zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 09:59 Uhr

Preisbindung für Medikamente fällt : Bittere Pille für Apotheker

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Branchenvertreter in Husum und Umgebung kritisieren das Urteil des Europäischen Gerichtshofs.

Es war ein Urteil, dass die Apotheker regelrecht geschockt hat: Der Europäische Gerichtshof hat die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland gekippt. Sie behindere den Wettbewerb und verstoße damit gegen EU-Recht, so die Begründung. Das sehen die Apotheker in der Region allerdings genau entgegengesetzt: „Während die Versandapotheken im Ausland Rabatte geben dürfen, müssen wir uns an die deutschen Vorschriften halten, die das verbieten“, klagen Volker Articus, Inhaber der Husumer Schwan-Apotheke, und Frauke ter Haseborg, Inhaberin der Einhorn-Apotheke in Schwabstedt, unisono. Es werde nicht lange dauern, bis das auch ein niedergelassener Apotheker in Deutschland versuchen würde, befürchtet Articus. „Dann kommt es zum Prozess und das Gericht kippt wohl diese Wettbewerbsverzerrung. Und danach beginnen überall die großen Rabattschlachten.“

Thomas Kupfer, Inhaber der Marktapotheke in Bredstedt, befürchtet, dass damit „der Patient aus dem Fokus rückt und der Medikamentenpreis die Therapie bestimmt“. Genau um das zu verhindern und eine identische Versorgung zu gewährleisten, sei die Preisbindung ja einst eingeführt worden. Und auch Articus befürchtet, das am Ende statt Qualität nur noch der Preis zählt. „Und in diesem Wettbewerb werden viele auf der Strecke bleiben. Dann ist aber die flächendeckende Versorgung in Gefahr.“ Denn: „Notfall- und Wochenenddienste gibt es bei den Versandapotheken nicht, das machen die Apotheken vor Ort“, sagt Stefanie Markowsky, stellvertretende Leiterin der Einhorn-Rats-Apotheke in Husum. Aber für Beratung gebe es kein Geld. „Und wenn sich der Kunde bei uns nur noch beraten lässt und woanders kauft, funktioniert das Geschäftsmodell nicht mehr“, ergänzt Kupfer.

Diese Sorge ist überall zu spüren. „Was ist, wenn jetzt die Krankenkassen auf den Zug aufspringen und ihre Versicherten auffordern, ihre Rezepte zu den billigsten Anbietern zu schicken?“, fragt sich nicht nur Frauke ter Haseborg, sondern auch Dr. Holm Schmidt, Inhaber der Wassenberg-Apotheke in Tönning und der Utholm-Apotheke in St. Peter-Ording. „Langfristig kann der verzerrte Wettbewerb zu einem Apothekensterben führen, was die in der Fläche ohnehin schon problematische Notfallversorgung weiter schwächen wird“, befürchtet Schmidt.

Eine Lösung sehen sowohl Stefanie Markowsky als auch Thomas Kupfer darin, dass „der Gesetzgeber ein Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente auf den Weg bringt“. Europarechtlich wäre das nach Ansicht von Frank Jaschkowsky, dem Syndikus der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, zulässig.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Okt.2016 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen