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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 09:50 Uhr

Selbstverteidigung für Mädchen in Bordelum : „Die mächtigste Waffe ist eure Stimme“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Selbstverteidigungskursus der Sportfreunde Bordelum und des Vereins Bordelum-Hus endet für die Teilnehmerinnen mit einer guten Erfahrung.

Diese Situation kennt und fürchtet wohl jede Frau: Auf dem Nachhauseweg lungern dunkle Gestalten am Wegesrand und schon der Gedanke, an denen vorbei zu müssen, flößt Angst ein. Stellen sich die Halbstarken dann auch noch mit den Worten „Hallo Süße, wohin so eilig?“ in den Weg oder werden gar handgreiflich, ist die Panik perfekt. Viele Frauen erstarren dann vor Schreck, kriegen keinen Ton heraus und wagen schon gar nicht, sich ernsthaft zur Wehr zu setzen. Das Gefühl „die sind ja sowieso viel stärker als ich“ lässt sie nach außen genauso wirken, wie sie sich fühlen – wehrlos, ausgeliefert, als Opfer eben.

Solche krassen Situationen haben Esther, Maja, Meike, Nele und Tjorven zum Glück noch nie erlebt, wohl aber kennen die 14- und 15-jährigen Mädchen gewisse unangenehme Momente abends an der Bushaltestelle, Pöbeleien oder tatschende Hände im Gedränge. Um damit besser umgehen zu können und gegen Schlimmeres gewappnet zu sein, meldeten sie sich für einen Selbstverteidigungskursus an, den die Bordelumer Sportfreunde gemeinsam mit dem neu gegründetenVerein Bordelum-Hus für Lernen und Begegnung anboten.

Während Polizeitrainer Frank Schindler mit den insgesamt zehn Kursteilnehmerinnen einige Grundtechniken gegen körperliche Angriffe übte, legte Christian Will, der beim Bundesgrenzschutz Kommunikations- und Verhaltenstrainer ist, Wert auf die verbale Abwehr: „Denkt daran, die mächtigste Waffe ist eure Stimme“, gab er den Teilnehmerinnen für die letzte Praxisübung am Montagabend mit. Ihre Aufgabe bestand darin, einzeln vom Büttjebüller Kirchenweg aus über den schmalen Pfad zum Naturspielplatz zu gehen. Sie wussten, dass sie auf den rund 450 Metern einige unangenehme Momente erleben würden, und theoretisch auch, was sie dann zu tun hätten… aber würde das auch in der Praxis funktionieren? Gespannt und aufgeregt machte sich eine nach der anderen auf den Weg.

Dabei sah sich Meike (15) schon nach wenigen Metern mit einem typischen Problem konfrontiert: Aus dem Dunkel tauchten zwei Jungs auf und machten anzügliche Sprüche, als sie an ihnen vorbei wollte. Ihre unerwartet souveräne Antwort überraschte die vermeintlichen Täter dann aber so sehr, dass sie das Mädchen tatenlos ziehen ließen und sich erstaunt ansahen. Auch Maja (14) reagierte geistesgegenwärtig, als plötzlich ein vermummter Mann aus dem Gebüsch sprang, sie mit den Worten „Du kommst jetzt mit!“ von hinten packte und ins Dickicht zerrte. Statt sich gegen den Griff zu wehren und instinktiv nach vorne zu flüchten, bewegte sich Maja energisch rückwärts und schob dabei einen Fuß zwischen die Beine des Mannes. So überrumpelt geriet der heftig ins Straucheln und als er im Fallen automatisch den Griff lockerte, nutzte Maja die Chance, laut um Hilfe zu schreien und wegzurennen. Die harte Landung auf dem Rücken musste der vermeintliche Angreifer übrigens x-Mal über sich ergehen lassen, denn fast alle Mädchen wussten diese Technik sicher anzuwenden.

Esther und Tjorven (beide 15), die mit den Worten „Ich bin froh, wenn ich überhaupt reagieren kann und nicht in Schockstarre verfalle“ gestartet waren, freuten sich bei der anschließenden Aussprache darüber, dass sie von den „Tätern“ nicht als Opfer, sondern als sehr selbstbewusst wahrgenommen worden waren. Sie selbst stuften die „Übergriffe“ als sehr authentisch ein, denn trotz des Wissens, dass etwas passieren würde, sei das altbekannte mulmige Gefühl da gewesen. Am Ende waren alle stolz, dass die „verbale und physische Abgrenzung mittels Sprache und Technik“ auch im Praxistest funktioniert hat. „Es ist schön und keineswegs selbstverständlich, dass sich alle Teilnehmerinnen dieser Herausforderung gestellt haben“, lobte Christian Will den Mut der jungen Frauen. „Unser Ziel war es, dass durch das Training, die Übungen und das direkte Erleben ein Gefühl von Vertrauen in Euch wächst. Und das war eben deutlich zu spüren. Jetzt wisst Ihr mit Sicherheit: Ich habe Mittel und Möglichkeiten, einer solchen Situation zu begegnen und bin nicht in der Hilflosigkeit gefangen und anderen ausgeliefert.“

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