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Husumer Nachrichten

24. Juli 2016 | 20:28 Uhr

Jüdische Kultur in Friedrichstadt : Besondere Premiere in der Synagoge

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Friedrichstädter Tage jüdischer Kultur finden vom 17. bis zum 28. September statt. Neben Musik und Theater gibt es einen Hebräisch-Kursus. Besuchern soll ein Einblick in das reiche Kulturleben gegeben werden.

Von der jüdischen Kultur gibt es im Land nur noch wenige Zeugnisse. Brutal haben die Nazis zwischen 1933 und 1945 ihre Vernichtungspolitik durchgesetzt. Viele Juden wurden in den Konzentrationslagern ermordet, ihre Kulturdenkmäler zerstört oder zweckentfremdet. Eines ist die ehemalige Synagoge in Friedrichstadt, wo es bis in die 1930er Jahre eine jüdische Gemeinde gab. Viele Jahre wurde das Gebäude als Wohnhaus genutzt. Seit 2003 dient sie nun als Erinnerungsstätte und Kulturzentrum. Zahlreiche Veranstaltungen hat das Kuratorium der Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge im Laufe der Jahre auf die Beine gestellt. Nur der Wunsch, ein Festival der jüdischen Kultur zu veranstalten, konnte bislang nicht realisiert werden, weil es an finanzieller Unterstützung fehlte. Die ist nun da. Die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten und das Kulturministerium haben 5000 Euro zur Verfügung gestellt, wie Kuratoriums-Mitglied Christiane Thomsen erklärt. Und am Mittwoch (17. September) beginnen die Friedrichstädter Tage der jüdischen Kultur. Bis Sonntag (28.) erwartet ein vielseitiges Programm. „Uns ist es ein Anliegen, die jüdische Kultur der Gegenwart in Deutschland vorzustellen“, so Christiane Thomsen.

Zur Eröffnung wird am Mittwoch, 19.30 Uhr, das Stück „Der letzte Zug“ vom Figurentheater Kuckucksheim in der ehemaligen Synagoge, Am Binnenhafen 17, gezeigt. Erzählt wird die Geschichte der Familie Goldberger in den Jahren zwischen 1929 und 1945. Es findet im Rahmen der Pole-Poppenspäler-Tage in Husum statt. Es folgt am Freitag (19.) ein Konzert von Valeriya Shishkova und dem Duo „Di Vanderer“. Sie spielen ab 19.30 Uhr in der ehemaligen Synagoge. Valeriya Shishkova gilt als eine der deutschlandweit überzeugendsten Interpretin jiddischer Lieder. Die beiden Musiker von „Di Vanderer“– Sergey Trembitskiy (Klavier, Flöte) und Gennadiy Nepomnjaschiy (Klarinette) – unterstützen ihren Auftritt.

Die hebräische Sprache können Interessierte am Sonnabend (20.) in einem Workshop mit der Israelin Smadar Raveh-Klemke kennenlernen. Er findet von 10 bis 15.30 Uhr im Stadtarchiv statt. Anmeldung unter Telefon 04881/1511. Zwei Freundinnen, die ihren Lebensabend in Berlin verbringen, stehen im Mittelpunkt des Films „Oma und Bella“ von Alexa Karolinski, der am Montag (22.) ab 19.30 Uhr in der ehemaligen Synagoge gezeigt wird. Beim gemeinsamen Kochen sprechen die beiden Frauen über ihre Jugend im Lager, ihre ermordeten Familien, aber auch über ihre Lebenslust nach dem Krieg.

Musik gibt es wieder am Mittwoch (24.). Ab 19.30 Uhr präsentieren Esther Lorenz und Thomas Schmidt (Gitarre) hebräische und sefardische Lieder in der ehemaligen Synagoge. Die Sängerin Esther Lorenz singt alte und neue Lieder aus Israel im modernen Iwrit – der heutigen Alltagssprache Israels und im Hebräisch der Bibelvertonungen – sowie mittelalterliche Stücke aus der spanisch-jüdischen Musikkultur.

Mit Theater geht es am Freitag (26.) weiter. Das Theater N.N. zeigt ab 1930 Uhr in der ehemaligen Synagoge das Stück „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky. Hauptfigur ist der Journalist Emanuel Goldfarb, einziger Sohn von Holocaust-Überlebenden. Er lebt in Hamburg. Als ein Lehrer ihn in den Unterricht einlädt, damit er den Schülern Fragen zum Judentum beantwortet, will er absagen. Bei der Formulierung der Absage, in der Goldfarb seine Identität und sein Leben als Jude und Deutscher in Deutschland aufrollt, entsteht ein Monolog, den Goldfarb in ein Diktiergerät spricht. Er ist wütend und aggressiv. Goldfarb arbeitet sich in seinem Monolog durch die „jüdischen Themen“, um dem Lehrer seine Ablehnung plausibel zu machen – am Ende der Geschichte erlebt der Leser ihn jedoch trotzdem im Klassenzimmer, ohne dass sein tatsächlicher Dialog mit den Schülern noch Teil der Handlung ist.

Einen Blick in die jüdische Küche können Interessierte am Sonnabend (27.) werfen. Der Kochkursus findet in der Grundschule statt. Anmeldung unter Telefon 04881/1511.

Am Sonntag (28.) gehen die Kulturtage dann mit einem Abschlussfest mit jüdischen Tänzen und der Band „You Shouldn’t Know From It“ zuende. Es beginnt um 19 Uhr in der ehemaligen Synagoge. „You Shouldn’t Know From It“ ist eine Berliner Klezmer Band, die jüdische Tanzmusik und jiddische Lieder spielt. Ihr Ziel ist nicht nur, die jiddische Musiktradition zu beleben, sondern auch, die Zuhörer zum Tanzen zu bringen. Die fünf Musiker stammen aus den Niederlanden, Frankreich, Schweden, Lettland und den USA. Info unter www.synagoge-friedrichstadt.de und

www.gedenkstaetten-sh.de.

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erstellt am 14.Sep.2014 | 17:00 Uhr

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