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Husumer Nachrichten

28. März 2017 | 00:20 Uhr

Krankenhaus Tönning : Eiderstedt kämpft weiter für die Klinik

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die mögliche Krankenhaus-Schließung beschäftigte den Tönninger Hauptausschuss – mit einer Mischung aus sachlichen und emotionalen Wortbeiträgen. Für Sonnabend, 19. März, ist eine öffentliche Infoveranstaltung geplant.

Das über Tönning und der Region Eiderstedt hängende Damoklesschwert einer möglichen Schließung des Krankenhauses in der Eiderstadt löste in der Hauptausschuss-Sitzung eine Mischung aus sachlichen, emotionalen und kämpferischen Wortbeiträgen aus. Der Vorsitzende Peter Tetzlaff hatte dabei auch Meldungen von Bürgern zugelassen – von denen trotz des brisanten Themas nur fünf vertreten waren.

„Ich erwarte mit Spannung das weitere Gutachten“, erklärte Bürgermeisterin Dorothe Klömmer. Das werde von Seiten des Kreises am 2. März in kleiner Runde vorgestellt. Einen Tag später sei die Herausgabe einer amtlichen Pressemitteilung geplant. Am Montag, 14. März, soll es ab 19 Uhr in der Stadthalle eine öffentliche Infoveranstaltung geben. „Ich finde es bedauerlich, dass auf die Veranstaltung in Tönning in der Bekanntmachung des Kreises nur mit einem letzten Satz hingewiesen worden ist. Und dann mit dem Zusatz, auch den Süden abzudecken“, so Klömmer. Sie hoffe nicht, dass das bereits als Hinweis auf ein „Todesurteil“ für Tönning gelte. Sie werde auf allen möglichen Ebenen für den Erhalt weiterkämpfen. Das Krankenhaus sei für Eiderstedt unverzichtbar. Sie erwarte, dass das Gutachten in seiner Gesamtheit mit den wirklich entscheidenden und detaillierten Zahlen den Vertretern vorgelegt wird. Wegen der bisherigen Erfahrungen sei aber Skepsis angebracht. Letztendlich habe der Kreistag in seiner Sitzung am Mittwoch, 23. März (wir berichteten), das letzte Wort.

Im Herbst vergangenen Jahres, so der Hinweis von Büroleiter Matthias Hasse, habe der Kreis noch von zwei Millionen Euro Defizit gesprochen, inzwischen sei „nur“ noch von einer Million die Rede. „So viel zur Glaubwürdigkeit“, kritisierte Hasse. Im übrigen müssten die Zahlen in Relation zum Kreishaushalt gesehen werden. Was sei da eine Million Defizit. Die Stadt Tönning müsse beispielsweise allein für gesetzliche Pflichtaufgaben Erhebliches ausgeben. Typische Beispiele: die Freiwillige Feuerwehr mit einem Defizit von 250.000 Euro oder die Kindertagesstätten mit mehr als 350.000 Euro. „Wir müssen im Gutachten dringend genauer auf die Kostenstellen schauen“, so der Hinweis von Egon Kring vom Förderverein des Krankenhauses. Er habe da als ehemaliger Unternehmer Erfahrungen. „Wir brauchen mehr Zeit und wir müssen den Kreistagsabgeordneten mehr Futter geben“, so Hauke Schmidt (AWT). Angesichts des von der Landesregierung ausgerufenen „Impulses 2030“ dürfe die Einrichtung nicht nur als solche der Stadt ins Kalkül gezogen werden, sondern als für die Region mit ihrer ländlichen Struktur. Er wisse, dass Fachärzte kontinuierlich abgezogen worden seien. Die Struktur müsse anders aufgebaut werden. Ihm wäre eine Vertagung der Kreistagsentscheidung am liebsten. „Ich fürchte, dass die Kreistagsvertreter nicht alle Seiten des Gutachtens bekommen“, warnte Helge Harder (SSW). „Das befürchte ich auch“, bekräftigte Stefan Runge (SPD). Vielleicht müsse ein „Plan B“ her. Ansonsten hätten aber alle Fraktionen eindringlich mit den für Eiderstedt zuständigen Kreistagsabgeordneten gesprochen.

„Es geht mir zu leise auf der Halbinsel zu. Wir müssen lauter werden und Alternativlösungen bringen“, so der Aufruf von Tönnings ehemaligem Bürgermeister Gerhard Bittner. Ein Zustand zwischen Hoffnung und Bangen sei ihm persönlich zu wenig. Es müssten mehr Menschen beim Kampf gegen die Schließung ins Boot, so auch Vertreter der Kirche. Er halte eine 24-stündige Notfallversorgung ganzjährig ohne Tönnings Krankenhaus für ausgeschlossen. Ein angedachtes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) könne das nicht leisten. Dazu bräuchte man nur die Ehrenamtler der DLRG St. Peter-Ording befragen. Gerade dort und zu Saisonzeiten passierten besonders viele Unfälle. An Wochenenden seien das 30 bis 40 Notfälle. Zudem habe er erfahren, dass die Betten im Husumer Krankenhaus regelmäßig nicht ausreichten. Patienten würden auf den Gängen übernachten oder sogar nach Tönning transportiert werden. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass es in Tönning einen Facharzt gebe, der für die Behandlung von Arbeits- und Schulwegeunfällen zuständig ist. Es werde von ihm immer personenbezogen reagiert. „Sollen die Betroffenen, meist Kinder, jedes Mal nach Heide oder Husum transportiert werden?“, frage er sich. Die Stadt-Chefin bekräftigte, alle Anregungen und Ideen in die weiteren Gespräche mitzunehmen.

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erstellt am 25.Feb.2016 | 13:00 Uhr

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