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Familienfirma Eggers : Die letzten Mineralöl-Mohikaner

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Familienunternehmen Peter Eggers ist das einzige verbliebene seiner Branche in Husum und steuert auf sein 100jähriges Bestehen zu.

Auf halber Strecke zur 100 liegt die 50. Und beide Zahlen sind für die Husumer Firma Peter Eggers von zentraler Bedeutung. 1967, vor 50 Jahren, zog der expandierende Mineralölgroßhandel an seinen heutigen Standort auf Rödemishallig um. „Auf dem 3500 Quadratmeter großen Gelände fanden wir ideale Bedingungen vor“, sagt Diplomkaufmann Peter Jürgen Eggers – damals zarte 16 Jahre jung. Inzwischen marschiert der Firmen-Chef in dritter Generation mit großen Schritten auf den 100. Geburtstag des Unternehmens zu. Und nach Lage der Dinge werden er und Sohn Jann-Peter Eggers ein Alleinstellungsmerkmal ins Jubeljahr 2019 mitnehmen können: „Seit Anfang des Jahres sind wir in der Region das letzte mittelständische Familienunternehmen auf diesem Gebiet“, sagt Peter Eggers. Grund: Zum Jahresende 2016 hatte sich Mitbewerber Torsten Peters aus dieser Sparte zurückgezogen.

Jetzt konkurriert die Firma nur noch mit den „Großen“. „Es wird immer schwieriger, sich in unserem Markt zu behaupten“, sagen Peter und Sohn Jann-Peter Eggers, der für die vierte Generation des Unternehmens steht. Dass es ihnen dennoch gelingt, ist neben der besonderen Firmengeschichte vor allem den gewachsenen Geschäftsbeziehungen in der Region zu verdanken.

Angefangen hat alles 1919. Damals gründete Peters’ Großvater Peter Hermann Eggers in Husum einen Einzelhandel für Petroleum, Schmierstoffe und artverwandte Produkte. Seine Kunden bediente er mit dem Fahrrad oder – wenn die Wege zu lang wurden – mit der Marschbahn. Hauptabnehmer war die Landwirtschaft. Neben Leuchtpetroleum, Wagen- und Melkfett gehörte auch Bohnerwachs für die Bäuerinnen zum Sortiment.

Weitblick bewies der Firmengründer, als er seinen Sohn Hermann Peter zur Lehre in die Kieler Fettfabrik Harmsen schickte, von der Eggers seine Schmierfette bezog und die später unter das Dach eines weiteren Geschäftspartners, der Deutschen Erdöl-Aktiengesellschaft (DEA), geholt wurde.

1925 zog die Firma an die Nordseite des Husumer Hafens um. Benzin und Dieselkraftstoffe erweiterten die Produktpalette. Und auch bei den Kunden tat sich etwas: Zu den traditionellen Abnehmern aus der Landwirtschaft gesellten sich Speditionen, Busunternehmen, Tankstellen und Werkstätten. Mit der Technisierung der Landwirtschaft schnellte ab 1950 auch der Absatz von Schmierstoffen und Dieselkraftstoff in die Höhe. Und als das Heizöl die Kohle vom Markt zu drängen begann, komplettierte Eggers mit ihm das unternehmenseigene Sortiment. Inzwischen ist Eggers Mineralöle das einzige Familienunternehmen in Nordfriesland, das im Markenvertrieb das Vollsortiment Benzin, Diesel, Schmierstoffe und Heizöl vertreibt.

Peter Eggers hat durchaus nicht aus dem Blick verloren, was das Familienunternehmen zu einem so stabilen Wirtschaftsfaktor hat werden lassen: „Die Landwirtschaft stand einst im Mittelpunkt unserer geschäftlichen Interessen. Wir sind mit ihr gewachsen, und sie soll sich auch weiterhin auf uns verlassen können“, sagt er. Aber natürlich ist das Unternehmen mit der Zeit gegangen, hat sich den Anforderungen veränderter Fertigungs- und Anwendungstechnologien gestellt – von der Husum Dock und Reparatur GmbH & Co. KG bis hin zu den Herstellern von Windkraftanlagen.

Eine wichtige Zäsur war der Verkauf der DEA – seinerzeit unter dem Dach von RWE – an den Global Player Shell im Jahr 2002. Zwar gaben Eggers Mineralöle dem fortwährenden Werben des neuen Konzerns 2006 nach: „Aber wir sahen schnell ein, dass die Interessen eines mittelständischen Anbieters nicht zu denen eines Weltunternehmens passen.“ Nach dreijähriger Zusammenarbeit kehrte Eggers nicht nur zu seinen Leisten zurück, sondern bietet mit Eggers Energy unter der Leitung von Sohn Jann-Peter seit 2013 auch noch Erdgas und Strom an. Und durch neue Partnerschaften im Vertrieb ist die Eggers Energy GmbH seit 2017 auch bundesweit am Start. Aus gutem Grund, denn durch Niedrig- und Nullenergiehäuser sowie verbesserte Brennwerte der Heizungen ist der Verkauf von Heizöl rückläufig. So bleibt die Branche ebenso im Wandel wie das Familienunternehmen Eggers und sein Team.

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erstellt am 14.Mär.2017 | 13:00 Uhr

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