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Husumer Nachrichten

29. April 2017 | 03:47 Uhr

Husum : Der Industrie den Rücken gekehrt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit Thomas Grote hat die Husumer Volkshochschule einen guten Fang gemacht. Aus Liebe zum Meer ist der Experte nun EDV-Chef der Einrichtung.

Der Mann hat nicht nur sein Hobby zum Beruf gemacht, sondern auch seine innere geografische Ordnung wieder hergestellt – und das vor der Rente. Doch der Reihe nach: 2017 hat Thomas Grote die Nachfolge von Hans-Jürgen Hagge als Programmbereichsleiter für Elektronische Datenverarbeitung (EDV) bei der Volkshochschule angetreten.

In Hamburg geboren, wusste Grote (Jahrgang 1959) schon als junger Mann, wohin ihn der berufliche Weg führen sollte. Doch wenn er es sich hätte aussuchen können, wäre er dafür sicher lieber in der Hansestadt geblieben. So aber musste er in den 1980er-Jahren die Techniker-Schule in Köln besuchen – „aus familiären Gründen“, wie er sagt.

„Damals wurde an diesen Schulen nur Nachrichten- oder Elektrotechnik gelehrt“, blickt Grote zurück. Und ihn interessierte von Anfang an die Übertragung von Daten. Nach der Ausbildung arbeitete er unter anderem im Bereich der Gebäudeautomation für den Großkonzern Siemens. Später wurde er Netzwerkadministrator für ein Unternehmen, das Produkte für die Medizin (PFM) herstellte. Beruflich war Grote am Ziel, doch das am falschen Ort, denn da war ja sein norddeutsches Gen.

Da traf es sich wie eine Fügung, dass es seine Frau, „eine echte Rheinländerin“, in den hohen Norden, ans Meer drängte. „Ich hatte immer ganz ordentlich verdient, aber wir wollten kürzer treten“, sagt Grote. „Und wenn man im Kölner Raum ein Haus aufgibt, um in Bredstedt ein neues zu kaufen, bleibt immer etwas übrig.“ Also machten die beiden genau das und zogen 2011 in ihre Wahlheimat zwischen zwei (!) Meeren. VHS-Erfahrungen hatte Grote bereits in Köln gesammelt – als Dozent. Daran knüpfte er in Husum nahtlos an. Und als die Frage aufkam, wer die Nachfolge von Hans-Jürgen Hagge antreten solle, ließ er sich nicht zweimal bitten.

Der EDV-Bereich war zuletzt auch in der Volkshochschule im Umbruch. „Junge Leute wachsen mit diesen Medien auf“, sagt Grote. Da bedürfe es keiner Einführungskurse mehr. Und auch „ältere Semester“ gingen mit Laptops, Smartphones und Tablets immer geschmeidiger um. Ein Grund mehr, warum sich Thomas Grote wieder der Jugend zuwenden will. Anstelle von Einführungskursen setzt er dabei auf die Welt, aus der er selbst kommt und auf Linux, ein kostenfreies Betriebssystem, das von Studenten entwickelt wurde und vor allem für Leute von Interesse ist, die nicht viel Geld haben oder es nicht für EDV ausgeben wollen. Als Beispiel nennt er den Raspberry, eine Art Mini-PC, mit dem man im Internet surfen, Mails empfangen und verschicken sowie Texte schreiben kann. „So ein Gerät ist für 35 bis 70 Euro zu haben“, sagt der EDV-Experte und erinnert an eine Lehre, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist: „Etwas ist nicht minderwertig, weil es nichts kostet. Das gilt auch für Linux.“ Ein Schnupperabend stieß auf reges Interesse. Jetzt geht es darum, Folgekurse zu generieren. Dass es sich lohnt, steht für den Programmbereichsleiter außer Frage, zumal sich Linux, um Anwendern einen Wechsel zu erleichtern, an die gängigen Oberflächenprofile von Windows anpasst, dabei aber nicht annähernd so virenanfällig ist.

Und wie gelingt es Grote, in einem Bereich, der sich so rasant verändert wie die EDV immer auf der Höhe der Zeit zu bleiben? „Das geht wohl nur, wenn man sein Hobby zum Beruf gemacht hat“, kommt Grote auf den Anfang unseres Gesprächs zurück. Und indem man sich schlau macht: in Fachzeitschriften, aber auch im Internet und bei anderen Volkshochschulen. Im Übrigen sei die Entwicklung inzwischen nicht mehr ganz so rasant wie früher, als manche Computer nach einem Jahr die neue Software schon nicht mehr hochladen konnten.

Das klingt nach viel Arbeit. Bleibt da noch Zeit für Hobbys? Aber ja! In seiner Freizeit gehen Grote und seine Frau gern auf Reisen. Oder sie fahren Motorrad. Und dank ihrer geografischen Umorientierung schaffen sie manchmal sogar zwei Meere an einem Tag.

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