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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 16:49 Uhr

Herzklopfen bei den Züchtern : Aus Sollwitt zur Holsteiner-Auktion

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit 20 Jahren züchten Heike und Bernd Arendt sehr erfolgreich in Sollwitt Pferde. Nun wurde ein Stutfohlen für die Holsteiner Auktion zugelasssen. DNA-Tests beweisen die Abstammungslinie eines jeden Fohlens.

Wie ist es eigentlich, wenn man als Züchter bei der Fohlenauktion am Sonnabend (27. August) in Behrendorf ein Tier am Start hat, das beste Chancen auf viele interessierte Käufer hat? Ist es das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit und hoher Investitionen? Oder schlichtweg Züchterglück? „Ein bisschen von allem“, meint Heike Arendt aus Sollwitt. Sie nimmt mit einem vielversprechenden Stutfohlen an der Auktion teil und ist schon gespannt auf das Ergebnis. Vor zwei Jahren errang dort bereits ein Hengstfohlen aus ihrer kleinen Zucht einen absoluten Spitzenpreis. Und auch diesmal stehen die Verkaufschancen nicht schlecht, denn ihre im April geborene Stute bringt ähnlich gute Voraussetzungen mit: Der Vater Casall zählt seit Jahren zu den absoluten Top-Pferden des internationalen Springsports und gilt auch züchterisch als Ausnahme-Erscheinung. Die Fohlenmama ist California Cassini-Landlord, eine Stute mit einer wunderbar natürlichen Anmut im Gang.

„Die Idee, gemeinsam eine Zucht aufzuziehen, brachte mein Mann vor 20 Jahren mit nach Hause“, erzählt die Züchterin. Als Hufschmied hat Bernd Arendt täglich mit Pferden zu tun, und da er im Laufe der Jahre ein sehr gutes Auge für Tiere mit Potenzial entwickelt hat, griff er sofort zu, als ihm ein Züchter einige Stuten zum Kauf anbot. Mit Landlord begann die erfolgreiche Serie, die derzeit mit California einen echten Höhepunkt erlebt. Sie brachte bereits drei gesunde Fohlen zur Welt und erwies sich als fürsorgliche Mutter. „Ihre Geburten gingen zwar schnell und ohne Probleme vonstatten, dennoch hatten wir zuvor so manch schlaflose Nacht“, erzählt Heike Arendt. Grund dafür ist der Geburtsmelder, den die Tiere am Ende der Tragezeit um den Bauch bekommen. Der schlägt Alarm, sobald das Pferd eine bestimmte Liegeposition einnimmt – und es gibt häufig Fehlalarme. „Mittlerweile sind die Boxen aber kameraüberwacht. Ein Blick auf den Bildschirm zu Hause reicht aus, um die Lage einschätzen zu können.“

Wenn es endlich so weit ist und alles gut geht, ist die Freude riesig. Und dann kommt die Bürokratie: So müssen die Fohlen gleich nach der Geburt dem Holsteiner-Verband gemeldet werden. Sie bekommen einen Chip und das Brandzeichen. Zuvor wird anhand eingeschickter Schweif- und Mähnenhaare noch einmal die DNA überprüft. „Der Vaterschaftstest ist für den Stammbaum wichtig“, sagt Heike Arendt. Derzeit sind gleich vier ihrer neun Stuten tragend. „Mit etwas Glück wird 2017 wieder ein fohlenreiches Jahr“, hofft sie. Für ihren Mann sind die Geburten „Adrenalin pur“. „Wenn das Fohlen dann noch lange Beine und eine schöne Hals- und Kopfform hat, dann schlägt mein Züchterherz schneller“, sagt Bernd Arendt und hofft, eines Tages eines seiner Fohlen mal als Springtalent in einem hochdotierten Turnier zu sehen.

Beide haben im Lauf der Zeit so manche Höhen und Tiefen mit ihren Pferden erlebt und wissen, dass sie mit der Zucht keinen Gewinn erzielen können. „Allenfalls lässt sich mit einem guten Verkauf mal ein Teil der Kosten decken“, sagt die Züchterin. Was für sie und ihren Mann viel mehr zählt, sind die persönlichen Glücksmomente. So wie vor fünf Jahren, als Tochter Saskia auf „Classic Fly“ ihr erstes S-Springen auf einem selbst gezogenen Pferd absolvierte.

Doch im Moment gilt das Augenmerk vor allem dem Auktionsfohlen, das für seine Präsentation am kommenden Sonnabend noch ein bisschen Schönheitspflege braucht. Es bekommt jetzt spezielles Futter, damit das Fell glänzt und das Tier insgesamt bei seinem großen Auftritt in Behrendorf in bester Verfassung ist. Dass es überhaupt in die Auktion gekommen ist, verdankt es einem „Casting“, in dem mehr als 150 Jungtiere der Jury vorgestellt wurden. Nur die 45 besten Tiere bekamen ein Ticket für Behrendorf.

„Dort dabei zu sein, ist schon eine tolle Sache“, sagt die Züchterin, die insgeheim aber froh darüber ist, dass die kleine Stute noch kein halbes Jahr alt ist und daher vom neuen Besitzer nicht gleich mitgenommen werden kann. Mindestens bis Oktober kann das Fohlen also noch in Sollwitt bleiben. Der Abschied von den jungen Pferden fällt Heike Arendt nie leicht. „Irgendwie sind das doch alle unsere Babys“, sagt sie.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 11:00 Uhr

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