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Husumer Nachrichten

25. August 2016 | 20:25 Uhr

Nordfriesland : Ein Fahrplan für die Klinik-Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Fahrplan für die Rettung des Klinikums NF steht. Die Kreistags-Fraktionen beraten nun darüber und müssen am 23. März entscheiden. Die stationäre Versorgung in Tönning wird wohl Ende Juni 2017 eingestellt.

Noch wird um Formulierungen und Details gerungen. Aber die Richtung für die Rettung des angeschlagenen Klinikums Nordfriesland ist vorgegeben: Im Vorfeld der alles entscheidenden Sondersitzung des Kreistages am 23. März beschäftigten sich gestern Mitglieder dreier Ausschüsse mit einem Maßnahmen-Paket zur Umstrukturierung der gemeinnützigen Klinikums-Gesellschaft und ihren Häusern in Tönning, Niebüll, Husum und Wyk. Der Vorschlag der Kreisverwaltung folgt im Wesentlichen den Empfehlungen des Wirtschaftsprüfungs-Unternehmens BDO (wir berichteten). Weil sich die Fraktionen bisher nicht intensiv mit dem Rettungsplan befassen konnten und auch noch Sonder-Parteitage von SPD und CDU zu diesem Thema anstehen, wurde auf Empfehlungsbeschlüsse für den Kreistag verzichtet.

Der von Kreispräsident Heinz Maurus und Landrat Dieter Harrsen vorgelegte mögliche Fahrplan sieht so aus: Während die Wyker Inselklinik dank des Sicherstellungszuschlages von Land und Krankenkassen unangetastet bleibt, soll die stationäre Versorgung am Standort Tönning zum 30. Juni 2017 eingestellt werden. Zur ambulanten Versorgung der Bevölkerung wird dort aber das Medizinische Versorgungszentrum weiterbetrieben. Der Klinikums-Geschäftsführer soll überdies von der Gesellschafterversammlung angewiesen werden, die sich aus dieser Umstrukturierung ergebenden Änderungen für die Klinik Husum vorzunehmen.

Um die stationäre Versorgung im Krankenhaus Niebüll – „mit dem derzeitigen klinischen Angebot“ – zu sichern, soll mit dem Sozialministerium und den Kassen über einen Sicherstellungszuschlag für das Haus in Höhe des zu erwartenden jährlichen Defizits verhandelt werden. Ferner ist daran gedacht, die Geriatrie am Standort Niebüll zu erweitern.

Sowohl für Niebüll als auch Husum soll ermittelt werden, welche Investitionen in den nächsten fünf Jahren zum Betrieb und Erhalt der Standorte nötig sind. Der Hintergrund: Der Kreis möchte parallel abklären lassen, ob ein zentraler Neubau – etwa in Nachbarschaft der von der Diakonie betriebenen Fachkliniken Nordfriesland in Breklum – mittel- bis langfristig tatsächlich eine sinnvolle Zukunftsoption ist. Dabei bestehen die Sozialdemokraten auf eine ergebnisoffene Prüfung, auch hinsichtlich des Standortes.

Die Möglichkeit eines zentralen Klinik-Neubaus für Nordfriesland hatte das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen BDO als eine Rettungsvariante für das Klinikum Nordfriesland aufgezeigt, um auch mit Blick auf künftige Bedarfe eine zeitgemäße, optimierte, vor allem moderne und wirtschaftliche Betriebsgröße zu erreichen. „Damit soll auch dem Risiko begegnet werden, dass dauerhaft defizitäre Krankenhaus-Standorte nicht mehr gehalten werden können, weil selbst öffentliche Zuschüsse an Krankenhäuser EU-beihilferechtlich in Frage gestellt werden“, heißt es dazu in der Vorlage für die Mitglieder des Haupt-, des Finanz- und Bau- sowie des Arbeits- und Sozialausschusses. Die Neubau-Lösung setzt allerdings voraus, dass auch die Versicherungen mitspielen und die Nord-Ostsee-Sparkasse als Geldgeber des Klinikums Nordfriesland mit Blick auf eine durchgreifende Sanierung des Klinikums Nordfriesland weiter stillhält.

Parallel dazu werden die Gespräche über eine Zusammenarbeit mit anderen Kliniken in Schleswig-Holstein wieder aufgenommen. Die Verhandlungen mit möglichen Partnern in Dithmarschen und in Flensburg waren in der Vergangenheit entweder gescheitert oder zunächst auf Eis gelegt worden (wir berichteten). Jetzt eröffnen sich offenkundig neue Chancen. Vertreter des Westklinikums in Heide, der Diako Flensburg und der Malteser Norddeutschland gGmbH signalisieren jedenfalls deutlich ihr Interesse: In einem gemeinsamen Schreiben an den Kreis gehen sie davon aus, dass eine Kooperation des Klinikums Nordfriesland, des Westküstenklinikums und des Klinikverbundes Flensburg mit dem Malteser-Krankenhaus und der Diakonissenanstalt „für die Region sehr sinnvoll ist“. Der aktuelle Beschlussvorschlag der Kreisverwaltung sieht denn auch vor, möglichst zügig Möglichkeiten eines gemeinsamen Klinik-Verbundes oder aber auch einer Klinik-Fusion zu prüfen.

Dreh- und Angelpunkt für Nachfragen der Ausschuss-Mitglieder war gestern im Fall einer Schließung der Tönninger Klinik die künftige medizinische Notfall-Versorgung inklusive Luftrettung auf der Halbinsel Eiderstedt. Vorgesehen ist, diese gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und dem Rettungsdienst Nordfriesland sicherzustellen. Auch die Kooperation mit dem Westküstenklinikum in Heide steht in Rede.

In diesem Zusammenhang erläuterte der Leiter des Fachdienstes Rettungswesen um Kreis,Christian Wehr, auf Nachfragen aus der Kreispolitik: „Was den Ausrüstungsstand angeht, sind wir im oberen Drittel anzusiedeln in Schleswig-Holstein“ und „Die Intensivmedizin wird zum Patienten gebracht.“ Die Rettungswagen fahren nach seinen Aussagen grundsätzlich das nächste geeignete Krankenhaus an, und zwar jeweils auf dem schnellsten Weg. Dabei räumte Christian Wehr freimütig ein: „Wenn für einen Patienten wirklich akute Lebensgefahr besteht, dann ist Tönning nicht das Ziel-Krankenhaus der Wahl.“ Die Notarzt-Quote für die stets mit Rettungsassistenten besetzen RTW bezifferte er auf rund 30 Prozent – „da ist kein einziger Tönninger Krankenhaus-Arzt mehr dabei“. Sollte es zu einem zentralen Klinik-Neubau im Raum Bredstedt kommen, würde das laut Wehr „einiges deutlich verschieben“. Es bleibe aber Zeit genug, sich darauf vorzubereiten – „insofern würden wir uns auch dem anpassen“.

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erstellt am 15.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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