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Husumer Nachrichten

23. März 2017 | 15:30 Uhr

Urgestein der Feuerwehr: Hinrich Struve : Ein Leben für den Brandschutz

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Hinrich Struve aus den Reußenköge ist seit 74 Jahren Feuerwehrmann mit Leib und Seele – er war sogar Vizechef des Weltverbandes.

Wenn die 1942 gegründete Freiwillige Feuerwehr (FF) Reußenköge in Kürze ihr 75-jähriges Bestehen feiert, wird der wohl prominenteste Feuerwehrmann Nordfrieslands die Festrede halten. Hinrich Struve ist selbst schon fast genauso lange Mitglied der Feuerwehr. 1943 trat er als Schüler der Niebüller Wehr bei. Was er damals nicht ahnte: Es war der erste Schritt zu einer beispiellosen Feuerwehr-Karriere. 1963 übernahm er die Wehrführung in seiner Heimatgemeinde Reußenköge, 1972 wurde er zum Kreiswehrführer gewählt. 1979 übertrug man ihm das Amt des Landesbrandmeisters, 1981 wurde er zum Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) ernannt und wenig später auch zum Vize-Präsidenten des Weltfeuerwehrverbandes CTIF.

Als DFV-Chef kämpfte Hinrich Struve an höchster politischer Stelle für die Belange seiner Kameraden. Davon zeugen viele Fotos auf seinem Hof im Sönke-Nissen-Koog: Sie zeigen ihn im Gespräch mit Wolfgang Schäuble, Johannes Rau, Helmut Kohl und anderen Persönlichkeiten. Daneben reiht sich Urkunde an Urkunde. Ein Blickfang ist der große Schaukasten, in dem all die Abzeichen hängen, die der DFV-Ehrenpräsident im Lauf der Jahre für seine Verdienste erhielt. Natürlich ist auch das große Bundesverdienstkreuz dabei, das ihm 1994 verliehen wurde, nachdem er die Wiedervereinigung bei den Feuerwehren begleitet und mit der Gründung des Deutschen Feuerwehr-Museums in Fulda bundesweit Maßstäbe für lebendige Brandschutzgeschichte gesetzt hatte. Orden aus fernen Ländern erinnern an seine Reisen als CTIF-Vize durch Europa sowie nach China, Japan und in die USA. „Damals war ich 200 Tage im Jahr unterwegs“, erinnert er sich.

Seit seine aktive Laufbahn vorbei ist, steckt Struve viel Zeit in die Aufarbeitung der Historie seiner Heimatwehr. Die soll zum 75. Wehrjubiläum noch einmal erzählt werden, ohne dass er sich jetzt schon auf die Inhalte seiner Rede festlegen will. Zu viele Feuerwehrthemen beschäftigen ihn nach wie vor. Und so geradeaus, wie der 88-Jährige früher schon war, sagt er auch heute noch deutlich seine Meinung, etwa zu den Hürden der Bürokratie, mit denen die Feuerwehren inzwischen auf vielen Ebenen zu kämpfen haben. „Wenn es uns durch die Veränderung von Verordnungen und Gesetzen weiterhin so schwer gemacht wird, dann sehe ich schwarz für das Ehrenamt“, sagt er mit Blick auf die schwindende Bereitschaft, sich ehrenamtlich in der Wehr einzubringen. „Ein Ort lebt nicht von der Einwohnerzahl, sondern von denen, die sich engagieren“, macht er deutlich und betont, dass gerade die Feuerwehr so etwas wie der gute Nachbar ist, der bei Freud und Leid für den anderen da ist. In den Reußenkögen gibt es 40 solcher guten Nachbarn – Männer, die Brände löschen, verunglückte Menschen und Tiere retten und selbstlos Hilfe leisten. Seit 1942 ist die Wehr unverzichtbarer Bestandteil der Dorfgemeinschaft.

Die Geschichte begann aber im Grunde schon viel früher: Wie Struve herausgefunden hat, wurde bereits mit der Besiedelung der zwischen 1742 und 1767 eingedeichten Köge eine Art Brandschutz aufgebaut. Als die Koogsmühle 1855 abbrannte, gab es noch keine eigene Spritze, die wurde erst 1887 angeschafft. Beim Löschen kam die Spritze aus Struckum zum Einsatz. 1935 wurde für die Reußenköge die Bildung einer Pflichtfeuerwehr angeregt, die unter Ingwer Petersen, Ernst Denker und Robert Denker insgesamt zehn Jahre Bestand hatte. Am 27. Februar 1942 stimmte der Gemeinderat der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr zu, die allerdings wegen der Einberufung der Männer zum Kriegsdienst bis zu deren Rückkehr hinausgeschoben wurde. 1948 wurde Johannes Peters zum ersten Wehrführer gewählt. 1956 kaufte der Gemeinderat eine Motorspritze, die sowohl am Hydranten als auch an einer offenen Wasserkuhle arbeiten konnte.

1963 übernahm Struve die Wehrführung von Peters und reichte sie 1972 an Johann-Ludwig Ingwersen weiter. Unter dessen Führung wurde 1973 an das Schulhaus ein Gerätehaus angebaut. 1974 erhielt die Wehr ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Geräten, die eine Wasserversorgung über lange Strecken sicherten. 1984 übernahm Kurt Petersen die Spitzenposition der Wehr, 1990 folgte Struves Sohn Wolf-Hinrich, der 1992 das erste wasserführende Fahrzeug in Empfang nahm. „Das leistete 25 Jahre treue Dienste, aber jetzt ist es an der Zeit, unsere technische Ausrüstung auf den neuesten Stand zu bringen“, sagt Sönke Dethlefsen, der seit dem Jahr 2000 Chef der Truppe ist und zum Jubiläum ein neues Fahrzeug präsentieren wird. Wie es aussieht, erfährt die Bevölkerung am 25. März ab 15 Uhr.

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