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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 17:46 Uhr

Die Geschichte des Dockkoogs : Der Kampf um „Husums Badewanne“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wenn es um Baustellen geht, die die Stadt schon ewig beschäftigen, steht der Dockkoog ganz oben auf der Liste – eine Chronologie.

Unendliche Geschichten haben in Husum Tradition – von der Westtangente bis zur Schulbausanierung. Manches währte lange und endete gut, anderes nicht. Der Dockkoog und die Dockkoogspitze gehören – jedenfalls bisher – in die zweite Kategorie. Durch die geplante Deichverstärkung kommt jetzt allerdings Bewegung in die Sache. Doch wohin die führen wird, zeigt sich frühestens Ende September. Welchen Sonderstellung der Dockkoog im Ranking der unendlichen Geschichten einnimmt, verdeutlicht ein Blick auf die Chronologie der Ereignisse.

Eingedeicht wird das Areal in politisch bewegten Zeiten – 1847, 1848. Mehr als 100 Jahre später sorgt ein verheerendes Naturereignis dafür, dass die Trutzburg gegen den Blanken Hans um die Nase (Dockkoogspitze) zurückgebaut und der restliche Deich verstärkt wird. Die Sturmflut von 1962 hat das Bollwerk nahezu vollständig zerlegt, und mit der „Erholung“ verlieren die Husumer einen gastronomischen Außenposten nebst freiem Blick aufs Meer. Von der Gaststätte bleibt nur der Name, der fortan auf das gesamte Gelände übertragen wird. Das allerdings ist und bleibt Naherholungsgebiet der Husumer.


Das Nordseehotel wird gebaut


In den Jahren 1968/69 entsteht hinter dem Deich ein Hotel mit Meeresblick – das Nordseehotel. Kaum zu glauben, aber über viele Jahre werden hier rauschende Partys und Familienfeste gefeiert. Am 23. Oktober 1969 lässt dann die Friedrich-Ebert-Stiftung wissen, dass sie im Dockkoog ein Internat für 65 Personen bauen möchte. Aber daraus wird nichts. Die Stiftung überlegt es sich anders. Dafür beginnen noch im selben Jahr die Bauarbeiten für ein Meerwasserfreibad vor dem Deich (mit zwei 50-Meter-Becken und eigenem Sprungbecken), das 1970 seiner Bestimmung übergeben wird.

Im selben Jahr tauchen erstmals Vorentwürfe für eine mögliche Bebauung auf: Danach sollen im Dockkoog mehrere Hausgruppen auf Warften entstehen. Eine Berliner Investorengruppe will die Gunst der Stunde nutzen und kauft große Teile der dafür vorgesehenen Fläche auf. 1972 werden dann erste konkrete Planungsskizzen vorgelegt. Die Sache zieht sich. Bebauungspläne werden aufgestellt und wieder verworfen. 1977 teilt das Innenministerium mit, dass laut Flächennutzungsplan eine Bebauung im Naherholungsgebiet nicht zulässig sei. Verheißungsvoller Baugrund bleibt Weideland.


Der Kampf um die Warften


Die Berliner Investoren lassen trotzdem nicht locker, legen 1981 weitere Bebauungsvorschläge auf den Tisch, die jedoch „aufgrund der städtischen Finanzlage“ (Krisen gab es auch früher schon) zurückgestellt werden. Im Jahr darauf rücken die Investoren von ihren Maximalvorstellungen ab, schlagen vor, die Zahl der Warfthäuser von 400 auf 200 zu reduzieren. Nicht zum ersten Mal bangt die Bevölkerung um „ihren Dockkoog“, „ihre öffentliche Badewanne“. Einige Fraktionen kündigen an, dass auch sie einer Bebauung des Dockkoogs kritisch gegenüberstehen. Wir schreiben bereits das Jahr 1986, als ein Berliner Anwalt die Änderung des Flächennutzungsplanes beantragt, um diese doch noch möglich zu machen. Unterdessen spielen Überflutungen dem Schwimmbad immer wieder übel mit. Jahr um Jahr muss die Stadt reichlich Geld in die Hand nehmen, um es flott zu machen. 1987 fällt dann der Beschluss, es teilweise zurückzubauen. Zwei Jahre später legt Architekt Kurt Kabelitz Pläne für einen kompletten Rückbau des Bades vor. Stattdessen soll hinter dem Deich ein Hallenbad errichtet werden.


Der Bürgerentscheid


1991 erhält das Büro Hargen Johannsen den Auftrag, einen Bebauungsplan für den Dockkoog zu erstellen. Gut zehn Jahre zuvor war die Partei „Die Grünen“ gegründet worden. Das soll nicht ohne Auswirkungen auf die öffentliche Meinung, aber auch auf das Baurecht bleiben, vor allem auf dessen Interpretation. 1992 entsteht eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Dockkoog. Ferner soll eine Expertengruppe dessen Bedeutung als Lebensraum für Vögel bewerten. 1995 beschließt das Stadtverordnetenkollegium einen Bürgerentscheid zu der Frage: „Soll ein städtischer Rahmenplan mit dem Ziel einer Bebauung des Dockkoogs aufgestellt werden?“ Zeitgleich wird der Aufstellungsbeschluss zum B-Plan 54 von 1993 aufgehoben. Der Bürgerentscheid vom 17. September 1995 ergibt ein klares Votum gegen die Bebauung des Dockkoogs.

Überlegungen, im Porrenkoog eine Stärkefabrik zu bauen, bleiben ebenso auf der Strecke wie der Vorschlag eines Consulting-Unternehmens, am Dockkoog ein Thalasso-Therapiezentrum einzurichten. In „kleinerer Lösung“ werden in den Jahren 1995 und 1996 die Stelzen-Gebäude am Strandplatz und auf dem Campingplatz saniert. Das Nichtschwimmerbecken an der Dockkoogspitze bleibt zwar erhalten, wird aber zwischen 2002 und 2003 in eine Sandkiste für Kinder umgewandelt.

Die Diskussion um eine mögliche Zukunft des Dockkooges verläuft deshalb allerdings nicht im Sande. Im Gegenteil: 2011 schwappen die die Wogen abermals hoch. Es schlägt mal wieder die Stunde der Investoren. In nicht-öffentlicher Sitzung stellt eine ganze Investorengruppe Politik und Verwaltung Pläne für eine großflächige Bebauung des Dockkoogs mit einem 120-Zimmer-Hotel, zwölf mehrstöckigen Appartementhäusern und Hunderten von Parkplätzen vor. Die Sache wird öffentlich und löst abermals eine Grundsatzdebatte aus.

Gegen die Bebauungsvorschläge gründet sich eine Bürgerinitiative. Doch auch die arbeitet in zwei Bürgerwerkstätten mit, in denen Argumente ausgetauscht, das Thema kanalisiert werden soll. Es geht um Transparenz und Partizipation.

Im Zusammenhang mit der Deichverstärkung wird im Frühjahr 2015 eine Projektgruppe unter Federführung des World Wide Fund for Natur (WWF) gegründet, die bis Ende dieses Jahres vier Planungsvarianten fachlich bewerten und zwei Vorschläge favorisieren soll. Mit von der Partie sind die Stadt Husum, die Bürgerinitiative Dockkoog, die Nordsee-Tourismus-Service GmbH, der Husumer Wirtschaftskreis, die Industrie- und Handelskammer Nordfriesland, die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Nordfriesland sowie der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Viele Köche, aber eben auch ein Brei, der möglichst allen schmecken soll, denn der Dockkoog gilt vielen als „Husums gefühltes Herz“. Und das soll noch ein bisschen weiter pochen.

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erstellt am 18.Jul.2016 | 15:00 Uhr

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