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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 11:40 Uhr

Husum : Bahnbetriebswerk: Ringen um Erhalt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nordfrieslands Landrat hofft auf Vermittlerrolle des Wirtschaftsministeriums – und erteilt der alternativen Streckenführung über Niebüll und Flensburg eine klare Absage.

Nach heutigem Stand bleibt anscheinend allenfalls ein Fünkchen Hoffnung, dass das Bahnbetriebswerk der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) in Husum in jetzigem Umfang weitergeführt werden kann. Nachdem die NOB bei der jüngsten Ausschreibung die Nahverkehrs-Angebote auf der Marschbahn-Strecke an die Deutsche Bahn (DB) verloren hatte, droht dem bewährten Wartungs-Center mit dem Fahrplanwechsel im Dezember die nötige Auslastung abhanden zu kommen – mit möglicherweise fatalen Folgen für die rund 50 Beschäftigen in der Kreisstadt.

Dass die DB die Husumer Service-Einrichtung künftig nicht nutzen und ihre Züge stattdessen in eigenen Betriebswerken – vor allem in Neumünster – warten lassen will , ist für die Kreispolitik nicht nachvollziehbar. Gleich nach der politischen Sommerpause befasste sich der Hauptausschuss des Kreises mit der offenkundig festgefahrenen Situation. Landrat Dieter Harrsen, der nach eigenen Aussagen Gespräche mit beiden Akteuren geführt hat, berichtete von monatelangen Verhandlungen zwischen der NOB-Tochter Transdev und den DB-Töchtern. „Man wird sich nicht einig“, so Harrsen. Beide Seiten vermittelten den Eindruck, die jeweils andere habe sich nicht ausreichend bewegt. „Es wäre Wahnsinn, wenn man die regionalen Wartungs-Kapazitäten nicht weiternutzt“, stellte er fest. Zudem liege das Husumer Bahnbetriebswerk strategisch günstig, so dass zusätzliche Verkehre vermieden werden.

Da der Kreis Nordfriesland nur mittelbar Einfluss nehmen kann, um die missliche Situation vielleicht doch noch zu verändern, appellierte er mit Blick auf das zuständige Kieler Ministerium als neutralem Dritten, die beteiligten Firmen noch einmal an einen Tisch zu holen, um doch noch Lösungsmöglichkeiten auszuloten. Darüber hinaus bat er die anwesenden Kreispolitiker, auch über die Parteien auf allen Ebenen Einfluss zu nehmen, damit ein starkes Zeichen für den Erhalt des Husumer Bahnbetriebswerks gesetzt wird. Er könne sich jedenfalls nicht vorstellen, dass die NOB-Tochter Transdev das Husumer Betriebswerk mit anderen Aufträgen auslasten könnte. Und dabei drängt die Zeit: „Wenn im September, Oktober keine Lösung gefunden wird, dann ist es schon fast aussichtslos“, befürchtet Harrsen.

Nachdem Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer sich eben erst bei einer internen Gesprächsrunde auf Sylt dagegen ausgesprochen hatte, den Bahnverkehr künftig über die Strecke Flensburg-Niebüll abzuwickeln – „Die Westküste darf nicht abgekoppelt werden“ (Meyer) – erteilte auch der Landrat dem von der IHK und anderen „gepushten Projekt“ öffentlich eine klare Absage. Derartige Pläne konterkarierten die gemeinsamen Bemühungen beim Bund um den kompletten zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der Marschbahn. „Niebüll-Flensburg ist eine Fata Morgana und lenkt ab von dem, was wir an der Westküste eisenbahntechnisch benötigen.“ Zudem sei das Projekt „völlig unausgegoren und keine ernsthafte Alternative“, bekräftigte Harrsen.

Nach Gesprächen mit Bahn-Experten kündigte Fraktions-Chef Thomas Nissen einen SPD-Antrag für den Kreistag an. Ziel ist es, die Gesamt-Thematik umfassend aufzuarbeiten und sich dann als Kreis Nordfriesland inhaltlich dezidiert zu positionieren. Während Grünen-Fraktions-Chef Uwe Schwalm keinen akuten Handlungsbedarf sieht, sagt sein CDU-Kollege Manfred Uekermann: „Da könnten wir schnell Einigkeit erzielen, die auch nötig wäre“, zumal man sich auf Sylt bereits klar positioniert habe. Da der Bundesverkehrswegeplan gerade erst für die Zeit bis 2030 beschlossen worden ist, legte Uekermann angesichts der andauernden Probleme im Bahnverkehr zwischen der Insel und dem Festland nahe, auch kleinere Maßnahmen in den Blick zu nehmen, um die Situation zu verbessern. Dies gilt nach Ansicht von SSW-Fraktions-Chef Ulrich Stellfeld-Petersen auch für die Bahnhöfe in Westerland und Niebüll, wo es aus baulichen beziehungsweise anderen Gründen kaum Entwicklungschancen gebe.

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erstellt am 31.Aug.2016 | 13:00 Uhr

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