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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 15:38 Uhr

Klinikum Nordfriesland : Aus für Tönning – Kampf um Niebüll

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Während das Krankenhaus in Tönning nun schon Ende des Jahres schließt, kämpft die Bürgerinitiative in Niebüll weiter um ihre Klinik.

Die Ereignisse überschlagen sich: Die stationäre Versorgung in der Klinik Tönning muss schon ein halbes Jahr vor dem vom Kreistag angepeilten Termin am 30. Juni 2017 geschlossen werden. Wie zuletzt in der Geburtshilfe Niebüll fehlt inzwischen auch in Eiderstedt das nötige Personal. Spätestens Ende des Jahres ist also Schluss. Die Tönninger Klinik spielt, was das stationäre Angebot angeht, in Christian von der Beckes Überlegungen ohnehin keine Rolle mehr. Der Geschäftsführer des im Bestand gefährdeten Klinikums Nordfriesland prüft derzeit eine Handvoll Szenarien, wie die verbleibenden Häuser in Husum, Niebüll und Wyk zukunftssicher aufgestellt werden könnten. Bis zum 23. März erwartet der Kreistag zumindest ein Zwischenfazit, falls die Abschluss-Bewertung nicht möglich ist. Vieles dürfte von der Frage abhängen, ob das Land und die Kassen – wenn künftige Bundesvorgaben es erlauben – auch für Niebüll einen Sicherstellungszuschlag gewähren. Dort kämpft die Bürgerinitiative weiterhin um den Erhalt der Klinik.

 

Eiderstedter Klinik schließt halbes Jahr früher als geplant

 

Im März hatte der Kreis Nordfriesland beschlossen, dass ein Ende der stationären Versorgung in der Klinik Tönning spätestens zum 30. Juni 2017 angestrebt wird – vorausgesetzt, der Betrieb kann organisatorisch und personell bis dahin sichergestellt werden. Doch genau diese Voraussetzungen können offensichtlich nicht erfüllt werden.

„Leider müssen wir diesen Termin auf den 31. Dezember 2016 vorziehen“, erklärt Christian von der Becke, Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland. Schon Mitte der Woche hatte sich abgezeichnet, dass das Tönninger Krankenhaus zum Jahresende schließen muss.

„Aufgrund der für Mitte 2017 angestrebten Schließung orientieren sich viele Tönninger Mitarbeiter bereits jetzt neu. Erschwerend kommt hinzu, dass Verträge im ärztlichen Bereich zum Jahresende auslaufen. Wir finden im gleichen Maße für Tönning keinen neuen Mitarbeiter mehr, so dass wir diese Fluktuation nicht länger auffangen können“, macht von der Becke deutlich. Die Konsequenz daraus sei jetzt die Einstellung der stationären Versorgung in Tönning. Der Geschäftsführer betont allerdings, dass die Schließung nicht für die ambulanten medizinischen Angebote in Tönning gelte. Das bedeutet, dass sowohl die Frauenarztpraxis, die chirurgische und auch die neurochirurgische Praxis weiterhin im bekannten Umfang die Patienten während der Praxiszeiten versorgen wird.

Organisatorisch sind die drei Praxen im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), das zum Klinikum Nordfriesland gehört, zusammengefasst. Es ist zudem geplant, dass in Tönning auch weiterhin ambulante Operationen vorgenommen werden. Ebenso bleiben die ambulanten Angebote im Therapiezentrum des Klinikums in Tönning erhalten. Auch die Patienten des Adipositas Zentrums Nord müssten sich keine Sorgen machen, so von der Becke. „Die Versorgung geht vollumfänglich in der Klinik Husum weiter. Alle Kräfte und alle Leistungen konzentrieren wir somit an einem Standort.“

Allen Mitarbeitern der Klinik Tönning wird – wenn sie nicht für die ambulante Versorgung benötigt werden – ein Angebot zur Weiterbeschäftigung an den anderen Standorten unterbreitet, teilt das Klinikum mit. „Niemand muss Sorge haben, arbeitslos zu werden“, sagt von der Becke. Was mit den leer stehenden Räumlichkeiten passiert, darüber führe das Klinikum derzeit „vielversprechende“ Gespräche.

Die Rund-um-die-Uhr-Notfallversorgung in Eiderstedt wird weiterhin durch den Notdienst der niedergelassenen Ärzte und durch den Rettungsdienst Nordfriesland sichergestellt. Von der Becke: „In Tönning verbleibt ein Notfalleinsatzfahrzeug mit einem Notarzt an Bord.“ Darüber hinaus werden Gespräche mit anderen Trägern geführt, um ein weiteres Angebot in der Notfallversorgung in der Region St. Peter-Ording zu entwickeln.

 

Protestaktion: Bürgerinitiative will weiter Flagge zeigen

 

Mit vielen Veranstaltungen, wie die „Rote-Xe-Aktion“, hat die Bürgerinitiative Klinik Niebüll die Menschen vor Ort auf die Situation des Krankenhauses in Niebüll aufmerksam gemacht. „Da die öffentliche Information der Entscheidungsträger unseres Erachtens nach nur spärlich fließt, halten wir es für erforderlich, weiterhin Flagge zu zeigen, damit die Verantwortlichen sehen, woher und warum der Wind weht“, erklären die Organisatoren in einer Mitteilung und kündigen eine neue Aktion an, zu der sie alle Nordfriesen einladen.

Am Donnerstag, 20. Oktober, um 11 Uhr wird vor dem Amtsgebäude in Niebüll (Marktstraße) eine rot-gelbe Flagge gehisst. Daran teil nehmen die Mitglieder des „Bündnisses Pro Krankenhaus Niebüll“, das sich aus dem Amt Südtondern mit seinen 30 Gemeinden, dem Förderverein Kreiskrankenhaus Niebüll sowie der Bürgerinitiative Klinik Niebüll zusammensetzt. Die Bürgerinitiative Klinik Niebüll setzt sich nach eigenen Aussagen für den uneingeschränkten Erhalt der Klinik Niebüll als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung sowie der 24-Stunden-Notfallversorgung einschließlich Reaktivierung der Geburtshilfe ein. Das bedeutet gleichzeitig die Forderung nach der Zwei-Standorte-Regelung auf dem Festland (Husum und Niebüll).

Auch zur Diskussion um den Bau eines Zentralklinikums für den Kreis Nordfriesland hat die Bürgerinitiative einen festen Standpunkt. Die Organisatoren lehnen eine Fokussierung auf einen Neubau ab, der vermutlich Kosten in dreistelliger Millionenhöhe verursachen würde. „Einen weißen Fleck im Norden des Kreises hinsichtlich der medizinischen Versorgung für den großen Einzugsbereich lassen wir nicht zu. Die Entscheidung des Kreistages, in den ,Goldenen Zwanzigern‘ in Niebüll ein Krankenhaus zu bauen, hat sich im Laufe der Jahrzehnte als genau richtig erwiesen, und diese Einrichtung ist nach wie vor für die hier lebenden Menschen erforderlich. Wir bezweifeln, dass die Belange von über 55  000 Menschen – das sind zirka ein Drittel der Nordfriesland-Einwohner – dann noch sachgerecht Berücksichtigung finden werden“, erklärt Sieghard Schmanteck von der Bürgerinitiative.

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