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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Flüchtlingsfamilie im Glück : Baby Angela soll sicher aufwachsen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine irakische Flüchtlingsfamilie in Bohmstedt benennt ihre vor eineinhalb Monaten in Niebüll geborene Tochter aus Dankbarkeit für den sicheren Aufenthalt nach der Bundeskanzlerin.

Als Thaer und Uafa Mamary im November vergangenen Jahres nach Bohmstedt kamen, war ihre Familie bereits siebenköpfig. Mit dabei waren ihre Töchter Zahra (11) und Azra (9), die Brüder Amar (8) und Ali (6) und die zweijährige Cofjaw. Im Grunde aber waren die Mamarys schon damals zu acht, denn das jüngste Kind kam wenige Monate später in Deutschland zur Welt. Genauer: Am Abend des 6. Juni im Niebüller Krankenhaus. Und weil die aus dem Irak geflüchtete Familie so unbeschreiblich dankbar dafür ist, dass sie in Deutschland ein neues Zuhause gefunden hat und überall so herzlich aufgenommen wurde, bekam die Kleine einen deutschen Namen: Angela.

Die Nachbarin und ehrenamtliche Betreuerin der Familie, Margrit Nissen, erfuhr gleich nach der Geburt von den Geschwistern, dass Mamas Baby da ist. Aufgeregt kamen sie zur „Oma“ gelaufen, wie sie ihre Nachbarin liebevoll nennen, und erzählten ihr davon. Den für ihre Ohren noch ungewöhnlichen Namen der kleinen Schwester jedoch konnten sie nicht aussprechen. „Ich verstand immer nur Anschi oder so ähnlich“, erinnert sich Margrit Nissen. Auf ihren fragenden Blick holten die Kinder das Handy aus der Wohnung und zeigten ihr darauf das Foto jener Frau, nach der das Mädchen benannt werden sollte. Und das war ein Bild von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Das fand ich so rührend“, sagt die Bohmstedterin, die der Großfamilie schon bei vielen Gelegenheiten helfend zur Seite gestanden hat. Die größeren Mädchen gehen in Husum zur Schule und steppen im Sportverein, Ali besucht den Kindergarten in Drelsdorf, wo neben den Söhnen auch der Vater Fußball spielt. In Bredstedt kauft die Familie auf dem Wochenmarkt ein und versorgt sich bei der Tafel, und natürlich stehen auch häufiger mal Arztbesuche an. Und da die Busverbindungen in diese Orte nicht ausreichend sind, sorgt Margrit Nissen ebenso wie Axel Bergenthum, dessen Frau Inge und viele andere Helfer regelmäßig für passende Fahrgelegenheiten. Zudem wird die Familie zweimal pro Woche von Ehrenamtlern in der deutschen Sprache unterrichtet, „als Vorbereitung auf die offiziellen Deutschkurse“, erklärt Inge Bergenthum. So lange hilft eben Margrit Nissen beim Verstehen der oft nur schwer verständlichen Post von den Ämtern und vielen anderen alltäglichen Problemen.

Vater Thaer (30), der im Irak Polizist war, würde gerne in sein kleines Dorf bei Mossul zurückkehren, wenn der Krieg vorbei ist. Für seine Kinder aber würde er hier bleiben, „damit sie zur Schule gehen und später eine gute Ausbildung machen können“, so sein Wunsch. Die riesengroße Hilfsbereitschaft der Bohmstedter bewegt ihn sichtlich. Und weil er das noch nicht so gut in deutsche Worte fassen kann, hat er als Zeichen seiner Dankbarkeit – so wie bereits andere geflüchtete Menschen, die in Deutschland gelandet sind – seine Tochter nach der Kanzlerin benannt: „Weil sie gesagt hat, dass wir kommen dürfen.“

Auf die Frage, ob im Haushalt der Familie noch etwas fehlt, zeigen sich alle bescheiden. „Alles ist gut, alles ist schön.“ Ein Wasserkocher wäre gut, räumt Mutter Uafa schließlich ein, die bisher für jeden Tropfen warmes Wasser die Töpfe hervorholen muss. Und eine elektrische Nähmaschine wäre ihr Traum, denn sie zaubert aus Stoffresten gerne Taschen für die Töchter oder andere sinnvolle Dinge. Für die kleine Angela hat sie traditionellen Handschmuck aus winzigen Perlen gebastelt. Margrit Nissen ist beeindruckt: „Dass du all das noch nebenbei schaffst, obwohl du sechs kleine Kinder zu versorgen hast“, lobt sie die junge Mutter, die bei diesem Lob vor Freude strahlt.

Ach ja, und Rad fahren würde sie gerne lernen, sagt Uafa. So wie der Rest ihrer Familie, um selbst auch etwas mobiler zu sein. Mit dem Problem ist sie nicht alleine, auch andere Flüchtlingsfrauen haben nie Rad fahren gelernt. Ein Wunsch, der bei so viel dörflicher Willkommenskultur vielleicht auch irgendwie zu erfüllen sein wird. Margrit Nissen fällt dazu gleich noch etwas ein: „Fahrradsitze für die kleinen Kinder wären gut oder ein Fahrradanhänger, damit die ganze Familie auf Tour gehen kann.“

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