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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 11:48 Uhr

Serie Zeitsprünge in Bredstedt : Das harte Brot der Wassermüller

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bis 1927 war die Wassermühle in Bredstedt noch in Betrieb. Gegenüber wurden Fische gezüchtet, die traditionell am 20. Oktober abgefischt wurden.

Der Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege hat etwa 20 Gebäude und Stätten in der Stadt mit Erläuterungstafeln versehen, die auf deren stadtgeschichtliche Bedeutung hinweisen. In unserer Serie „Zeitsprünge“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen einige davon vor, zeigen ein historisches und ein aktuelles Foto. Heute: die Wassermühle.

 

Irmgard Wöhst lebt inzwischen in der vierten Generation in der Bredstedter Wassermühle. Ihr Urgroßvater August Jochimsen war es, der das alte Gebäude im Jahr 1890 kaufte, abreißen und den heutigen Bau errichten ließ. Die Geschichte der Wassermühle in Bredstedt reicht allerdings deutlich weiter zurück – bereits 1483 wird sie erstmals erwähnt. Wann genau allerdings der Damm errichtet wurde, um das Wasser des Baches Hollebek zum Mühlenteich aufzustauen, ist nicht eindeutig belegbar.

In seinem 1821 erschienenen Werk „Nachrichten über das Amt Bredstedt“ schreibt der ehemalige Landvogt und Schriftsteller Christian Levsen, dass zum Flecken Bredstedt vier Mühlen gehören – zwei in Privatbesitz sowie zwei königliche, die verpachtet werden. Eine davon wird vom Wasser aus einem „nicht unbeträchtlichen Bassin, in dem sich das Wasser aus der gesamten Bredstedter Feldmark sammelt“, betrieben.

Diese damals einzige Wassermühle des Amtes war als Notmühle bestimmt – sodass auch bei Flaute Korn gemahlen werden konnte. Das stellte sich allerdings nicht immer als ganz einfach heraus. Zwar war das Amt laut königlicher Anordnung für die Unterhaltung und Reinigung der Bäche und Abflüsse verantwortlich – allerdings missachtete es diese auch regelmäßig, wodurch die Mühle immer wieder still stehen musste. 1729 pachtete Lorenz Clausen das Gebäude. Er schrieb damals – auch im Zusammenhang mit einer verhältnismäßig hohen Pachtsumme – dass er bei der „überaus schlechten Beschaffenheit“ des zum Betrieb gehörenden Mühlenteichs und der Kanäle „unmöglich einen ordentlichen Gebrauch von der Wassermühle machen“ konnte. Vor allem bei trockenem Wetter im Sommer sei das Mahlen oft nicht möglich gewesen. Trotz jahrzehntelanger Bemühungen tat sich jedoch nichts. Erst knapp 50 Jahre später wurde der Teich komplett trockengelegt und gereinigt. Doch auch der Damm sorge nach hohen Niederschlägen immer wieder für Probleme.

1890 schließlich kaufte August Jochimsen die bis dahin stets verpachtete Wassermühle, ließ sie abreißen und neu errichten. Von dort an gehörte auch ein Wohnhaus zum Betreib, in dem seine Urenkelin bis heute lebt. August Jochimsen übergab den Betrieb später an seinen Sohn Thomas, der ihn in dieser Form noch bis 1927 weiterführte. Es wurde zwar noch bis kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs weiter gemahlen – die Mühle wurde zuletzt allerdings elektrisch betrieben.

Eine weitere Einnahmequelle der Müller war ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch stets die Fischzucht gewesen. Bis etwa in die 1960er Jahre hinein war der Mühlenteich durch Dämme in mehrere Abschnitte unterteilt, in denen unterschiedlich alte Generationen Süßwasserfische lebten. Bruno Jochimsen hatte Haus und Mühlenteich 1960 von seinem verstorbenen Vater übernommen. Bis 1972 nutze er das Gewässer zur Fischzucht. „Immer an seinem Geburtstag, am 20. Oktober, wurde abgefischt“, erinnert sich seine älteste Tochter Irmgard Wöhst. Regelmäßig versammelten sich große Menschentrauben im Garten des Hauses, um beim Herbstabfischen dabei zu sein.

Nach 1972 verpachtete Bruno Jochimsen das Gewässer noch für acht Jahre, dann ging es an die Stadt Bredstedt über. Diese sanierte es und installierte einen neuen Straßendurchlass. Bis dahin hatten die Müller den Wasserstand des Teichs noch stets selbst regulieren müssen – indem sie den Grundablass per Hand auf- und zuschraubten.

 

Hier geht es zu den weiteren Teilen der Serie:

Die "Zierde des Fleckens"

Als der König in Bredstedt nächtigte

Wo einst der Adel residierte

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erstellt am 21.Okt.2016 | 15:00 Uhr

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