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Husumer Nachrichten

23. März 2017 | 13:23 Uhr

St. Peter-Ording : Böse Überraschung: Kosten ufern aus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Sanierung kommt St. Peter-Ording und den Kreis zwei Millionen Euro teurer zu stehen als erwartet. Der Straßenbau-Landesbetrieb hatte sich verschätzt.

Der Berliner Flughafen, die Hamburger Elbphilharmonie, Stuttgart 21 – allesamt unrühmliche Beispiele für ausufernde Kosten bei öffentlichen Großprojekten. „Der Kreis Nordfriesland versucht, das anders zu machen“, versichert der Vorsitzende des Finanz- und Bauausschusses, Florian Lorenzen. Und jetzt das: Die Finanzierung der aufwändigen Sanierung der Böhler Landstraße in St. Peter-Ording – die rund 3,4 Kilometer lange Hauptverkehrsader im Süden des Tourismus-Ortes – gerät aus den Fugen. Zum Entsetzen des Kreises und der Gemeinde, auf die nun Mehrkosten in siebenstelliger Größenordnung zurollen – unverschuldet.

Der Hintergrund: Die Böhler Landstraße ist über weite Strecken in einem erbärmlichen Zustand. Deshalb war beschlossen worden, die wichtige Orts-Trasse innerhalb von drei Jahren komplett zu sanieren. Insgesamt gibt es zehn Bauabschnitte. Im zehnten liefen die Bauarbeiten im Mai 2016 an. Die verbleibenden neun Abschnitte sind gemeinsam ausgeschrieben worden, so dass am 8. Mai dieses Jahres ohne Verzögerungen weitersaniert werden kann.

Alles in allem sollte das Projekt knapp 5,2 Millionen Euro kosten. Mit rund 2,9 Millionen Euro wäre der Kreis dabeigewesen, die Gemeinde St. Peter-Ording mit 2,3 Millionen – so die ursprüngliche Planung. Diese basierte auf einer Kostenschätzung des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV), also jener Fachleute, die etwas davon verstehen sollten.

Vor wenigen Wochen wartete die Landesbehörde dann mit dem genauen Leistungsverzeichnis und einem neuen Gesamtvolumen von zunächst 8,2 Millionen Euro auf. Wie im jüngsten Finanz- und Bauausschuss des Kreises zu erfahren war, steht inzwischen noch eine Summe von 7,35 Millionen Euro im Raum. „Das ist überhaupt nicht erfreulich“ und „immer noch gut zwei Millionen Euro mehr als geplant“, erläuterte Arno Hansen vom Fachdienst Gebäudemanagement und Liegenschaften des Kreises Nordfriesland. Seine Botschaft an die Mitglieder des Fachgremiums: „Die Ausschreibung läuft noch bis zum 13. März, aber die Finanzierung ist nicht gesichert.“

In der Runde mit bedröppelten Gesichtern brachte Jörg Tessin (FDP) auf den Punkt, was viele angesichts der schlechten Nachricht gedacht haben mögen: „Das ist eine eklatante Fehlleistung dieser Landesbehörde.“ So oder so hat der Vorgang den ohnehin klammen Kreis und die Gemeinde St. Peter-Ording in ein Dilemma gebracht. Entweder hätte die Sanierung der Böhler Landstraße zunächst gestoppt werden müssen oder aber man muss nun mit den Ergebnissen der Submission leben. Das heißt: Die Aufträge müssen vergeben werden, wenn Anbieter den üblichen Kostenrahmen nicht „ziemlich weit“ überschreiten. Ersteres hat ohnehin niemand ernsthaft in Erwägung gezogen, weil die Baumaßnahme dringend erforderlich und ihr zeitlicher Fortgang so austariert ist, dass touristische Belange so wenig wie möglich tangiert werden, machte Fachdienst-Leiter Bernd Petersen deutlich. Zurzeit sei die ganze Angelegenheit leider schlichtweg „alternativlos“.

„Wir müssen sicherstellen, dieses Delta jetzt zu finanzieren“, sagte Arno Hansen mit Blick auf die zu erwartenden Mehrkosten in Höhe von je rund einer Million Euro für Kreis und Gemeinde. Überlegt wird nun im Husumer Kreishaus, Mittel für den Straßenbau aus einem anderen Finanztopf umzulenken. Wie die Gemeinde das Problem löst, muss sich zeigen.

Erledigt ist die Geschichte damit freilich nicht: „Wir werden prüfen, ob die Kostenschätzung wirklich sorgfältig genug war“, kündigte Bernd Petersen an. Und dem Chef des Straßenbau-Landesbetriebs sei bereits in Aussicht gestellt worden, dass er im zuständigen Ausschuss des Kreises „gegebenenfalls noch etwas erklären muss“.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 11:00 Uhr

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