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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 23:28 Uhr

Serie Zeitsprünge in Bredstedt : Die „Zierde des Fleckens“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

1895 wurde das ehemalige Rathausgebäude in Bredstedt eingeweiht. Bis heute hat sich der Altbau nur wenig verändert.

Der Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege hat etwa 20 Gebäude und Stätten in der Stadt mit Erläuterungstafeln versehen, die auf deren stadtgeschichtliche Bedeutung hinweisen. In unserer Serie „Zeitsprünge“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen einige davon vor, zeigen ein historisches und ein aktuelles Foto. Heute: Das ehemalige Rathaus.

 

Als das ehemalige Rathausgebäude am Marktplatz eingeweiht wurde, war Bredstedt noch ein Flecken, Schleswig-Holstein war nach dem deutsch-dänischen Krieg erst etwa 30 Jahre zuvor vom dänischen Gesamtstaat an Preußen übergegangen. Im Laufe der nächsten 122 Jahre sollte sich am nördlichen Gebäudeteil aber trotzdem nur wenig verändern. Noch heute weist die Aufnahme aus dem Jahr 1895 deutliche Ähnlichkeit zum aktuellen Zustand auf. Die beiden Figuren am Eckturm (Glück und Wohlstand) sind ebenso erhalten geblieben wie die Wappen Nordfrieslands, Bredstedts und Schleswig-Holsteins am Nord-Giebel des Hauses. Allein die heute weißen Profile der Fenster sowie die kürzere Turmspitze fallen auf – und vor allem natürlich der 1930 entstandene Anbau.

 

Geplant wurde das ursprüngliche Gebäude vom Flensburger Architekten Alexander Wilhelm Prale, dessen Handschrift auch noch in vielen Teilen der Fördestadt wiederzufinden ist. Vor allem die zwischen 1899 und 1901 entstandenen Gebäude an der Südseite der dortigen Schiffbrückstraße zeigen viel Ähnlichkeit zum Bredstedter Rathaus. Dieses wurde im neogotischen Stil „zur Zierde des Fleckens“ errichtet und am 5. Mai 1894 eingeweiht.

Errichtet wurde das Gebäude durch die Spar- und Leihkasse, die 45 Jahre zuvor gegründet wurde und bis dahin keine eigenen Räume hatte. In den neuen Bau zog damals bereits das Rathaus, die Sparkasse selbst hatte kaum Personal und kam so mit lediglich zwei Geschäftsräumen aus. Im Laufe der Jahre nahm allerdings der Geschäftsumfang zu, die Zahl der Mitarbeiter stieg und es wurde langsam eng im Gebäude. Also wurde 1929 das im Süden angrenzende Haus Markt 29 von der Stadt gekauft, die Sparkasse spendete 5000 Reichsmark zur Verbreiterung der Bohnenstraße und ein Anbau entstand. Eingeweiht wurde dieser am 28. Juni 1930. Der Kieler Architekt G. Widmann hatte ihn so geplant, dass er sich dem älteren Bauabschnitt und der vorhandenen Bebauung am Markt möglichst anpassen sollte. Die Sparkasse zog um, die Stadtverwaltung (am 8. Oktober 1900 wurde Bredstedt das Stadtrecht verliehen) blieb im Altbau.

Doch die ehemalige Spar- und Leihkasse ist nicht nur aufgrund ihres stadtbild-prägenden Gebäudes eng mit Bredstedt und dessen Geschichte verbunden. Sie unterstützte im Laufe der Jahre mehrfach neue Unternehmen und Einrichtungen – wie die Marschbahn, die elektrische Straßenbeleuchtung oder den Park am Mühlenteich – sowie soziale und kulturelle Projekte.

Im Juni 2013 fusionierte das Kreditinstitut rückwirkend zum Jahresbeginn mit der Nord-Ostsee Sparkasse – fast auf den Tag genau 173 Jahre nach der Gründung. Das Rathaus diente zu diesem Zeitpunkt bereits seit fünf Jahren nicht mehr als Verwaltungsgebäude der Stadt. 2008 wurde Bredstedt Teil des neu gegründeten Amtes Mittleres Nordfriesland mit Sitz in der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Theodor-Storm-Straße 2.

Heute ist das Gebäude am Markt 29-31 in Bredstedt Kulturdenkmal. Neben der Filiale der Nord-Ostsee Sparkasse ist dort unter anderem die Touristinformation Bredstedt untergebracht.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 11:00 Uhr

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