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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 14:46 Uhr

Freifunk in Bredstedt : Bürger sorgen selbst für freies W-lan

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadt Bredstedt plant eigene W-lan-Hotstpots, ein Bürger will zudem Freifunk voranbringen. Mehr als 36.000 Punkte gibt es davon deutschlandweit bereits.

Frei zugängliches Internet, privat zur Verfügung gestellt und für jeden zugänglich – das ist die Idee, die hinter der Initiative Freifunk steht. Als unsere Zeitung im vergangenen Monat über die Pläne der Stadt Bredstedt berichtete, W-lan-Hotspots an verschiedenen Punkten im Ort zu installieren, meldete sich Harald Davids. Der Bredstedter ist Teil der Gruppe Freifunk Nord und stellt seinen Internetanschluss bereits kostenlos für andere zur Verfügung.

Freifunk ist eine Community, die sich aus Spenden finanziert, sagt er. „Jeder kann mitmachen und somit einen kleinen Beitrag zur flächendeckenden W-lan-Abdeckung leisten. Mir war es wichtig, die Flüchtlingsunterkunft gegenüber schnell und unbürokratisch mit W-lan zu versorgen.“ Und auch seine Ausgaben verhalten sich deutlich anders zu den Kosten, mit denen die Stadt plant: „15 Euro Anschaffung für einen Router und fünf Euro für Strom im Jahr ist alles, was man braucht.“ Gewerbetreibenden empfiehlt er einen Router ab 50 Euro, „da die Sendeleistung höher ist“.

Wie berichtet, berät die Kommunalpolitik gerade darüber, mindestens zwei Hotspots in der Stadt zu errichten – am Marktplatz sowie an einem weiteren Ort, der noch nicht festgelegt wurde. Mit Kosten in Höhe von etwa 10.000 bis 12  .000 Euro wird aktuell für Antennen, Verkabelung, Elektronik und Installation kalkuliert. Sobald die Hotspots laufen, würden noch etwa Kosten in Höhe von 50 bis 60 Euro pro Anlage im Monat anfallen. Für das Projekt hofft die Politik auf Unterstützung der Wirtschaftsförderung Nordfriesland (WFG) in Höhe von 2500 Euro.

Der Grund, warum einige Kommunalpolitiker diese Variante bevorzugen, liegt in der schwer zu erfassenden Rechtslage. Durch die sogenannte W-lan-Störerhaftung konnten Betreiber eines solchen Netzes bislang für die Handlungen von Benutzern mitverantwortlich gemacht werden – beispielsweise für das illegale herunterladen von Musikdateien. Bei den von der Stadt geplanten Hotspots würde dieses Risiko der jeweilige Anbieter übernehmen.

Allerdings hat der Bundestag kürzlich eine Änderung im Telemediengesetz beschlossen, in der es auch um die Abschaffung dieses Haftungsparagrafen geht. Somit ist der Anbieter eines freien Internetzugangs nicht mehr verantwortlich, wenn Nutzer beispielsweise Daten und Dateien illegal herunterladen. Zusätzlich arbeiten die Freifunker mit einer speziellen Software und unterstützen ehrenamtlich, wenn Hilfe gebraucht wird, erklärt Christian Breutkreutz von der Gruppe Freifunk Nord. „Die Nutzer kaufen nur ihre Router ganz normal im Laden, wir helfen bei der Installation der Software.“ Da durch den Freifunk-Router ein gesicherter Kanal aufgebaut werde, sei auch die W-lan-Störerhaftung nicht von Belang, sagt Davids. Die Geräte verbinden sich untereinander und erzeugen so ein Maschennetzwerk, das beliebig erweitert werden kann.

Insgesamt gibt es aktuell etwa 36.000 Freifunk-Knotenpunkte in Deutschland, sagt Breutkreutz. In Hamburg, Kiel, Lübeck und Flensburg gibt es bereits Netze, unter anderem in Husum und Garding sind weitere in Planung. Kay-Peter Christophersen (SPD) hatte das Thema in der jüngsten Stadtvertreter-Sitzung in Bredstedt auf den Tisch gebracht. Er schlägt vor, dass alle stadt- und gemeindeeigenen Gebäude im Amtsbereich mit Freifunk-Routern ausgestattet werden. „Man könnte das auch als Projekt angehen, beispielsweise mit Jugendfeuerwehren“, schlägt er vor.

Auch Stadtvertreter Christian Schmidt (CDU), der sich bislang für das stadteigene Netzwerk engagiert, hält die Idee Freifunk nicht für ausgeschlossen. „Wir sollten auch diese Möglichkeit prüfen, bevor wir uns entscheiden“, sagt er.

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erstellt am 09.Jul.2016 | 11:00 Uhr

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