leben für die Lämmer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Boy Michelsen züchtet zusammen mit seiner Frau Inge Alt Schafe auf Nordstrand. Seine jungen Lammböcke sollen nun auf der Schafbockauktion in Husum versteigert werden.

Die Schafbockauktion in Husum gilt nicht nur bundesweit als größter Viehmarkt seiner Art, es ist zugleich auch die größte Auktion auf dem europäischen Festland. Rund 700 Schafe und Böcke von rund 50 Züchtern stehen in diesem Jahr vom 25. bis 28. August in der Messehalle Husum zum Verkauf. Der Nordstrander Boy Michelsen hat fast von Anfang an alle Auktionen miterlebt – und die gibt es immerhin schon seit mehr als 60 Jahren.

„Schon als Junge hatte ich ein großes Faible für Schafe“, erinnert sich der 76-Jährige daran, dass ihm bereits Anfang der 1950er-Jahre die volle Verantwortung über drei tragende Texel-Schafe übertragen wurde. Die hatte sich sein Vater zusätzlich zu seinen Weißkopfschafen aus den Niederlanden geholt. „Ich wartete gespannt auf die Lammzeit. Leider ging gleich die erste Geburt komplett schief“, staunt Michelsen noch heute darüber, dass ihn dieses traurige Erlebnis damals nicht komplett demotivierte. Heute weiß er: „Zucht ist überwiegend Idealismus.“

Er machte also weiter, wurde Landwirt und widmete sich in erster Linie der Schafzucht. Zeitweise hatte er sogar bis zu 300 Tiere. Lange lag sein Schwerpunkt auf den Texel-Schafen, wie sie heute überall auf Nordfrieslands Deichen stehen. Nie bereut hat Michelsen die Entscheidung, sich zusätzlich die dunkelköpfigen Suffolk-Schafe auf den Hof zu holen, denn Suffolks sind sehr wuchsfreudig, frühreif und lammen leichter als die Texel-Schafe. 25 Jahre ist das nun schon her.

Etwa zu dieser Zeit lernte der Züchter bei einer Veranstaltung in Molfsee seine Frau Inge Alt kenne. Sie hilft ihm seitdem tatkräftig bei der Arbeit. Seit drei Jahren konzentrieren sich die beiden nur noch auf die Suffolks: „Derzeit haben wir 20 Mutterschafe und etliche Lämmer, Jährlinge und Zutreter.“ Letzteres sind weibliche Lämmer, die so gut beieinander sind, dass sie bereits mit einem Jahr selbst Mutterschafe werden können. Boy Michelsen verlässt sich bei seiner Arbeit vor allem auf seine Augen: „Ich sehe sofort, wenn bei einem Tier irgendetwas nicht stimmt.“

Der Züchter hat schon zu einer Zeit Schafbockauktionen in Husum, Tönning und Niebüll mitgemacht, als diese noch in großen Zelten stattfanden. Die besten Erinnerungen hat er an die Auktionen in der Nordseehalle. Eine Weile fanden sie auf einem Gelände am Schlachthof statt und nun schon seit ein paar Jahren in der Messehalle. „Da haben wir es gut getroffen“, sagt Michelsen, der diesmal mit besonders vielen Tieren dabei ist: „Hinter uns liegt ein ausgesprochen gutes Jahr. 80 Prozent der Lämmer waren männlich und so gehen wir nun mit 21 Böcken an den Start.“ Bis zu ihrem großen Auftritt am Sonnabend müssen die Tiere noch lernen, sich am Strick führen zu lassen. Den Bietern werden sie frisch gewaschen und geputzt präsentiert. Neben den Suffolks sind auch die Blaukopf- und Swifter-Schafe am Sonnabend dran; die Texel-Schafe am Mittwoch und Donnerstag, alle anderen Rassen am Freitag.

„Mittlerweile haben wir im Verband mehr als 40 unterschiedliche Rassen“, weiß Boy Michelsen, der mehr als 30 Jahre lang im Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf-und Ziegenzüchter aktiv Vorstandsarbeit geleistet und auch selbst Prämierungen vorgenommen hat. Nun steht er insbesondere Jungzüchtern gern beratend zur Seite. Die Verbandsarbeit hat ihm stets Spaß gemacht. „Einen solchen Posten darf man aber nie aus Eigennutz übernehmen“, sagt er und ist überzeugt davon, dass man trotzdem von seinem Tun profitieren kann, weil man viel herumkommt und andere Züchter kennenlernt.

Eine dringende Bitte hat Michelsen noch an alle Hundehalter: „Nehmt Eure Hunde am Deich an die Leine, lasst nicht zu, dass sie die Schafe jagen.“ Er selbst hat auf grausame Weise schon Lämmer verloren. Ein nie wieder gut zu machender Schaden: „Die ganze Herde leidet darunter und der Hund wird es immer wieder tun, wenn es ihm gelungen ist, ein Lamm zu reißen“, mahnt er.

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