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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 21:20 Uhr

„Northern Rescue Zero One“ : Der Rettungsflieger von St. Peter-Ording

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf Eiderstedt ist der Helikopter „Northern Rescue Zero One“ für Offshore-Flüge stationiert – und als Reserve, falls Großeinsätze die anderen Rettungshubschrauber binden.

Starker Westwind, Schauer – und in der Nordsee Wellen von einem Meter Höhe. Nichts Ungewöhnliches. Und nichts, was den Ablauf auf dem Flugplatz in St. Peter-Ording aus dem Takt bringen könnte. Hin und wieder startet ein kleiner Flieger zum Rundflug über die Küste. Gestartet wird aber auch an anderer Stelle auf dem Flugplatzgelände. Dort, wo der knallgelbe Rettungshubschrauber „Northern Helicopter Zero One“ mit der markanten leuchtroten Nase steht.

Die Crew zieht sich um, um 12.30 Uhr geht es zu einer Übung auf die Nordsee hinaus. Dort soll eine Rettung geprobt werden. 250 Übungsstunden pro Jahr sind angesetzt – und erstmalig kommt heute auch die 60 Kilogramm schwere, lebensecht wirkende Puppe mit Namen Ruth Lee mit an Bord. Erst am Vortag ist sie eingetroffen, heute soll sie ihre Tauglichkeit im Meer unter Beweis stellen – „und getauft werden“, ergänzt Notarzt Jan Hoppe. Zur fünfköpfigen Crew gehören neben ihm auch ein Rettungsassistent, ein Windenführer und natürlich die beiden Piloten.

Nachdem sich der schwere „Heli“ vom Typ AS365N3 Dauphin in die Luft erhoben hat, gewährt Betriebsleiter Herbert Janssen von der Northern Helicopter GmbH (NHC) mit Sitz in Emden Einblicke in den Betrieb. Seit 20 Jahren arbeitet Jannsen bei der 1991 gegründeten NHC und ist seit 2014 Betriebsleiter der Firma, die über 58 Mitarbeiter und vier Rettungshubschrauber verfügt – „und bislang unfallfrei geflogen“ ist, wie Jannsen betont. Seit 2011 betreibt NHC die Offshore-Rettung. Von der Basis in St. Peter-Ording werden elf Windparks und sechs große Plattformen in der Nordsee angeflogen. Seit 2014 wurden dabei 208 Einsätze in der deutschen Wirtschaftszone geflogen. „Und seit März 2016 transportieren wir auch Techniker in die Windparks“, ergänzt der St. Peteraner Stationsleiter Sönke Dorn. Betriebsleiter Janssen ergänzt: „Im Offshore-Bereich haben wir Erreichbarkeiten von 40 Minuten und Transportzeiten zur Klinik von 45 Minuten. Onshore – also auf dem Festland – kann der Notarzt schon in 15 Minuten am Einsatzort sein; der Transport in die Klinik kann dann noch einmal 20 Minuten betragen.“

In St. Peter ist ein Containerdorf entstanden, in dem die Einsatzkräfte vor Ort auf dem Flugplatz wohnen und arbeiten. „Der Dienst dauert jeweils vier Tage, dann folgen vier freie Tage“, sagt Janssen. Und freut sich darüber, dass die NHC so freundlich aufgenommen worden sei: „Wir fühlen uns hier sehr wohl!“

Alarmierungen für „Northern Rescue Zero One“ kommen über die zentrale Leitstelle Nord in Harrislee für die Kreise Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und die kreisfreie Stadt Flensburg und über die zentrale Leitstelle West in Elmshorn für Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg. Gerade am Vortag hat der Hubschrauber zwei Einsätze für die Leitstelle West und davor vier für die Leitstelle Nord geflogen.

Der Offshore-Rettungshelikopter werde als drittes Rettungsmittel eingesetzt, wenn die Hubschrauber der DRF-Luftrettung – „Christoph Europa 5“ in Niebüll und „Christoph 42“ in Rendsburg – schon zu Einsätzen unterwegs sind oder aus Wettergründen nicht fliegen können, sagt Janssen. Und manchmal diene der NHC-Helikopter auch als Reserve, um notfalls an anderer Stelle eingreifen zu können, falls ein Großeinsatz die anderen Hubschrauber bindet. Das war zum Beispiel bei dem schweren Verkehrsunfall beim Eiderdamm am 30. Juli der Fall. Hier war im Nachhinein Kritik aus der Öffentlichkeit laut geworden, weil der NHC-Helo nicht zum Unfallort gerufen wurde, obwohl er die Unfallstelle in nur drei Flugminuten hätte erreichen können.

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