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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:53 Uhr

DRK-Kreisverband Nordfriesland : Ausgepowert – aber voll konsolidiert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Beim Roten Kreuz in Nordfriesland überlagerte die Flüchtlingsarbeit zum Jahresanfang alles andere. Der Kreisverband erwirtschaftete 670.000 Euro Überschuss.

„Es ist unsere Aufgabe, eine sichere Insel zu schaffen, und das gelingt uns.“ Bei der Jahrestagung des Deutschen Roten Kreuzes Nordfriesland in Struckum bekam DRK-Kreisbereitschaftsleiter Lars Christophersen viel Beifall für seine klaren Worte. Der Leiter der Betreuungseinrichtung des Landes für Flüchtlinge in Seeth berichtete über den Kraftakt, der nötig war, um praktisch aus dem Stand die nötige Logistik für hunderte Menschen zu schaffen. Trotz anfänglicher Widrigkeiten fiel seine Bilanz positiv aus. DRK-Kräfte aus ganz Schleswig-Holstein, von anderen Hilfsorganisationen und private ehrenamtliche Helfer hätten Hand in Hand gearbeitet. Nach dem Abebben des Flüchtlings-Stroms – zurzeit kommen 58 Asylbewerber auf 86 Mitarbeiter – steht eher die Betreuung und Freizeitgestaltung für die Asylsuchenden im Mittelpunkt der Arbeit.

„Das Thema hat uns enorm beschäftigt“, erklärte der DRK-Kreisvorsitzende Frank Millack. Und an die Adresse all jener, die sich engagiert haben: „Vielen Dank für alles!“ Auch Kreisgeschäftsführer Torben Walluks lobte die Teamarbeit und verwies darauf, dass Flüchtlingshilfe die Arbeit der DRK-Zentrale bis Anfang dieses Jahres zu 80 bis 90 Prozent absorbiert habe.

DRK-Landesverbands-Präsident Henning Kramer betonte mit Blick auf den ersten Rotkreuz-Grundsatz – die Menschlichkeit: „In Seeth ist Vorbildliches geleistet worden.“ Nun liege das Hauptaugenmerk darauf, die Neuankömmlinge in der Gesellschaft zu integrieren. Dem DRK-Kreisverband bescheinigte Kramer, unverzichtbare humanitäre und soziale Arbeit zu leisten – „Sie haben allen Grund, stolz darauf zu sein.“

Dass nicht nur dieses Thema besondere Anforderungen an die DRK-Helfer stellt, machte Kreisbereitschaftsleiterin Monika Braczek deutlich. Ob in der Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Kreises Nordfriesland oder bei Messen, Ringreiten oder Zeltfesten: „ Das Tagesgeschäft ist trotzdem da und mehr Helfer werden wir auch nicht“, sagte sie. „Die Helfer kommen teilweise echt auf dem Zahnfleisch daher.“ Zurzeit sind es 107 Aktive im Kreisgebiet, plus 60 auf Sylt.

Insgesamt zählt das nordfriesische Rote Kreuz rund 9000 Mitglieder in 56 Ortsvereinen. Trotz dieser imposanten Zahlen und einiger erfolgreicher Mitglieder-Werbeaktionen hat auch das hiesige DRK Probleme: So wurden zuletzt die beiden Ortsvereine Stadum-Sprakebüll und Bargum aufgelöst – nicht mangels Aktivitäten und Mitgliedern, sondern weil sich niemand für Führungsaufgaben fand. „Das ist in der Tat ein Problem“, erläuterte Millack in seinem Jahresbericht. Er warb darum, rechtzeitig Nachwuchskräfte aufzubauen, denn: „Ohne das wichtige Engagement in den Ortsvereinen würde das DRK um ein Vielfaches ärmer.“ Nordfriesland steht mit dem Problem nicht allein da: Auch bundesweit wirbt das DRK mit seiner Kampagne „Zeichen setzen!“ um ehrenamtliche Mitarbeiter, machte Landes-Chef Kramer deutlich.

Immerhin konnte der Kreisverband – mit Ausnahme des Justitiars – die offenen ehrenamtlichen Vorstandsposten neu besetzen. Christiane Jürgens (Galmsbüll) wurde einstimmig zur neuen stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt. Sie folgt Christel Tychsen, die nach jahrzehntelanger Vorstandsarbeit nicht wieder kandidierte. Neuer Beisitzer ist – ebenfalls mit einstimmigem Votum – Carsten-Andreas Lorenzen aus Struckum.

Wirtschaftlich gehe es dem DRK-Kreisverband wieder deutlich besser – „voll konsolidiert“, sagte der Vorsitzende und frühere Kreisgeschäftsführer Frank Millack. Torben Walluks, dem neuen Chef in der Husumer DRK-Zentrale, bescheinigte Millack eine hervorragende Arbeit. Auch dankte er ausdrücklich den Mitarbeitern in allen Einrichtungen und Organisationen des Roten Kreuzes. Dazu zählen neben dem Kreisverband vier Pflegeeinrichtungen in Husum, Struckum, auf Pellworm und Amrum, ambulante Pflegedienste, der Hausnotruf und die Dienstleistungsgesellschaft.

Für 2015 beläuft sich die Bilanzsumme auf knapp elf Millionen Euro. Der Überschuss von 670.000 Euro gibt Spielraum für dringende Investitionen. Nach dem „Vorsichtsprinzip“ ist der Wirtschaftsplan für 2017 gestaltet – aber mit schwarzen Zahlen. Walluks verwies dabei auf das zweite Pflegestärkungsgesetz mit der Umstellung von Pflegestufen auf -grade: „Wir wissen noch nicht genau, wo die Reise hingeht.“

Für die kleinen Pflegeeinrichtungen auf Pellworm und Amrum, die nur schwierig wirtschaftlich zu betreiben seien, steht ein leichtes Defizit im Plan. Hier helfen die Kommunen, den Bestand der Häuser zu sichern. Eine andere Herausforderung ist der Fachkräftemangel. Dieser sei mittlerweile nicht nur auf den Inseln, sondern in jeder stationären Einrichtung und bei den ambulanten Diensten ein Problem. Walluks: „Aber wir sind am Ball und versuchen, ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben“ – und künftig in noch stärkerem Maß auch selbst auszubilden.

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erstellt am 26.Jun.2016 | 16:00 Uhr

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