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Husumer Nachrichten

26. Februar 2017 | 15:46 Uhr

Keine Zukunft mehr : Bahnbetriebswerk auf dem Abstellgleis

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Einen Monat vor dem Betreiberwechsel auf der Marschbahn-Strecke bangen die 46 Beschäftigten in Husum-Rödemis mehr denn je um ihre Jobs.

Wenn bis dahin nicht noch entscheidende Weichen in eine andere Richtung gestellt werden, gerät das Bahnbetriebswerk in Husum am 11. Dezember so ziemlich aufs Abstellgleis. An diesem Tag greift der Fahrplanwechsel, übernimmt die Deutsche Bahn Regio die sogenannte Marschbahn-Strecke von der Nord-Ostsee-Bahn. Für die 46 Beschäftigten des Rödemisser Wartungs-Stützpunktes, in dem fast elf Jahre lang rollendes NOB-Material auf Vordermann gebracht worden ist, scheint der Zug damit endgültig abgefahren. So sieht es jedenfalls der Vorsitzende der SSW-Fraktion im nordfriesischen Kreistag. Nach Informationen von Ulrich Stellfeld-Petersen ist für den Service-Standort in Rödemisfeld „mehr oder weniger alles gelaufen“. Damit stünden 46 Arbeitsplätze zur Disposition – „für eine Region wie die unsere ist das ein ganz schlechtes Signal“.

Während sich das Land – wie es Verkehrsminister Reinhard Meyer gerade bei der Vertragsunterzeichnung in Itzehoe ausdrückte – „gemeinsam mit einem leistungsfähigen und erfahrenen Anbieter“ auf den Weg zu einem „attraktiven und starken Nahverkehr“ macht, fühlt man sich in Husum durch den Betreiberwechsel im Eisenbahnnetz West eher abgehängt. Denn offensichtlich scheint das hiesige Wartungs-Center im Bieterverfahren, in dem sich die DB Regio letztlich gegen die NOB und Abellio durchgesetzt hat, von vornherein keine Rolle gespielt zu haben. Die Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein GmbH (Nah.SH) müsse sich laut Stellfeld-Petersen „fragen lassen, warum das Bahnbetriebswerk in Husum nicht mit in die Ausschreibungsunterlagen aufgenommen worden ist“.

Einiges an Interpretationsspielraum lässt diesbezüglich die Antwort des Hamburger Senats, der mit der Drucksache 21/2435 vom 1. Dezember 2015 um „Zustimmung zur Beteiligung der Hansestadt an der Bestellung von Verkehrsleistungen auf der Strecke Hamburg – Westerland“ bittet, auf eine Kleine Anfrage von Dr. Wieland Schinnenburg. Der Bürgerschafts-Abgeordnete der FDP, dem sich der Verdacht aufdrängt, dass der Gewinner der Ausschreibung „ein besonders günstiges Angebot vorgelegt hat, um Wettbewerber in Schleswig-Holstein zu beseitigen“, wollte in diesem Zusammenhang unter anderem wissen, welche Zukunft die NOB-Werkstatt in Husum habe. Antwort des Senats: „Die Vergabestelle in Schleswig-Holstein geht davon aus, dass der neue Betreiber die Werkstatt vom bisherigen Betreiber übernimmt. Diese Einschätzung wird von der zuständigen Behörde geteilt.“

Ob amtliche Fehleinschätzung oder unternehmerische Entscheidung: Die DB hat bereits kundgetan, ihre Züge künftig in den eigenen Betriebswerken in Hamburg-Langenfelde und Neumünster warten lassen zu wollen. Husum sei aus betriebswirtschaftlichen Gründen raus, so Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Für die Angestellten der Eisenbahnwerkstatt-Gesellschaft (EWG) – wie die NOB ein Tochterunternehmen der Transdev – bedeutet das: Sie haben keine Arbeit mehr. Und damit auch keine Zukunft.

Für Stellfeld-Petersen ein Unding: „DB und Transdev müssen sich fragen lassen, ob sie alles Erdenkliche getan haben, um die Arbeitsplätze zu retten und zu sichern. Zumal das Bahnbetriebswerk geografisch günstig liegt, nämlich direkt auf der Strecke Hamburg-Altona – Westerland.“ In Husum handele es sich um 46 hochqualifizierte Eisenbahner: „Alle Welt ruft nach Fachkräften – hier haben wir sie!“ Ihm sei bekannt, „dass durchaus kreative Initiativen der Belegschaft nicht in dem Maße berücksichtigt worden sind, wie es der Sache dienlich gewesen wäre“, verrät Stellfeld-Petersen. Auch die fehlende Informationspolitik kritisiert der SSW-Politiker scharf: „Die Betroffenen, Zuliefer-Firmen und die Region tappen im Dunkeln. Es ist dringend an der Zeit und ein Gebot der Fairness, den Mitarbeitern reinen Wein über ihre Perspektiven einzuschenken, damit sie ihre Lebensplanung darauf ausrichten können.“

Die EWG versuche derzeit, „weitere Aufträge zu generieren, um das Fachwissen und die Arbeitsplätze am Standort zu erhalten“, erklärte NOB-Pressesprecher Kay Goetze auf Anfrage: Dabei geschehe alles in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmer-Vertretern. Von Dr. Birte Pusback, Referentin im Büro des Wirtschaftsministers, war dazu zu erfahren, dass es „unter den beteiligten Unternehmen noch keine Lösung für das Bahnbetriebswerk in Husum gibt“. Dabei hatten die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Kreis Nordfriesland schon seit längerem angeregt, die Protagonisten in Kiel an einen Tisch zu holen. „Es ärgert mich maßlos, dass da so mit Arbeitsplätzen gespielt wird“, sagt Beate Rache, Leiterin der EVG-Geschäftsstelle Nord. „Das geht gar nicht.“

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erstellt am 15.Nov.2016 | 12:15 Uhr

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