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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 06:10 Uhr

Sorge um die Eider : Binnenseen statt Bundeswasserstraße?

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Eider und der Gieselau-Kanal sollen womöglich ihren Status als Bundeswasserstraße verlieren. Die SPD startet eine Initiative gegen derlei Pläne aus Berlin.

Auch wenn es nur um Wasser geht – die Angelegenheit birgt Zündstoff. Der Bundesverkehrsminister hat ein Konzept für den Wassertourismus in Deutschland vorgelegt, das auch für Nordfriesland weit reichende Konsequenzen haben könnte. Es zielt darauf ab, 2800 von insgesamt 7500 Kilometern Bundeswasserstraßen mit 120 Wehranlagen und 140 Schleusen in Freizeit- und naturnahe Wasserstraßen umzuwidmen. Davon betroffen wären auch die Eider und der Gieselau-Kanal, der die Verbindung von Nord- zur Ostsee sicherstellt. Denn deren Bedeutung für Wassersport und Tourismus wird nur noch als „mittel“ bzw. „gering“ eingestuft. Werden die Wasserstraßen am Ende „entwidmet“, so der Fachjargon, wäre der Bund in finanzieller Hinsicht nicht mehr für deren Unterhaltung und Schiffbarkeit zuständig.

Derlei Überlegungen rufen Nordfrieslands Sozialdemokraten auf den Plan. Sie bringen in die morgige Sitzung des Kreistages einen Resolutions-Antrag ein. Damit soll der Bundesverkehrsminister aufgefordert werden, „den Erhalt und die Funktionsfähigkeit der Bundeswasserstraßen Eider und Gieselau-Kanal – mindestens im derzeitigen Umfang – nachhaltig zu gewährleisten“. Weil Letzterer wegen baulicher Mängel gesperrt war, hatte sich der Kreistag im Frühjahr bereits einmal mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution zu diesem Thema an Alexander Dobrinth gewandt.

Sollte das neue Konzept umgesetzt werden, dann stünden für den Erhalt der Schiffbarkeit von Eider und Gieselau-Kanal keine Bundesmittel mehr zur Verfügung. Und das könne angesichts der kurzfristigen Umsetzungsphase bis 2019 sehr schnell gehen, schwant der SPD-Kreistagsfraktion. Denn der Schleusenbetrieb soll nur noch an stark und sehr stark genutzten Freizeitwasserstraßen aufrechterhalten werden. „Damit wird die Eider zwischen den Schleusen zu einer Aneinanderreihung von Binnenseen“, empört sich Vorsitzender Thomas Nissen. „Grotesk mutet es an, dass im Konzept des Verkehrsministeriums der Eider im Stadtgebiet von Rendsburg eine höhere Bedeutung zugeordnet wird als dem drei Kilometer langen Gieselau-Kanal. Dabei ist es dieser, der eine alternative Schifffahrts-Verbindung schafft zwischen Nord- und Ostsee“, so der verkehrs-und wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Hans Jacobsen. Würde der Schleusenbetrieb eingestellt, entziehe dies dem auch von der Landesregierung als wirtschaftlich bedeutsam angesehenen Wassertourismus in der Eider-Treene-Sorge-Region die Grundlage. „Eine kulturhistorisch bedeutsame schiffbare Schleswig-Holstein-Querung wird aufgegeben und die Sportschifffahrt gezwungen, künftig ausschließlich die stark frequentierte Unterelbe und die Schleuse Brunsbüttel zu benutzen“, erläutert Jacobsen.

Anliegen des SPD-Vorstoßes ist es zudem, dass schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete sich für die Interessen der Region einsetzen und die Landesregierung einer Entwidmung der Bundeswasserstraßen Eider und Gieselau-Kanal nicht zustimmt. Fraktions-Chef Nissen signalisiert zwar grundsätzliches Verständnis für differenziert umgesetzte Einsparungen und Einschränkungen: „Dies gilt aber nicht für die Durchfahrbarkeit einer Wasserstraße, deren wesentliches Merkmal ist, dass sie eine schiffbare Verbindung zwischen Nordsee- und Ostsee herstellt.“ Völlig absurd wird die Geschichte, wenn man bedenkt, dass das Bundesministerium für den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals 838 Millionen Euro investieren will, „obwohl die Berufsschifffahrt dies nicht für notwendig hält“.

Thomas Nissen geht daher davon aus, dass die Berliner Pläne auch die betroffenen Nachbarregionen auf den Plan rufen. Er erwartet inhaltlich gleichlautende SPD-Anträge für die Kreistage in Dithmarschen, Schleswig-Flensburg und voraussichtlich auch in Rendsburg-Eckernförde. Nordfrieslands Kreistag tagt am Freitag (18.) ab 9.30 Uhr im Husumer Kreishaus.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 13:00 Uhr

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