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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 05:04 Uhr

Wohnprojekt : Die Ersten ziehen bei Üüs aran ein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das genossenschaftliche Wohnprojekt auf Amrum ist fast fertig. In 32 Wohnungen finden 80 Menschen ein neues Zuhause.

In das erste genossenschaftliche Wohnprojekt Amrums in der Wittdüner Mittelstraße, Üüs aran, sind die ersten Mieter eingezogen. Elf Parteien von Haus 3 bekamen ihre Schlüssel ausgehändigt. Die beiden anderen Häuser folgen in den nächsten Tagen.

„Wer hätte gedacht, dass alles so zügig und reibungslos verlaufen würde?“, sagte Heiko Müller, Üüs-aran-Vorstandsmitglied, und erinnerte an den ersten Ideenaustausch mit den drei Inselgemeinden vor drei Jahren, das Hinzuziehen des erfahrenen Kieler Projektentwicklers TING, die Bildung der Arbeitsgruppen und den Baubeginn im Oktober 2015. Nun sind 32 Wohnungen (fast) fertig. Vorstand, Aufsichtsrat, alle Beteiligten – sie seien so unglaublich gut zusammen gewachsen. Keine Frage: Üüs aran sei eine Bereicherung. Dem konnte Wittdüns Bürgermeister Jürgen Jungclaus nur zustimmen. Sein Dank ging an die Initiatoren und die Gemeinde. „Dieses Projekt hat das wichtige Thema Daseinsvorsorge auf den Inseln hervorragend umgesetzt.“ Amtsdirektorin Renate Gehrmann freute sich, dass solche Projekte auf den Inseln möglich sind (auf Föhr gibt es seit 2013 das Mehrgenerationenhaus der Genossenschaft „föhreinander“ mit 28 Wohnungen in der Wyker Strandstraße) und hoffte, dass solche positiven Signale viele Nachahmer finden. „Ein Dank an alle, die die Idee hatten, dazu gestanden und sie durchgesetzt haben.“ Applaus!

Was dann folgte, war sehr charmant: Auf allen drei Geschossen steckten die Schlüssel in den Türen. Im Eingangsbereich gab es Wein, Prosecco, Wasser und Saft; man nahm sich ein Glas und öffnete – mit ein bisschen Adventskalender-Feeling – einfach eine der Türen. Und siehe da, in den Wohnungen warteten schon die Mieter beziehungsweise Genossen. Hallo, wer wohnt denn hier?

Martina Riecken (51) ist seit 22 Jahren beim DRK in Wittdün. Genau so lange lebte sie auf 26 Quadratmetern. Dachgeschoss, zwei kleine Fenster. Jetzt hat sie fast 60 Quadratmeter, sechs große Fenster und eine Terrasse. Jeder Mieter hatte bei der Einrichtung ein Mitspracherecht. „Mein Backofen auf Augenhöhe ist für mich das Größte. Ich hatte noch nie eine richtige Küche“, sagt Riecken.

Judith (51), Krankenschwester, und Klaus Schubert (61), Maurer, haben noch keine Küche. „Wir haben uns, glaube ich, als allerletzte entschieden und die Bestellfrist um einen Tag verpasst. Wir hatten nie daran gedacht, hier einzuziehen. Aber als die Häuser fertig waren, sah das alles so einladend aus. Den Geist so einer Genossenschaft finden wir genial.“

Dass Cornelius Jannen mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern direkt neben seiner Schwester wohnen wird, ergab sich zufällig. Die beiden Familien beziehen die Fünf- und Sechs-Zimmer-Wohnungen im Familienhaus. 95 und 105 Quadratmeter für viel Leben mit insgesamt sechs Kindern. „Wir waren zwölf Jahre weg und sind glücklich, dass wir hier wohnen können. Bei so vielen Kindern zählen gerade die praktischen Dinge: alles auf einer Ebene, Spülmaschine, Kinderwagen-Platz im Flur. Wir freuen uns auf das Miteinander.“

80 Menschen, darunter 24 Kinder, finden in der Wohngenossenschaft eine neue Heimat. In fünf Wohnungen von den 32 haben Amrumer Arbeitgeber investiert, damit ihre Mitarbeiter eine ordentliche Bleibe haben. Zwei Beispiele folgen dem sehr schönen Solidaritätsprinzip solcher Projekte: So haben zwei Amrumerinnen ihre Wohnungen zwar „erworben“, ihr Wohnrecht aber an zwei auf der Insel Beschäftigte abgetreten. Also an Menschen, die die Infrastruktur aufrecht halten, ohne die kein Tourist auf dieser Insel urlauben wollte. Und die sich von ihrem Lohn bisher keine so schöne Unterkunft leisten konnten.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 11:00 Uhr

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