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Husumer Nachrichten

27. Juni 2016 | 18:50 Uhr

Biike-Empfang 2015 : Damit das Feuer niemals ausgeht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zehntausende Nordfriesen und Gäste kamen zu den Biiken an der Nordseeküste. Beim Biike-Empfang in Tönning brach Schleswig-Holsteins stellvertretender Ministerpräsident Robert Habeck eine Lanze für den Minderheitenschutz.

Etwas zu machen, was einem eigentlich nicht zusteht, das erfordert Kraft und Mut, erklärte Ilse Johanna Christiansen während des Biike-Empfangs im Multimar Wattforum in Tönning. Die Präsidentin des Friesenrates (Sektion Nord) ging damit auf die 2014 erfolgte Aufnahme des Biikebrennens ins nationale Unesco-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ein. Der Weg dorthin sei nicht einfach gewesen, zumal der Friesenrat mit dem in Eigenregie gestellten Antrag Neuland betrat. Für die Beharrlichkeit führte sie auch persönliche Gründe an. So erinnerte Ilse Johanna Christiansen an ihren Vater, der durch und durch Friese gewesen sei und am 21. Februar verstarb sowie an ihre friesisch geprägte Kindheit – „einem Gut, das verbindet.“

Robert Habeck, stellvertretender Ministerpräsident sowie Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Energie, sah die Eintragung des Biikebrennens in die Unesco-Liste auch als Symbol. Minderheiten hätten Schutz und Förderung verdient und Minderheitenpolitik sei kein Zusatz in der Mehrheitspolitik: Die Minderheiten seien keine Fugen zwischen Steinen, sondern so etwas wie der Mörtel. „Sie machen den Reichtum in der Gesellschaft aus“, sagte Habeck. Die Tradition und das Heimatgefühl, die hinter dem Kulturerbe Biikebrennen stünden, seien in Wahrheit nicht immateriell, das Feuer, das man nicht anfassen könne, allerdings schon. Immer wieder etwas „anzuzünden“, sprich anzustoßen, sei für Minderheiten wichtig: „Machen sie weiter mit Sachen, die ihnen nicht zustehen, damit das Feuer nicht ausgeht“, sagte Habeck an die Friesenrats-Präsidentin gewandt.

Der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Klaus Schlie, erklärte, das Biikebrennen stehe für friesische Heimat und habe eine überaus lebendige Tradition in Nordfriesland. Der Antrag, das Biikebrennen in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen, sei Ausdruck von Kreativität, die von Generation zu Generation weitergegeben und neu gestaltet werde. „Die Biike ist ein Ethos, ein fester Bestandteil der Identität Schleswig-Holsteins“, sagte Landtagspräsident Schlie.

Die große Gästeschar, bestehend auch aus politischen Vertretern von Bundes-, Landes-, Kreis- und kommunaler Ebene, war für Nordfrieslands Kreispräsident Heinz Maurus Sinnbild der Anerkennung und Wertschätzung für die Friesen. Dabei sah er es als wichtig an, die Harmonie des von Rainer Martens und Thora Kahl musikalisch umrahmten Biike-Empfangs mit Blick auf einige kreispolitische Themen zu trüben. Schließlich sei die Biike auch Sinnbild für das offene Wort. So ging Heinz Maurus auf die seit 50 Jahren andauernde Bemühungen ein, die B  5 auszubauen, die maroden Kreisstraßen ohne Aussicht auf ausreichende kreiseigene Mittel für die Sanierung, die Verfassungsbeschwerde des Kreises gegen die Änderung des Finanzausgleichsgesetzes, den Lebens- und Wirtschaftsraum Wattenmeer, den die Menschen behalten müssten, sowie die Energiewende. „Die Bayern müssen Horst Seehofer bändigen, damit unser Strom auch dort hinfließen kann“, sagte er.

Nach weiteren Gastrednern, wie Gudrun Fuchs, Vorsitzende des Nordfriesischen Vereins, Lammkönigin Kerstin Carstensen und Mary Ebsen, stellvertretende Bürgermeisterin von Tönning, hielt Jens Enemark die Festrede. Der ehemalige Leiter des gemeinsamen Wattenmeersekretariats und Geschäftsführer der Dänisch-Deutsch-Niederländischen Zusammenarbeit zum Schutz des Wattenmeeres sagte, das Biikebrennen sei zweifellos ein Teil des friesischen Erbes. Er selbst habe seit Kindheitstagen viel mit dem Friesischen zu tun und durch weitere Begebenheiten sein Verständnis für die Bedeutung von Vielfalt, Identität und Erbe erweitert. Sein Fokus lag auf der Bedeutung und Entwicklung des Nordseeraums mitsamt Menschen und Landschaft. Jens Enemark bedauerte, das kaum über ein Nordsee-Erbe gesprochen werde, ebenso wenig wie über Nordsee-Kooperationen. „Kooperationen gibt es nur partiell, wenn wir über bestimmte Nutzungen reden, wie Fischerei, Windkraft oder Schiffsverkehr.“ Der Grund: „Wir begreifen die Nordsee weitgehend als einen Wirtschafts- und Nutzungsraum, der dann auch noch von europäischen Institutionen geregelt wird.“ Das Biikebrennen sei ein flammendes Zeichen dafür, das neue Zeiten anbrechen, die manchmal auch Gefahren und Herausforderungen mit sich bringen. Enemark: „Wir sind bereit, auf sie einzugehen, weil wir ein Erbe haben, das uns nicht nur trägt, sondern das wir für nachfolgende Generationen auch in die Zukunft tragen wollen.“


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