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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:13 Uhr

Bundestagskandidatin der CDU : Damerow lässt sich nicht ausstechen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Astrid Damerow zieht im Wahlkreis Nordfriesland/Dithmarschen-Nord für die CDU in den Bundestagswahlkampf. Die 58-Jährige setzte sich gegen Ulf Stecher aus Heide (49) durch.

Der Dithmarscher Überraschungsangriff ging ins Leere: Ulf Stecher, der erst drei Tage vor der Wahlkreis-Mitgliederversammlung in Husum wie „Kai aus der Kiste“ gekommen war, um 2017 für die CDU in den Bundestag einzuziehen (wir berichteten), stand am Sonnabend, 10. September, auf verlorenem Posten. Heides Bürgermeister (49) konnte bei der Kampfabstimmung im Nordsee-Congress-Centrum nur 82 von 231 Stimmen auf sich vereinigen. Damit steht fest: Im Bundestagswahlkreis Nordfriesland  /  Dithmarschen-Nord tritt in einem Jahr Astrid Damerow für die Christdemokraten an, um künftig der schleswig-holsteinischen Westküste in Berlin Gehör zu verschaffen.

Die 58-Jährige genoss, bevor Stecher urplötzlich als zweiter Bewerber für den Wahlkreis 2 auf der schwarzen Bildfläche erschien, eine Art von Selbstgänger-Status. Zum einen kann sie sich der Unterstützung von Ingbert Liebing sicher sein – dem Noch-Bundestagsabgeordneten und CDU-Landeschef überlässt sie den Landtagswahlkreis Südtondern, damit der Sylter am 7. Mai kommenden Jahres über seinen Heimatwahlkreis den Ministerpräsidenten-Sessel von Torsten Albig (SPD) anpeilen kann. Zum anderen hatte auch der Dithmarscher CDU-Kreisvorstand im Vorfeld der Kandidatenkür eine Empfehlung für Damerow ausgesprochen.

Als am Ende seine deutliche Niederlage feststand, sich 149 CDU-Mitglieder (64,5 Prozent) für die Kontrahentin aus Nordfriesland entschieden hatten, gab sich Stecher denn auch im Gespräch mit unserer Zeitung keinen nachträglichen Illusionen hin: „Natürlich bringt Gewinnen mehr Spaß, doch als guter Demokrat muss man auch verlieren können.“ Er habe von vornherein gewusst, dass er sich auf einen Kampf David gegen Goliath einlasse. Seine Unterstützung versicherte er der Siegerin bereits unmittelbar, nachdem Dithmarschens Kreisverbands-Vorsitzender Volker Nielsen in seiner Eigenschaft als Leiter des Tagungspräsidiums das viel umjubelte Abstimmungsergebnis verkündet hatte. „Das ist eine Selbstverständlichkeit, ansonsten wäre ich ein schlechter Verlierer“, so Stecher: „Die CDU hat sich für Astrid Damerow entschieden.“

Und damit für eine „hervorragende Kandidatin“, wie es Fürsprecher Liebing zuvor ausdrückte, als es um den formalen Akt ging, einen personellen Vorschlag zu machen. Damerow kenne alle Facetten der Politik und zeichne sich durch Erfahrung, Kompetenz, Engagement und Zuverlässigkeit aus – „das daraus erwachsene Vertrauen hat sie nie enttäuscht, sondern sich immer wieder erarbeitet“.

Derart volksnahe Attribute ins Spiel brachte auch Heides Bürgervorsteher Franz Helmut Pohlmann, der für Stecher die Werbetrommel rührte. „Mit Ausdauer, Energie und Beharrlichkeit auf die Leute zugehen, sie anhören, mitnehmen und Akzente setzen – all das vereint er auf sich.“ Die Kreisstadt Dithmarschens würde im Falle einer erfolgreichen Kandidatur einen jungen, dynamischen Bürgermeister verlieren, so Pohlmann – zugunsten der Westküste.

Ein erstes richtungsweisendes Zeichen setzte der vorgegebene Losentscheid: Damerow durfte als erste ans Mikrofon, um sich und ihre Schwerpunkte in maximal 15 Minuten vorzustellen. „Ich will, dass unsere Heimat in Zukunft lebens- und liebenswert bleibt – und zwar für Alt und Jung gleichermaßen. Dafür brauchen wir die entsprechenden politischen Rahmenbedingen.“ Altbekannte Schlagworte in diesem Zusammenhang: Ausbau des Verkehrsnetzes und der digitalen Infrastruktur. Die Landwirtschaft brauche politische und gesellschaftliche Unterstützung. Die Erneuerbaren Energien seien von zentraler Bedeutung – hier gelte es, die hohe Akzeptanz zu erhalten. „Engagement im Umwelt- und Küstenschutz nicht über die Köpfe der Menschen hinweg“, sicherte Damerow weiter zu. Innere Sicherheit und Flüchtlingspolitik bewegten auch die Gemüter hier oben. „Die Themen liegen auf der Straße, wir kennen sie alle – und werden sie bearbeiten.“

Stecher zeigte sich danach unter anderem „zutiefst davon überzeugt, dass unsere Westküste ein großes Potenzial hat, das wir nutzen müssen“. Daran wolle er leidenschaftlich arbeiten. „Unsere Eider liegt nicht zwischen uns, sie verbindet uns“, beschwor er ebenso die Gemeinsamkeiten wie schon Heinz Maurus am Anfang der Versammlung in seinem Grußwort. „Dithmarscher und Nordfriesen sind von der Mentalität her ähnlich, unsere Interessen vertreten wir entschieden“, hatte Nordfrieslands Kreispräsident erklärt und dabei die freundschaftliche, vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit hervorgehoben.

Apropos Verlässlichkeit: Der Heider Stecher hatte an diesem Vormittag in Husum etwa 90 stimmberechtigte Mitglieder aus Dithmarschen im Schlepptau – viel zu wenig angesichts der einfachen Mehrheit, die nötig gewesen wäre, um schon mal an Berliner Luft zu schnuppern. Diese Chance erhält jetzt Damerow – und war entsprechend erleichtert. „Ich bin sehr, sehr glücklich und freue mich unbändig.“

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erstellt am 12.Sep.2016 | 07:00 Uhr

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