zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 22:55 Uhr

Puppentheater : Die Poppenspäler von Tönning

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Jeden Montag und Mittwoch sind Ursula Bahlmann-Lucke und Bernd Volkers zurzeit an der St.-Laurentius-Kirche anzutreffen.

Drei echte Höhepunkte stehen derzeit auf dem Spielprogramm der Poppenspäler in Tönning. Für Kinder zeigt Ellen Dorner am Donnerstag (25. August) ab 16 Uhr mit „Jochen, der Schweinefant“ ein Puppenspiel nach einer Geschichte von Iskender Gider. Markus Dorner tischt am Freitag (26. August) ab 16 Uhr mit „Tischlein deck dich“ ein Grimmsches Märchen als Marionettenspiel neu auf. Am gleichen Tag lädt er ab 20 Uhr die Erwachsenen zu „Don Camillo und Peppone“ – Episoden aus den Romanen von Giovanni Guareschi ein. Der Eintritt ist frei.

Unabhängig von diesen Spieltagen sind Ursula Bahlmann-Lucke und Bernd Volkers jeden Montag und Mittwoch von 15 bis 17.30 Uhr am Poppenspäler-Wagen anzutreffen. Und der steht von April bis September auf dem Platz hinter der St.-Laurentius-Kirche. Manchmal zeigen die engagierten Mitglieder des Husumer Pole-Poppenspäler-Förderkreises den Besuchern, wie Puppen gebaut werden. Wer mag, kann sich in dem alten Wagen umschauen und mehr über dessen Geschichte erfahren, die im Jahr 1920 beginnt. Viele Jahre lang wurde er von Schaustellern auf Jahrmärkten genutzt. 1983 erwarben ihn die Marionettenspieler Axel und Kerstin Wilhelm. Während der Gastspielreisen diente er der Familie zum Kochen, Wohnen und Schlafen. 1995 erstand der Pfälzer Puppenspieler Markus Dorner das gute Stück für eine Unicef-Aktion. Er übereignete den Wagen 2003 dem Husumer Förderkreis, zu dem er durch seine Auftritte bei den Poppenspälertagen gute Beziehungen pflegte.

Daran, dass der damals fast abrissreife Wagen aufwendig restauriert werden konnte, hatte neben diversen Helfern und Sponsoren auch Bernd Volkers großen Anteil: „Zu der Zeit arbeitete ich beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Tönning. Dort konnten wir mit Hilfe unserer Auszubildenden die Instandsetzung durchführen. Dass wir heute über so ein Schmuckstück verfügen, ist aber vor allem dem Tischler Herbert Wolff zu verdanken. Ohne ihn hätten wir das Abenteuer nie gewagt“, sagt er. Frisch gestrichen, mit neuen Holzrädern und historischen Franz Graf von Pocci-Scherenschnitten versehen, wurde der Wagen 2005 zurück nach Husum gebracht. Dort stand er fünf Jahre lang auf dem Vorplatz der Stadtwerke. Nachdem dort die Öffnungszeiten immer mehr gekürzt werden mussten, sorgte Volkers dafür, dass das Gefährt wieder nach Tönning kam und auf dem Platz hinter der Kirche ein schönes Zuhause fand.

Seit dieser Zeit ist auch Ursula Bahlmann-Lucke mit von der Partie. Sie war 2007 von der Elbe an die Eider gezogen und befand sich gerade in einer schwierigen Phase, als Bernd Volkers eines Tages überraschend an ihrer Tür klingelte und fragte, ob sie Lust hätte, das Projekt Poppenspäler-Wagen in Tönning mit ihm aufzuziehen. Den Anstoß zu der spontanen Kontaktaufnahme gab Peter Räcker, Ursulas früherer Kursleiter beim Hamburger Puppentheater. Er berichtete Volkers von ihrer großer Freude am Puppenbau. Und so fanden zwei Gleichgesinnte zueinander. Puppenspielerin allerdings wollte Ursula Bahlmann-Lucke nie werden. Doch dann entwickelten sie fast nebenbei ihr erstes eigenes Stück: „Nachdem Bernd diese herrlichen plattdeutschen Texte geschrieben und ich die Puppen dazu fertig hatte, konnten wir gar nicht anders, als das Stück selbst aufzuführen“, erinnert sie sich. Das an das alte Märchen vom Fischer und seiner Frau angelehnte Puppenspiel „Guld in de Eider“ läuft nun schon im dritten Jahr. „Nächstes Jahr wollen wir unser zweites Werk vorstellen. Es wird wieder ein Märchen sein und an der Eider spielen“, so viel verrät Volkers schon mal.

Die Zahlen belegen, dass der Poppenspäler-Wagen in Tönning zur Erfolgsstory geworden ist: „2015 zählten wir etwa 500 Gäste.“ Wobei die Aufführungen noch nicht mitgezählt sind. „Im besten Fall können es pro Stück bis zu 80 Zuschauer sein“, sagt Ursula Bahlmann-Lucke und hat für alle Puppenspiel-Liebhaber noch einen besonderen Tipp: „Ende September ist wieder einmal Hiltrud Vorberg-Beck vom petit bec Figurentheater mit ihren lebensgroßen Puppen zu Gast“, sagt sie. Spenden zum Erhalt des Poppenspäler-Wagens sind immer gerne gesehen.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen