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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:18 Uhr

Landtags- und Bundestagswahl : Die U 40 der Sozis macht mobil

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

93-jähriges Trio tritt gegen CDU-Kandidaten an, die zusammen 168 Lenze zählen – wenn sich Nordfrieslands und Dithmarschens SPD-Basis denn dazu entscheidet.

„Sturm und Drang“ fordert die arrivierte Politik heraus: Das wohl jüngste Kandidaten-Team aller Zeiten schickt sich an, im Wahljahr 2017 für Nordfrieslands Sozialdemokraten ins Rennen um die drei – zuletzt von der CDU gewonnenen Bundestags- und Landtags-Direktmandate – zu ziehen. Geht die SPD-Basis bei den anstehenden Wahlkreis-Versammlungen diesen Weg mit, dann treten im nächsten Jahr drei Bewerber unter 40 Jahren gegen die drei amtierenden Abgeordneten der Christdemokraten an.

Bis zum Ablauf der parteiinternen Erklärungsfrist haben insgesamt vier Sozialdemokraten ihren Hut in den Ring geworfen. Bei der Landtagswahl am 7. Mai will Hendrik Schwind-Hansen im Wahlkreis Nordfriesland-Nord den CDU-Landesvorsitzenden und Noch-Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing herausfordern. Der Niebüller – er studiert Deutsch und Wirtschaft/Politik auf Lehramt – ist Juso-Kreisvorsitzender und Stadtvertreter in Niebüll. Mit seinen 23 Jahren ist Schwind-Hansen 30 Jahre jünger als der Albig-Herausforderer Liebing. Getragen von den nördlichen Ortsvereinen im Kreisgebiet, traut er sich dennoch zu, „etwas für die Region zu bewirken“ und „mutig in den Wahlkampf reinzugehen“.

Und einen Seitenhieb Richtung Liebing, der sich während seiner Sommertour als PR-Gag an eine Supermarkt-Kasse gesetzt hatte, hat er auch parat: „Die Lebensrealität kenne ich dann doch etwas besser“, sagt Schwind-Hansen, der sich seine Brötchen lange Zeit an der Kasse eine Discounters selbst verdient hat.

Im Landtags-Wahlkreis Nordfriesland-Süd tritt der SPD-Kreisvorsitzende Matthias Ilgen an, der wie Liebing vom Bundes- in den Landtag wechseln möchte (wir berichteten). Der 32-Jährige muss sich dazu allerdings zunächst parteiintern gegen den langjährigen Sozialdemokraten Ralf Heßmann (Jahrgang 1963) aus Hattstedt durchsetzen. Der Bürgermeister und Amtsvorsteher des Amtes Nordsee-Treene hatte kurz vor Ablauf der Frist, wie angekündigt, seine Bewerbung eingereicht. Sein Credo: „Ich wollte immer für die Politik und nicht von der Politik leben.“ Da Gestaltungsmöglichkeiten auf kommunaler Ebene immer wieder an Grenzen stoßen, möchte Heßmann in Kiel eine starke Stimme erheben für die berechtigten Anliegen der Bürger sowie die Belange des ländlichen Raums und der Gemeinden an der Westküste. Wer auch immer am Ende in diesem Wahlkreis das Rennen in der SPD macht, trifft auf den 57-jährigen Pellwormer CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Jensen, der erneut kandidiert.

Der Dritte im Bunde der jungen SPD-Bewerber ist der 38-jährige Nico Hamkens, der stellvertretender Kreisvorsitzender seiner Partei und Abgeordneter des nordfriesischen Kreistages ist. Bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 möchte er MdB Ilgen beerben. Der bei der Stadt Husum tätige gebürtige Eiderstedter wird sich im Bundestags-Wahlkreis Nordfriesland/Dithmarschen-Nord aller Voraussicht nach mit der CDU-Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Astrid Damerow auseinandersetzen müssen. Die 58-Jährige soll am 10. September bei der CDU-Wahlkreisversammlung in Husum zur Nachfolgerin von MdB Liebing gekürt werden.

So weit sind die Sozialdemokraten noch nicht. Ihre offiziellen Kandidaten werden erst am 8. Oktober für den Landtag und am 19. November für den Bundestag nominiert. Die drei SPD-Youngster sind zuversichtlich, was ihre Chancen bei den beiden wichtigen Wahlen angeht, da völlig offen ist, wie sich die politische Großwetterlage bis Mai entwickelt. Hamkens und Schwind-Hansen jedenfalls nehmen ihre Herausforderungen sportlich, zumal bei der Landtagswahl im Mai erstmals auch 16- und 17-Jährige wählen dürfen. Beide wollen einen engagierten Wahlkampf liefern, um dann weiterzusehen, sie hoffen aber natürlich auf aussichtsreiche Listenplätze. Sowohl Hamkens als auch Schwind-Hansen („Ich werde mich nicht von Vornherein wegducken“) kalkulieren allerdings ein, dass sie womöglich in fünf Jahren einen zweiten Anlauf nehmen müssen – „so die Partei will“.

Sehr selbstbewusst gibt sich hingegen Matthias Ilgen. Er glaubt, den Landtagswahlkreis NF-Süd direkt holen zu können. Ilgen reklamiert für sich, als Kreis-Chef und Bundestagsabgeordneter eine gute Arbeit für die Westküste gemacht und Bundesgelder für Breitband-Initiativen und die Eiderstedter Kirchen in die Region geholt zu haben.

Während Ilgen sich für seinen Wahlkreis 5000 Hausbesuche vorgenommen hat, will das junge Trio ansonsten auf einen modernen Wahlkampf wie über Facebook setzen, um verstärkt auch jüngere Leute und „die arbeitende Mitte“ zu erreichen. Finanziell kann sich die SPD Nordfriesland Wahlkampf wieder leisten, vor allem dank einer Umlage der Ortsvereine und Unterstützung des Landesverbandes. „Der Turnaround beim Geld ist geschafft“, sagt Ilgen als Chef des rund 1160 Mitglieder zählenden SPD-Kreisverbandes Nordfriesland.

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erstellt am 08.Sep.2016 | 15:00 Uhr

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