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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 16:46 Uhr

Feuer auf Nordstrand : Die Heldin mit der kalten Schnauze

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Als es in einem alten Gehöft auf Nordstrand zu brennen beginnt, ist es Border-Collie-Hündin Susi, die die Familie vor den Flammen warnt.

Sonntagabend, kurz vor 19 Uhr: Finja Koopmann hat es sich auf ihrem Bett gemütlich gemacht, als sie hört, dass die gut einjährige Border-Collie-Hündin Susi ganz merkwürdig Töne von sich gibt. „Normalerweise kläfft sie, wenn jemand auf den Hof kommt, aber diesmal wimmerte sie so komisch, so dass ich draußen nachgesehen habe. Und da roch ich es schon“, erzählt die 17-Jährige, die auf den Brandgeruch und den Qualm, der vom angebauten Stall zu ihr ins Haus drang, sofort ihre Eltern und die Geschwister Marcel (8) und Svenja (16) alarmierte. Und dann ging alles ganz schnell: Während der Vater die 112 anrief, zog sich der Rest der Familie etwas über, wobei Marcel wegen einer fiebrigen Erkältung besonders gut eingepackt werden musste. Und dann kam über das Telefon auch schon der Marschbefehl der Feuerwehr: „Alle raus, sofort!“

In der Leitstelle hatte man die Situation offenbar richtig erfasst, denn durch den starken Sturm breitete sich das Feuer in dem mehr als 100 Jahre alte ehemaligen Gehöft wortwörtlich in Windeseile aus. Sehr schnell schlugen die Flammen durch das Dach und als die Freiwilligen Wehren Nordstrand und Hattstedt eintrafen, blieb ihnen nur eins übrig: das Haus kontrolliert abbrennen zu lassen und ein Übergreifen des Feuers auf den benachbarten Stall zu verhindern – denn dort hat die Familie zwei Pferde stehen und rund 20 Hühner. Die Brandursache ist noch nicht abschließend geklärt, der entstandene Schaden wird derzeit aber schon auf mindestens 200.000 Euro beziffert.

Am nächsten Morgen standen Marco und Astrid Koopmann fassungslos vor der Ruine ihres Hauses, das sie vor neun Jahren bezogen und für sich hergerichtet hatten. Nichts haben sie retten können und vor allem der Gedanke an die vielen Erinnerungsfotos, die nun nicht mehr da sind, schmerzt sichtlich. Finja hat nicht einmal ihr Handy retten können, denn als sie nach dem Hund sah, hatte sie es neben das Bett gelegt und dann nicht mehr daran gedacht. „Und ich habe in der Hektik die falsche Hose angezogen, das Portemonnaie befand sich in der anderen“, sagt ihr Vater bedrückt, zeigt sich ansonsten aber sehr gefasst: „Wenn es irgendwie geht, werden wir das Haus wieder aufbauen“, so sein Plan.

Froh darüber, dass sie in der ersten Nacht ganz in der Nähe bei seinen Eltern unterkommen konnten und zudem ein netter Nachbar für die nächste Zeit eine komplett eingerichtete Ferienwohnung zur Verfügung gestellt hat, können sich alle nun erst einmal auf das Wesentliche konzentrieren: Dank Susi sind alle heil rausgekommen. „Nur das zählt“, da sind sich alle fünf einig.

Den gestrigen Tag nutzte die Familie dazu, nach Husum zu fahren und einzukaufen. Für Essen und Getränke ist fürs Erste gesorgt und eingekleidet mit dem Nötigsten haben sich die Koopmanns auch schon. Viele Nordstrander haben bereits ihre Hilfe angeboten. „Alles Weitere müssen wir auf uns zukommen lassen“, sagt der Familienvater, der seinem noch etwas fiebrigen Sohn eine Hoffnung allerdings gleich wieder nehmen musste: „Auch wenn die Schulsachen verbrannt sind, zur Schule musst du bald trotzdem wieder.“

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