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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 19:39 Uhr

Sommerpausen-Plauderei : „Der Minderheit etwas zurückgeben“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husums SSW-Fraktionschef Peter Knöfler hat zwar keine dänischen Wurzeln, identifiziert sich aber mit den Zielen des Südschleswigschen Wählerverbandes.

Sommerpausen-Plauderei: SSW-Fraktionschef Peter Knöfler spricht im Interview über Fleiß, Minderheiten und die Notwendigkeit, Politik im großen Ganzen zu sehen.

 

Wie kommen Sie zum SSW? Haben Sie dänische Wurzeln?

Es steht ja in der Landesverfassung , dass derjenige, der sich zur dänischen Minderheit bekennt, auch dazu gehört. Bei mir war das so: Ursprünglich komme ich aus Westfalen und meine Frau und ich sind 1985 hierher gezogen. Damals war es schwer, für meinen Sohn einen Kindergartenplatz zu bekommen. Über einen Tipp sind wir beim dänischen Kindergarten gelandet. Dann hat sich ganz natürlich ergeben, dass wir uns mit dem Thema beschäftigt und Dänisch-Kurse belegt haben. Und 2005 bin ich in den SSW eingetreten, weil ich dachte, ich habe so viel von der Minderheit bekommen, jetzt muss ich auch etwas zurückgeben.

 

Sie identifizieren sich auch mit den Zielen der Partei?

Ja, auf jeden Fall. Ich finde, auf Landesebene klappt’s mit Grünen und SPD sehr gut, dass würde man sich hier in Husum auch manchmal wünschen. Das ist ja dann doch nicht immer so .  .  .

 

Spielen Sie auf den Hort-Streit mit der SPD an? (Auf Antrag der SPD wurde ein Beschluss über eine höhere Bezuschussung des dänischen Horts zurückgestellt. Das hatte beim SSW für Verärgerung gesorgt, Anm. der Redaktion)

Nicht nur. Allerdings ist das schon ein bisschen seltsam gelaufen. Aber generell könnte ich mir eine bessere Kommunikation vorstellen, das liegt vielleicht auch mit an mir.

 

Finden Sie es generell schwer, etwas für die dänische Minderheit in Husum zu erreichen?

Eigentlich ist da schon eine Bereitschaft da. Anstoßen muss die Themen der SSW, aber es ist soweit in Ordnung. Und wir haben ja auch schon einiges erreicht, das macht dann auch Spaß. Wir hatten beispielsweise schon vor Jahren gesagt, dass es eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit im Rathaus geben muss. Das hat im zweiten Anlauf geklappt.

 

In unserem Zeitungs-Ranking „Welcher Kommunalpolitiker wendet die meiste Zeit für sein Ehrenamt auf?“ sind Sie auf Platz zwei gelandet. Ist Kommunalpolitik Fleißarbeit?

Ja, ist es. Es ist auch Denkarbeit, aber natürlich ist es Fleißarbeit, wenn man so einen Stapel Unterlagen durcharbeiten muss. Und ich habe auch den Anspruch, alles zu lesen. Ich finde es nicht gut, wenn man da bloß kurz vor der Ausschusssitzung drauf guckt. Natürlich ist es in einer kleinen Fraktion auch so, dass sich die Arbeit auf wenige Köpfe verteilt.

 

Was motiviert Sie an diesem Ehrenamt?

Dass ich tatsächlich etwas erreichen kann, auch wenn der Weg dorthin manchmal sehr zäh ist. Manchmal hat man auch den Eindruck, dass sich nichts bewegt. Aber man lernt: Manche Sachen dauern einfach, das ist auch Demokratie. Man darf nur nicht aufgeben.

Haben Sie das schon mal überlegt?

Nein. Ich bin ja auch im SSW-Landesvorstand aktiv, und insgesamt kann man einiges bewegen.

 

Zudem engagieren Sie sich auch bei Attac.

Ja, Gerechtigkeit ist mir wichtig, weltweit. Man kann auch Kommunalpolitik aus meiner Sicht nicht nur auf Husum beschränken. Das, was die Wählergemeinschaft sagt: Wir kümmern uns nur um Husum, reicht nicht. Politik bedeutet, in größeren Zusammenhängen zu denken.

 

Ist es Ihrer Ansicht nach generell ein Problem von Kommunalpolitik, dass das große Ganze nicht gesehen und zu sehr um den eigenen Nabel gekreist wird?

Könnte sein. Nicht bei allen, aber bei einigen ist das sicher schon so. Aber wenn man Dinge nicht in größeren Zusammenhängen sieht, kann man ja nur reagieren. Wenn mit Kommunalpolitik gemeint ist, dass ich nur auf Vorlagen der Verwaltung reagieren soll, ist mir das zu wenig. Man muss auch schon eigene Vorstellungen einbringen.

 

Sie beziehen sich auf eine Äußerung des CDU-Fraktionschefs Christian Czock in unserer Interview-Serie: „Wir arbeiten ja das ab, was uns die Verwaltung gibt.“

Ich muss sagen, da war ich ein bisschen platt, als ich das gelesen habe. Das ist zu wenig für Kommunalpolitik. Dann bräuchten wir ja nur noch eine gut aufgestellte Verwaltung und gar keine politischen Entscheidungsträger mehr. Man muss doch als Politiker selbst Ideen und Vorstellungen entwickeln.

 

Was sind für Ihre Fraktion die wichtigsten Themen, die im Herbst anstehen?

Ein wichtiges Thema ist der Tourismus. Und da müssen wir endlich die Lokale Tourismus-Organisation, die LTO, gründen, das hängt ja jetzt auch schon seit zwei Jahren. Wenn wir die nicht haben, kriegen wir keine Fördermittel vom Land. Wir müssen Husum auch als Marke weiter entwickeln, und dafür sorgen, dass wir als Kreisstadt Nordfrieslands sichtbarer werden. Was mir auch vorschweben würde, wäre, Husum als Fair Trade City zu etablieren. Das gibt es in anderen Orten schon, damit wollen wir uns mal an den Bürgermeister wenden. Und dann wird es ja um den Busverkehr und den ÖPNV gehen, der verbessert werden soll. So, wie das jetzt läuft, ist es ja für die Katz.

 

Ich muss gestehen, ich bin hier noch nie Bus gefahren.

Das haben bei den Info-Veranstaltungen ganz viele gesagt. Bei diesen Ringverkehren ist das ja auch nichts: Wer aus Mildstedt kommt und zu Plaza will, ist 78 Minuten unterwegs. Dann nutzt kein Mensch den Bus. Da muss dringend etwas getan werden.

 

Zu guter Letzt: Wird der SSW Uwe Schmitz im Wahlkampf auch unterstützen?

Grundsätzlich finde ich, dass er einen guten Job macht und ein toller Mensch ist. Wir werden uns Anfang Oktober mit ihm treffen. Daher sehen wir keine Eile, uns heute schon zu erklären.

 

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erstellt am 29.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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