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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 18:48 Uhr

Diskussion um die Gestaltung des Dockkoogs : Der Wert des Deichs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wie viel Deich braucht die Stadt und worauf spekuliert der Landesbetrieb für Küstenschutz? In der Debatte um die Neugestaltung des Husumer Dockkoogs spielen viele Faktoren mit hinein.

Der Zweck von Deichen, die Wünsche des Landes und die Ängste der Nordfriesen – all dies spielt in die Diskussionen um die künftige Gestaltung des Dockkoogs mit hinein. Besonders bei der Frage, ob die gewagteste der drei Varianten, die die Projektgruppe Dockkoog erarbeitet hat, umgesetzt werden soll: die Öffnung des Dockkoog-Deiches und der Bau einer Hotel-Hallig vor Husum (wir berichteten).

Diese Variante haben die SPD- und die CDU-Fraktion von vornherein ausgeschlossen – und es sieht derzeit auch nicht unbedingt danach aus, dass die Politiker ihre Meinung wieder ändern werden.

„Wenn der Deich bricht, dann am Dockkoog“, argumentiert der SPD-Politiker Ulf von Hielmcrone und erinnert an die Sturmfluten von 1936 und 1962. Käme die Hallig, hätte Husums Zentrum nur noch eine Deichlinie – „ganz ehrlich, da entsteht bei mir ein Gefühl des Unwohlseins“. Dass neben anderen der Landesbetrieb für Küstenschutz der Ansicht ist, Husum sei auch oder gerade mit der Hallig sicher gegen Sturmfluten geschützt, beeindruckt den Juristen nur begrenzt: „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glauben.  .  .“ Ohnehin sei er nicht vollends davon überzeugt, dass ein Hotel auf einer Hallig die bestmögliche Variante sei, um den Dockkoog auch in touristischer Hinsicht aufzuwerten.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Czock hält daran fest, dass eine doppelte Deichlinie sicherer sei als eine. Eine Flutung des Geländes werde zudem zu einer „riesigen Mückenplage“ führen, befürchtet er. Die verschiedenen Dockkoog-Varianten würde seine Fraktion durchsprechen – er persönlich glaube aber nicht, dass die CDU von ihrem Beschluss abrücke.

Dass gerade der Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN) der Hallig-Variante so positiv gegenüber steht, hat aus Czocks Sicht einen einfachen Grund: „Das Land sucht händeringend nach Ausgleichsflächen.“ Die würden in der Tat entstehen, wenn Teile des jetzigen Dockkoog-Geländes geflutet würden. Das Land braucht solche Kompensationsflächen, also Land, das dem Meer zurückgegeben wird, wenn es am Wattenmeer baut, beispielsweise Deiche verlängert. Aus diesem Grund wurde von Seiten des LKN beispielsweise schon überlegt, den Deich um das 568 Hektar große Rantum-Becken auf Sylt zu öffnen, um so eine neue Ausgleichsfläche zu schaffen.

Den Vorwurf, das LKN würde nun in Husum die Hallig-Lösung voran treiben, weil es auf Sylt mit seiner Idee abgeblitzt sei, will LKN-Chef Johannes Oelerich so nicht gelten lassen: Zum einen bewerbe sein Betrieb die Hallig-Lösung nicht: „Wir haben der Stadt mehrere Angebote gemacht, von denen wir sagen, dass sie sicher sind.“ Zum anderen suche das LKN nicht händeringend nach Ausgleichsflächen – für alle Küstenschutzprojekte, die derzeit in der Planung sind, seien genügend vorhanden. Zwar werde derzeit an Prioritäten gearbeitet, wie an der Westküste weitere Ausgleichsflächen geschaffen werden könnten – Näheres könne er dazu aber noch nicht sagen.

Was immer der Hintergrund für das Erstellen der Hallig-Variante ist: Dass es angesichts des steigenden Meeresspiegels sinnvoll sein kann, der See mehr Raum zu geben, statt immer stärkere Deiche zu bauen – diese These vertritt auch der langjährige Wattenmeerforscher Professor Karsten Reise. Auf ihn bezieht sich der nordfriesische Biologe und Naturschützer Lothar Koch: „Es geht bei diesen Ideen ja nicht darum, einfach die Deiche aufzureißen, sondern das Ganze auch im Sinne eines sanften Tourismus zu nutzen.“ In Holland beispielsweise, dem einstigen Land der Deich-Verfechter, hätte dieser Kurswechsel im Kopf schon stattgefunden.

Und warum graut es den Nordfriesen so vor dieser Idee? „Ist doch kein Wunder“, findet Lothar Koch, „wir haben alle in der Schule gelernt: Wer nicht will deichen, der muss weichen. Das sitzt einfach tief.“

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erstellt am 03.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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