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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 11:22 Uhr

Naturschutzprojekt in Lütjenholm : Die Scheckenfalter können kommen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Naturschutzprojekt LIFE Aurinia in Lütjenholm zeigt erste Erfolge. Der Zeitpunkt für die Ansiedlung der geschützten Goldenen Scheckenfalter ist aber noch unklar.

Es war nicht ganz unumstritten, das Projekt „LIFE Aurinia“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein am Galgenberg und Megelbarg bei Lütjenholm. Aus EU-Mitteln kofinanziert und mit dem Untertitel „Wenn Wald wieder zu Heide wird“ versehen, ist es aber auf einem guten Weg, so das Fazit von Projektleiter Dr. Detlef Kolligs von der Stiftung Naturschutz. Ziel ist es, bis zu Ende 2018 westlich und östlich der Landesstraße 4 zwischen Dörpum und Lütjenholm neue Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Dazu gehört auch der europaweit geschützte Goldene Scheckenfalter. Der ist seit mehr als 20 Jahren in dieser Region ausgestorben und zählt zu den sogenannten Schirmarten mit hohen Lebensraumansprüchen. „Wenn es dieser Art gut geht, zeigt das den exzellenten Zustand der Lebensräume an. Davon profitieren dann auch weitere seltene und gefährdete Arten, wie Zauneidechse, Heidelerche oder Knoblauchkröte“, weiß Kolligs. Demnächst – der Zeitpunkt steht noch nicht fest – soll also besagter Falter wieder angesiedelt werden.

Die Heide, die früher auf den Binnendünen des 16 Hektar großen Areals zu Hause war, ist bereits wieder da. „Sie hat sich gut entwickelt, wie auch die weiteren für den Sandboden typischen Pflanzenarten, wie Teufelsabbiss, Bergwohlverleih, Bergsandglöcken oder Lungenenzian“, stellt der Projektleiter fest.

„Es kreucht und fleucht wieder heftig. Das ist eine wahre Pracht“, freut sich der ehrenamtliche Betreuer Erich Scholz vom Verein Natur und Kultur um den Stollberg. Es werde kontinuierlich die historische und verlorengegangene Kulturlandschaft reaktiviert. Das Gebiet in Lütjenholm ist übrigens eines von landesweit zehn Projekträumen. Sie wurden als Schutzgebiete für europaweit geschützte Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume an die Europäische Union gemeldet und gehören zum Schutzgebiets-Netz NATURA 2000. Projektstart war im Jahre 2010, nachdem die Stiftung das Land erworben hatte. Ein etwa bis zu 70 Jahre alter artenarmer Sitkafichtenbestand mit hauptsächlich sibirischen Lärchen wurde für das Projekt gefällt. Wobei – so betont Dr. Kolligs – für jeden Hektar gerodeten Forst an anderer Stelle neue Bäume gepflanzt worden sind. Monitoring war von Anfang an Pflicht. Die Fichtenbestände hätten zudem nicht naturschutzrechtlichen Zielen gedient, sondern waren zur wirtschaftlichen Nutzung bestimmt. Sie wären ohnehin im Alter von bis zu sieben Jahrzehnten erntereif gewesen. Dann hätte man sie ohnehin fällen müssen – allein schon, um Sturmschäden zu verhindern. Die Holzerlöse flossen in das Projekt zurück.

Kritiker des Projektes hätten anfangs eingewandt, dass hier „Luxus-Naturschutz“ betrieben werde, sagt Heinrich Becker, Vorsitzender des Vereins Natur und Kultur um den Stollberg. Allerdings sei es so, dass der Natur das zurückgegeben werde, was sie an der Stelle einmal gewesen ist: nämlich Heidelandschaft. Die Binnendünen hätten nach Aussage von Waldfachleuten überhaupt nie aufgeforstet werden dürfen. „Das Projekt wirkt dem weltweiten Artenrückgang entgegen“, so Becker. Der Goldene Scheckenfalter ist auf blütenreiche Heiden, Wiesen, Halbtrocken- und Borstgrasrasen angewiesen, so dass die Lebensräume dauerhaft gepflegt werden müssen. Das geschieht auch in Lütjenholm durch den Einsatz von Ziegen und robusten Galloway- oder Highland-Rindern. Sie machen sich über Pflanzen her, die „normale“ Nutztiere nicht anrühren. Sie verschmähen selbst die sich stark ausbreitende Traubenkirsche, Kiefer oder Kartoffelrose, nicht.

LIFE-Projekte werden jeweils zur Hälfte aus EU-Mitteln sowie vom Projektträger finanziert – in diesem Fall die Stiftung. Das Gesamtbudget beträgt 3,3 Millionen Euro mit einem Förderanteil von 1,65 Millionen Euro. Das entspricht jährlich etwa 412.500 Euro für zehn Gebiete über acht Jahre. Die Gelder sind zweckgebunden. Im kommenden Jahr sollen wieder Führungen durch das Gebiet angeboten werden.

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