zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 16:46 Uhr

Die Dünen von St. Peter-Ording : Ein einzigartiger Lebensraum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Dass die Dünen von St. Peter-Ording etwas Besonderes sind, hat auch die EU erkannt und sie unter Schutz gestellt. Derzeit wird an einem Maßnahmenkatalog gearbeitet, um die Natur dort zu erhalten.

Die Dünen von St. Peter-Ording sind bei Urlaubern wie Einheimischen als Wandergebiet ausgesprochen beliebt. Offene von Sand, Heide und Gräsern geprägte Bereiche wechseln sich mit bewaldeten ab. Der Dünengürtel ist rund 5,5 Kilometer lang und zieht sich fast ohne Unterbrechung durch den Badeort. Ein großer Natur-Schatz, denn die Dünen von St. Peter-Ording sind einzigartig an der gesamten deutschen Westküste. Sie sind demzufolge 2007 als Fauna-Flora-Habitat (FFH) von der EU unter Schutz gestellt worden. Das Gebiet umfasst 153 Hektar. Damit die Tier- und Pflanzenarten dort erhalten bleiben und sich entsprechend entwickeln können, muss nun ein Managementplan aufgestellt werden. Daran arbeitet das Landesamt für Landwirtschaft, Umweltschutz und ländliche Räume (LLUR). Es stimmt sich mit der Gemeinde und dem Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt (DHSV) ab, denen der überwiegende Teil des Dünengürtels gehört.

Jetzt informierten Inke Rabe und Wolfgang Detlefsen vom LLUR in einer Sitzung des Umweltausschusses erstmals die Öffentlichkeit über den Entwurf des Managementplans. Diese war allerdings nur von fünf Bürgern vertreten. Ende Februar hatten sie ihn der Gemeinde und dem DHSV vorgestellt. Im weiteren Prozedere wird der Umweltausschuss eine Stellungnahme erarbeiten und an die Gemeindevertretung weitergeben. Die wird darüber beraten und sie eventuell ergänzen. Anschließend wird das LLUR die Vorschläge, wenn umsetzbar, in den Managementplan einarbeiten und diesen noch einmal mit der Gemeinde abstimmen. Das letzte Wort hat das Umweltministerium in Kiel, wie Wolfgang Detlefsen in der Sitzung erläuterte. Bis Ende des Jahres soll das Verfahren abgeschlossen sein. Wenn dann die eigentliche Umsetzung begonnen hat, soll es jedes Jahr ein informelles Fachgespräch mit den beiden Haupteigentümern sowie Vertretern des Umweltausschusses, des Kreises Nordfriesland und des betreuenden Verbandes geben.

Inke Rabe machte deutlich, wie wertvoll das Gebiet ist – und wie gefährdet. „Es sind noch fast alle typischen Lebensraumtypen eines Dünengebiets vorhanden“, erklärte sie. Von den jungen, durch Sandanwehungen entstandenen Weißdünen über die Graudünen, in denen der Sand durch Vegetation schon festgelegt ist bis zu den Braundünen, die mit Humus angereichert und mit Zwergsträuchern und Heide bewachsen sind. Es handelt sich um einen alten Landschaftskomplex. Geschützte Arten, die dort vorkommen, sind unter anderem die Kreuzkröte, der Moorfrosch und die Zauneidechse. Im Dünental beim Evangelischen Jugenddorf findet sich sogar die seltene Beinbrech-Lilie, der Lungenenzian und der Sonnentau. Zwar gehört das Areal nicht zum FFH-Gebiet, wird aber wegen seiner Bedeutung mit in den Geltungsbereich des Managementplans aufgenommen. Von Bedeutung sind die Dünen auch für viele Insekten- und Schmetterlingsarten, besonders für erdbewohnende Bienen- und Wespen. Auch bei Pilzen ist das Gelände sehr beliebt. Von den 1109 dort nachgewiesenen Großpilzen sind 500 bedrohte oder seltene Arten.

Gefährdet ist die Natur im Dünengürtel zu einem durch Bewuchs mit Sträuchern und Bäume sowie durch eingewanderte Arten (Neophyten), wie Kaktusmoos aus Neuseeland, Kartoffelrose, Traubenkirsche und Japanknöterich. Zum anderen durch die Aktivitäten des Menschen. In den vergangenen 100 Jahren wurde das Gebiet überformt, es wurden Häuser hineingebaut, Entwässerungsgräben angelegt, Dünen mit Kiefern und Sitkafichten aufgeforstet und Wanderwege angelegt, wie Inke Rabe erläuterte.

Um die Dünen mit ihrer Fauna und Flora zu erhalten und weiterzuentwickeln, schlägt das LLUR folgende Maßnahmen vor: die Entfernung von Einzelbäumen und jungen Gehölzen (Entkusselung), außer in den aufgeforsteten Bereichen, keine Intensivierung der Entwässerung, Entfernung von Gartenabfälle, die zu einer Nährstoffanreicherung führe, das Abtragen von Heide und Gras (plaggen) sowie Entkusselung in den Dünentälchen, mehr Hinweisschilder zu öffentlichen Toiletten, da die Dünen von etlichen Besucher als solche benutzt werden. Außerdem sind Maßnahmen angedacht, die über das Verschlechterungsverbot hinausgehen: Anstau von Gräben, Verlegung von Wegen in diesen Bereichen, Freistellung von Heideflächen in den Böhler Dünen, Entfernung von Sitkafichten, Verhinderung der weiteren Ausbreitung von Neophyten, Entfernung von alten Zäunen und die Umwandlung von Kiefernwald in standortgerechten Laubwald. Bisher wurden Gehölze zwischen den Ortsteilen Böhl und Bad entfernt sowie im vermoorten Dünental beim Jugenderholungsdorf.

In der Diskussion wurden mehrfach Bedenken laut, dass Bäume und Sträucher entfernt werden sollen. Das würde das Landschaftsbild verändern. „Wenn wir die Anflugkiefern und - fichten nicht entfernen, wachsen die Dünen zu, dann verschwindet das Landschaftsbild auch“, erklärte Inke Rabe. Bürgermeister Rainer Balsmeier betonte, wie wichtig der Wald für den Tourismus im Ort sei. „Wir brauchen diese drei Klimazonen – Strand, Düne und Wald.“ Inke Rabe versicherte, dass der Wald nicht angetastet werde. Auch landschaftsprägende Kiefern dürfen bleiben. Außerdem soll ein Besucherinformationssystem installiert werden. „Das ist schon für nächstes Jahr mit aufgenommen“, versicherte Detlefsen.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen