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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 15:32 Uhr

Trojaner : Cyber-Angriffe in Nordfriesland

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Experten schätzen, dass in Husum und Umgebung jedes dritte Unternehmen von gefährlichen Trojanern betroffen ist.

Sie erhalten eine E-Mail von einem Freund oder Kollegen, öffnen die Nachricht, dort finden Sie eine PDF-Datei. Ohne lange nachzudenken – Sie kennen ja den Absender – klicken Sie auf den Anhang. Im Hintergrund öffnet sich eine selbstausführende Excel-Datei, die Programme und Dateien ihres Computers verschlüsselt. Auf Ihrem Desktop ploppt eine Nachricht auf, mit der Aufforderung beispielsweise 0,5 Bitcoins (BTC) – ein BTC entspricht etwa 350 Euro – zu zahlen, um die Dateien wieder zu entsperren. Ein Countdown sorgt für zusätzlichen Druck: Wer nicht innerhalb von wenigen Tagen zahlt, soll die Daten für immer verlieren.

Cyber-Angriffe, die per E-Mail verschickt werden, sind kein neues Phänomen. In Husum und Umgebung ist jedes dritte Unternehmen von einem solchen Angriff betroffen, schätzt Frank Thomsen von bt Nord Systemhaus. Eine genaue Zahl gibt es aber nicht. „Wenn Sie Opfer eines Angriffs geworden sind, werden Sie es nicht an die große Glocke hängen, um die eigenen Kunden nicht zu verschrecken“, sagt Gregor Stein, Leiter der Geschäftsstelle Nordfriesland der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg.

„Große Unternehmen verfügen meist über eigene IT-Abteilung, die sich mit Sicherheitsmaßnahmen befasst und die Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert“, erklärt er. Besonders gefährdet seien Selbstständige und Kleinstunternehmer, die nicht geschult sind.

„Viele schieben es vor sich her, sie haben keine Zeit oder denken, es könne sie nicht treffen“, sagt Thomsen. Aber es handle sich oft nicht um gezielte Angriffe, sondern um einen Zufall-Versand von bis zu 100.000 E-Mails, erklärt der Fachmann. „Da können auch kleinere Unternehmen einen Trojaner erhalten.“

Die aktuelle Form von Cyber-Angriffen nennt sich Locky Trojaner. Es ist eine sogenannte Ransomware, die im Gegensatz zu Viren und Trojanern gezielt der Erpressung dient. Wie reagiert man am besten bei einem Angriff und kann man sich dagegen schützen? „Auf gar keinen Fall sollten sie das Lösegeld bezahlen“, sagt Thomsen. „Denn selbst dann ist der Trojaner weiterhin auf ihrem PC.“ Aber jede Firma und jede Privatperson sollte einen Standard an IT-Sicherheit haben.

„Der Locky Trojaner entwickelt sich wie eine Krankheit immer weiter, deswegen ist es so schwer, sich dagegen zu schützen“, erklärt Thomsen. „Die Fire-Walls und Anti-Viren-Programme sind immer ein wenig hinterher.“ Daher liege die Wahrscheinlichkeit, einen Trojaner abzuwehren, bei nur 20 bis 30 Prozent.

Wie kann man infizierte E-Mails erkennen? Sie enthalten oft Grammatik- und Orthografiefehler. Häufig fehlen h Namen, die Mails sind in einer Fremdsprache verfasst oder die URL erscheint seltsam. Handlungsbedarf ist auch bei Drohungen oder kurzen Fristen sowie bei der Aufforderung zur Eingabe von Daten.

Man sollte auf keinen Fall den Computer neu starten, da es Trojaner gibt, die bei einem Neustart alle infizierten Dateien löschen. „Ein Cyber-Angriff ist wie ein Wohnungseinbruch“, vergleicht Thomsen. Auch wenn die Aufklärungsquote gering sei, solle man Anzeige erstatten, da die Hoffnung besteht, dass die Angreifer eines Tages geschnappt werden.

 

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erstellt am 20.Mai.2016 | 07:00 Uhr

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