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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 21:37 Uhr

Bürgerbegehren zum Gesundheitswesen : Die Nordfriesen sollen entscheiden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Um die medizinische Grundversorgung zu stärken, haben drei Insulaner auf Sylt ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht.

Keine Geburtshilfe mehr auf Sylt, auf Föhr, in Niebüll. Die Schließung des Krankenhauses Tönning beschlossene Sache. „Die Tendenz ist eindeutig,“ sagt der Sylter Lars Schmidt, die Ausdünnung der Krankenhäuser nur eine Frage der Zeit. „Wir drei nordfriesischen Querköpfe wollen etwas dagegen tun.“ Mit einem Bürgerbegehren soll die Grundversorgung auf dem Lande wieder gestärkt werden.

Bei einer Pressekonferenz stellten die beiden Sylter Lasse Lorenzen und Lars Schmidt sowie der Föhrer Markus Herpich gestern Nachmittag im alten Kursaal von Westerland ihre Pläne vor. Zur symbolischen Uhrzeit um fünf vor zwölf hatten die drei ihr Bürgerbegehren an den Landrat und an die Kommunalaufsicht gemailt. Ihr Ziel: „Wir versuchen, einen von den Bürgern des Kreises Nordfriesland in direkter Demokratie getragenen Beschluss herbeizuführen, der sich klar gegen die weitere Zentralisierung und für eine wohnortnahe sowie qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung einsetzt.“

Alle drei Insulaner sind Väter, ihre Kinder sind noch in den Kreißsälen von Westerland und Wyk zur Welt gekommen. „Ich möchte auch, dass meine Enkel hier geboren werden“, sagt der Morsumer Lars Schmidt (46). Ein funktionierendes Gesundheitswesen gehöre zu den Aufgaben einer humanistischen Gesellschaft. „Wir würden ja auch nicht auf die Idee kommen, die Feuerwehr zu zentralisieren.“ Nach der Schließung der Geburtshilfe auf Sylt und Föhr und faktisch auch in Niebüll sei es nur eine Frage der Zeit, dass auch im Husumer Kreißsaal die Lichter ausgehen. Der letzte Schritt sei dann ein großes Zentralklinikum in Flensburg.

Schmidt hofft bei dem Bürgerbegehren den Schulterschluss zwischen den Insulanern und den Bürgern auf dem Festland. Doch die Zentralisierung im Gesundheitswesen beschränke sich nicht auf Nordfriesland. „Wir würden uns freuen, wenn sich in anderen Regionen in Schleswig-Holstein oder anderen Bundesländern Mitstreiter finden, die ebenfalls ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen wollen.“

Dabei ist den Gesundheits-Aktivisten klar, dass eine wohnortnahe Versorgung teuer werden kann. „Aber wir sind davon überzeugt, dass die Menschen dieses wert sind und die politischen Prioritäten verschoben werden müssen.“ Lasse Lorenzen (38) vermutete, dass die Folgekosten der Zentralisierung in den Spar-Kalkulationen zu wenig berücksichtigt wurden. Ein ausgedünntes Gesundheitswesen mache Nordfriesland auch für Touristen und neue Arbeitskräfte wenig attraktiv, warnte Lorenzen. „Wirtschaftlichkeit kann nicht das Totschlagargument sein, um alle gesellschaftlichen Errungenschaften abzuschaffen.“

Das Bürgerbegehren ist auf dem Weg, nun sei der Kreis gefordert. Die Verwaltung müsse die Kosten kalkulieren, die sich aus dem Bürgerwillen ergeben könnten. Anschließend starten die drei Initiatoren ihre Unterschriftensammlung. Für das Bürgerbegehren liege die Untergrenze bei vier Prozent der Wahlberechtigten – das entspräche rund 6000 Unterschriften. Wenn der Kreistag dann ihre Forderung nicht umsetzt, kommt es zum Bürgerentscheid, bei dem mindestens acht Prozent der Wahlberechtigten mit „Ja“ stimmen müssten.

Ein Ablauf, mit dem sich Lars Schmidt bereits auskennt – er gehörte zu den Initiatoren des Bürgerentscheids, bei dem die Sylter im Juni für den Erhalt zweier Hallen auf dem ehemaligen Fliegerhorst stimmten. Diesmal haben die drei Insulaner den 14. Mai 2017 als Termin für den Urnengang im Blick – am selben Tag ist Landtagswahl. Das spart Kosten, sichert der Initiative aber gleichzeitig auch eine hohe Wahlbeteiligung.

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