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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 04:52 Uhr

Auf der Roten Liste : Bittere Pille am Ende der Jubiläumsfeier

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Museum Haus Peters in Tetenbüll sorgt sich um die Finanzen und steht mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Museen im Land. Das wurde bei der Veranstaltung zum 25-jährigen Bestehen des Fördervereins bekannt.

Der Knaller kam zum Schluss: „Darf das sein, dass man die kleinen Museen sterben lässt?“, fragte Dr. Katrin Schäfer am Ende der gut besuchten Jubiläums-Veranstaltung im Haus Peters, in der das 25-jährige Bestehen des Fördervereins gefeiert wurde. 30 Millionen für einen kompletten Umbau in Schloss Gottorf, davon allein neun Millionen für einen „absolut überflüssigen gläsernen Anbau“, rügte die amtierende Chefin von Haus Peters: „Das stößt einem doch etwas unangenehm auf.“ Zwar wolle sie die Bedeutung des Landesmuseums für Schleswig-Holstein keineswegs schmälern, aber: „Was ist mit den anderen Museen im Land? Für die gibt es keine öffentlichen Mittel“, hakte Schäfer kritisch nach. Fakt ist: Der historische Kaufmannsladen Haus Peters im Herzen von Tetenbüll muss seit 25 Jahren für sich selbst sorgen.

Dabei genießt das kulturelle Angebot, das hier dank des Einsatzes von Geschäftsführerin, Mitarbeitern und Mitgliedern des Fördervereins im Laufe der Jahre auf die Beine gestellt wurde, längst überregionale Bedeutung. Nichtsdestotrotz: „Ich habe Haus Peters auf die Rote Liste der bedrohten Museen setzen lassen“, so Katrin Schäfer. Dort wird das kleine Museum aktuell in der Kategorie 2 als gefährdet eingestuft. Begründung: Dieses einzigartige Kulturprojekt im ländlichen Nordfriesland mit seinem landesweit einzigen original erhaltenen Kolonialwarenladen und einer Galerie für zeitgenössische Kunst liefe im kommenden Jahr aufgrund fehlender Zuschüsse Gefahr, Kosten, besonders im Personalbereich, nicht mehr decken zu können.

„Unsere finanzielle Lage ist angespannt“, sagte Katrin Schäfer. „In diesem Jahr sind die Besucherzahlen etwas gesunken, das heißt: Weniger Spenden, weniger Einkäufe.“ Die einzigen verlässlichen Partner seien die Gemeinde Tetenbüll, die Nord-Ostsee-Sparkasse und die Volksbank: „Aber aus öffentlichen Quellen erhalten wir keinen Cent.“

Bittere Pille am Ende eines kurzweiligen Nachmittags, der im erzählerischen Rückblick die wechselvolle Geschichte des Hauses beleuchtete und den Einsatz vieler Mitarbeiter würdigte, die das Museum stark gemacht haben. Wie Ilse Möller, Gisela Oesen und Erna Ingwersen, die von den Anfängen des Ladengeschäfts berichteten, als jeder noch persönlich die Werbetrommel rührte.

Bereits die ersten Aktivitäten 1991/92 unter der damaligen Geschäftsführerin Kathrin Schumann – die Teddybären-Ausstellung „Teddy Tedt“ und die Kunstausstellung „Otmar Alt“ – erzielten überregionale Beachtung. Ihre Nachfolgerin Brigitta Seidel schürte mit thematischen Ausstellungen das Interesse an der Landhökerei und dem Wandel im dörflichen Warenhandel: Sie mündeten in eine Dauerausstellung, die bis heute dem historischen Kaufmannsladen seinen Charme verleiht. Seit 1997 ist das Giebelzimmer Horst Janssen und seiner „Eiderlandmappe“ gewidmet. Ein Publikumsmagnet. Wie auch die wechselnden Kunstausstellungen, Kunsthandwerkermärkte und Themenwochenenden rund um Rosen, Schafe und Meer.

Während Hila Küpper einen Einblick in die Historie des Hauses und seiner Bewohner von 1800 bis 1923 gab, berichtete Sönnich Volquardsen von den Jahren 2001 bis 2013 als Vorsitzender des Fördervereins, gaben Bernd Ipsen und Axel Bauer Einblick in die aufwendige Sanierung des Gebäudes, das 1765 nach dem großen Brand in Tetenbüll gebaut, zwischendurch zu einem Haubarg erweitert wurde und nach dessen Abriss wieder in das ursprüngliche Aussehen erhielt. „Fördermittel für die Sanierung flossen damals aus vielen Töpfen“, sagte Ipsen, stellte aber auch klar: „Haus Peters ohne die Dorferneuerung wäre nicht gegangen.“ Denkmalgerechte Sanierung und kulturelle Nutzung, lobte Hans-Georg Hostrup von der IG Baupflege Nordfriesland und Dithmarschen: „Das Konzept, das hier umgesetzt wurde, ist einmalig auf dem platten Land.“ Wie umstritten der Kauf des Hauses durch die Gemeinde Tetenbüll einst im Gemeinderat war, erläuterten Helmut Oesen und Alt-Bürgermeister Henning Möller. Auch die künftige Nutzung des Hauses sorgte für Streit. „Ohne die Gemeinde Tetenbüll würde Haus Peters nicht existieren“, unterstrich Vize-Bürgermeister Ralp Martens, der auch künftig die finanzielle Unterstützung zusagte. Plattdeutsche Lieder von Rainer Martens aus Garding, Köstlichkeiten aus der Küche, aufgetischt von Ingrid Wolf sowie ein Ausblick auf die Veranstaltungen 2017 mit den Ausstellungs-Highlights „Thorsten K. Hiebner“, „Uwe Thomas Guschl“ und „Ole West“ rundeten den langen Nachmittag ab.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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