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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 19:25 Uhr

Riesen-Probleme auf Sylt : Bahn-Chaos: Kritik wird immer lauter

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Massive Probleme durch ausgefallene Züge belasten nicht nur Sylt-Pendler, sondern auch Geschäftsleute auf der Insel.

Im Ringen um eine zuverlässige Bahnanbindung der Insel Sylt hat sich nun auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Wort gemeldet. Im Interesse der Sylter Wirtschaft appelliert die IHK Flensburg an die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) und das Land Schleswig-Holstein, weiter mit Hochdruck an einer schnellen Lösung zu arbeiten.

Leidtragende der akuten Behinderungen im Bahnverkehr von und nach Sylt seien nicht nur die Pendler, sondern in besonderem Maße auch die Sylter Unternehmen. In einer Pressemitteilung der IHK schildert Oliver Boettiger, Geschäftsführer des Modehauses H. B. Jensen, die negativen Auswirkungen auf seinen Betrieb: „Der finanzielle Schaden kann kaum beziffert werden. Von unseren insgesamt 80 Mitarbeitern pendeln täglich rund 50 zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Es kommt in der Folge dieser unzumutbaren Zustände zu Kündigungen von Mitarbeitern. Neues Personal muss gefunden und eingearbeitet werden.“ Zudem müssten auch die Mitarbeiter von der Insel zurückstecken, da sie in den Situationen, in denen es zu Verspätungen und Ausfällen kommt, den Betrieb aufrechterhalten. Besonders ärgerlich ist laut Boettiger, dass sich keiner der Verantwortlichen für die vielen am Bahnsteig wartenden und frierenden Mitarbeiter interessiere. Es gebe keine ausreichenden Informationen über Verspätungen. „Die Verantwortlichen sollten es sich zur Aufgabe machen, die sozialen Medien zu beobachten und sich so ein Bild über die Zustände und die Erfahrungsberichte der Betroffenen zu machen“, fordert der Geschäftsführer. Und weiter: „Wir fühlen uns schlichtweg abgehängt. Daher ist dringend schnelles Handeln der Verantwortlichen erforderlich, auch wenn es Geld kostet. Wir brauchen verlässliche Bahnverbindungen!“

„Seit Jahren werden der dringend benötigte zweigleisige Ausbau der Marschbahn und die Elektrifizierung der Strecke hinausgezögert,“ kritisiert Gregor Stein, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Nordfriesland in Husum. „Kommen dann noch Bauarbeiten, Fahrplan-Schwierigkeiten und technische Pannen wie im Moment hinzu, stellt dies eine nicht hinnehmbare Benachteiligung der auf Sylt ansässigen Unternehmen dar.“

Auch der Auto Club Europa (ACE) meldet sich in dieser Angelegenheit zu Wort. „Aus der Ferne betrachtet mögen die derzeitigen Probleme im Bahnverkehr zwischen der Insel Sylt und dem Festland als Luxus-Problem wohlhabender Urlauber erscheinen – doch in Wirklichkeit trifft es Tausende von Pendlern, die auf der Insel arbeiten, es sich aber nicht leisten können, dort zu leben“, sagt Peter Deutschland, verkehrspolitischer Sprecher des ACE für die Region Norddeutschland. Das Sprachrohr des zweitgrößten deutschen Autoclubs fordert umgehende Abhilfe: „Fast 5000 Erwerbstätige fahren täglich auf die Insel und zurück. Sie sind auf die Bahnverbindung angewiesen, denn die Alternativen Fähre und Autoreisezug sind zu kostspielig und zeitaufwendig, um zu pendeln – oder bieten ohnehin nicht genügend Kapazitäten, um den Bedarf zu decken.“

Seit einer Woche fallen zahlreiche Züge wegen Problemen an den Kupplungen aus. Alle Waggons der privaten NOB waren vergangene Woche zur Untersuchung in den Depots geblieben, ein Notverkehr wurde mit geliehenen Eisenbahnwagen aufrechterhalten. In den Zügen war es so eng, dass zahlreiche Pendler keinen Platz mehr fanden. Am Freitag kollabierte sogar eine Passagierin in einem Waggon und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Schon in den Wochen davor hatte es immer wieder Störungen im Sylt-Verkehr der NOB gegeben. Ursächlich waren Gleisbauarbeiten. Auch das sieht Deutschland kritisch: „In den vergangenen Jahrzehnten wurde immer mehr am Netz gespart. Jetzt herrscht dort einerseits Sanierungsstau, andererseits sind keine Ausweichgleise mehr vorhanden.“

Unterdessen verschaffte sich Reinhard Meyer am Montag (21. November) auf der Insel einen Überblick. Fazit des Landes-Verkehrsministers nach einem Gespräch mit Vertretern der Bahn, Lokalpolitikern und Pendler-Sprechern: Die Zuverlässigkeit des Bahnverkehrs müsse stabiler werden und die Informationspolitik besser – das seien jetzt die Prioritäten. Er, Meyer, erwarte von den Bahn-Unternehmen, „dass noch schneller kommuniziert wird, wie es mit der Situation der Züge aussieht“. Der Minister forderte unter anderem sogenannte Kümmerer, die auf den Bahnsteigen für Auskünfte zur Verfügung stünden. Außerdem sei es wichtig, die Fahrgäste übers Internet oder per App rechtzeitig darüber zu informieren, welche Züge fahren, ausfallen oder Verspätung haben.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 10:00 Uhr

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