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Husumer Nachrichten

26. Juli 2016 | 19:54 Uhr

Empfang in Bredstedt : Die Biike als Beitrag zur Integration

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Biike-Tradition in Nordfriesland ist identitätsstiftend. Sie leistet ebenfalls einen Beitrag zur Integration, wurde beim Biike-Empfang in Bredstedt hervorgehoben. Auch die Flüchtlings-Situation wurde thematisiert.

Nicht immer kann der Biike-Empfang des Friesenrats Sektion Nord unmittelbar am Tag der Biikefeier stattfinden – in diesem Jahr aber passte es: Der 21. Februar fiel auf einen Sonntag und so fanden sich am Vormittag der traditionellen Biikefeier zahlreiche Freunde der friesischen Sprache im Kultur- und Veranstaltungszentrum „Altes Heizwerk“ in Bredstedt ein. Die Vorsitzende Ilse Johanna Christiansen führte durch das Programm.

„Man muss einem Nordfriesen nicht erzählen, was eine Biike ist“, sagte sie. Wohl aber könne man nicht oft genug darauf hinweisen, dass das traditionelle Volksfest unter dem Leitsatz „Wissen. Können. Weitergeben.“ im Dezember 2014 in das Verzeichnis des immateriellen Unesco-Kulturerbes in Deutschland aufgenommen wurde. Wichtige Kriterien für die Aufnahme sind unter anderem die Weitergabe von Wissen und Können, freier Zugang zur Tradition, die Einbindung der gesamten Gemeinschaft, nachweisbare Lebendigkeit und eine identitätsstiftenden Komponente.

„Die Biike ist aber auch ein integrationsstiftendes Element“, sagte Ilse Johanna Christiansen und erklärte, dass nach dem geplanten Vortrag über Nordfrieslands Mythen und Gespräche darüber hinaus zusätzlich noch eine Gesprächsrunde über die Integration der Flüchtlinge in Nordfriesland geplant sei.

Zunächst aber erteilte sie Frank Trende das Wort. Der Autor aus Dithmarschen sammelt Mythen, Sagen und Geschichten. Er erklärte, dass Menschen und Kulturen mit fabelhaften Erzählungen ihr Welt-, aber auch ihr Selbstverständnis zum Ausdruck bringen können. Nicht immer seien diese Geschichten wahr, zumal sie oft auch auf sehr unterschiedliche Weise erzählt werden, gab er zu. Aber man könne sie ohne Zweifel als Einladung betrachten, sich dem Land und den Leuten – in diesem Fall den Nordfriesen – zu nähern. Beispielhaft erwähnte er Theodor Storms Schimmelreiter, die sagenhaften Geschichten von Nis Puk, den Rungholt-Mythos mit seinem wahren Kern und die Geschichte des armen Husumer Mütterchens, das ihr gesamtes Hab und Gut opferte, um die Eisläufer vor der Stadt vor einer Sturmflut zu warnen und sie so vor dem Tod zu bewahren. Trende schloss sein spannendes Referat mit dem weisen Zitat: „Wie groß ist die Welt? – So groß, so klein, so weit, wie ich denken kann“.

Unter der Moderation von Stefan Hartmann (Syltfunk) teilten danach einige politische Vertreter ihre persönlichen Ansichten zum Thema Mythen und kamen dabei auch zu der Erkenntnis, dass die Mythologie gerade in der heutigen Welt für viele Menschen ein Anker sein könne. Geschichten seien keine verstaubte Angelegenheit, sondern könnten durchaus den Horizont weiten. Wortbeiträge lieferten unter anderem Schleswig-Holsteins Minderheitenbeauftragte Renate Schnack, der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen, Margarethe Ehler von der CDU, Lars Harms vom SSW und Angelika Beer von der Piratenpartei sowie Dithmarschens Kreispräsident Hans-Harald Böttger. In der zweiten Gesprächsrunde kamen Vertreter des Amtes Mittleres Nordfriesland zu Wort, ein Flüchtlingsbetreuer und zwei Mitarbeiterinnen der Awo-Kleiderkammer. Sie sprachen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit den mehr als 340 Flüchtlingen, die derzeit im gesamten Amtsgebiet betreut werden.

Passende Schlussworte fand Helen Christiansen vom Präsidium der Jugend Europäischer Volksgruppen, einem Netzwerk von Jugendorganisationen der europäischen Minderheiten: „Ich studiere in Kopenhagen und weiß, dass ich jederzeit zurückkehren kann in meine nordfriesische Heimat. Flüchtlinge können nicht zurück.“ Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch Norma Schulz von der Insel Föhr, die auf sehr schöne Weise eigene friesische Songs zu Gehör brachte, und von Thora Kahl, die mit ihren Kindern Momme (8) und Miie (10) den „Biikesung“ anstimmte sowie die friesische Nationalhymne „Gölj-Rüüdj-Ween“.

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