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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 11:45 Uhr

Pellworms Polizist : Aus dem Alltag des einzigen Insel-Sheriffs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Paul Pastoors arbeitet in einer Ein-Mann-Wache auf Pellworm. Im kommenden Jahr wird er pensioniert.

Es ist kurz nach halb elf am Vormittag, als das Telefon in der Pellwormer Polizeistation klingelt. Paul Pastoors hebt den Hörer ab und hört geduldig zu. Ein Gast auf der Insel beschwert sich, dass abends ständig Trecker vor seiner Ferienwohnung vorbeifahren. Ändern kann der Polizist daran nichts. „Damit müssten Sie sich an die Gemeinde wenden“, empfiehlt er dem Anrufer.

In der Saison habe er vor allem mit Touristen zu tun, sagt Pastoors. Der Oberkommissar ist der einzige Polizist auf der Insel, seine Dienststelle ein Raum im Erdgeschoss des Amtsgebäudes. Für seinen Vorgänger gab es noch ein eigens Polizeigebäude auf der Insel, erzählt der 61-Jährige. Doch als Pastoors vor 13 Jahren nach Pellworm kam, hatte er dort bereits ein Haus gekauft. Also trennte sich das Land vom Gebäude mit der Dienstwohnung und der neue Inselpolizist bezog sein Büro im Amt in Tammensiel. Mit etwa 90 Einwohnern ist dies der zweitgrößte Ortsteil der Insel. In unmittelbarer Nähe der Wache liegen der Hafen, die Touristeninformation und die Bäckerei mit Café. „Dadurch sind die Wege kürzer“, sagt er.

Paul Pastoors hat seine Polizeilaufbahn 1975 am unteren Niederrhein begonnen. Nach 19 Jahren bei der Schutzpolizei in Kamp-Lintfort wechselte der gebürtige Nordrhein-Westfale 1994 zum dortigen Kriminalkommissariat. Ein Jahr darauf besuchte er mit seiner Frau und den gemeinsamen Zwillingen zum ersten Mal Pellworm. „Ich habe damals so viele Überstunden vor mir hergeschoben, da wollte ich im Urlaub mal richtig abschalten können“, sagt er. „Mallorca wäre da nicht das Richtige gewesen.“

Seitdem hat die Familie regelmäßig Urlaub auf der Nordseeinsel gemacht – und 1999 kauften sie ihr Haus: Das ehemalige Pastorat der alten Kirche liegt ganz im Westen der Insel, direkt am Deich. Damals wusste Pastoors bereits, dass die Stelle des Inselpolizisten demnächst neu besetzt werden sollte. Seinen Vorgänger hatte er dort während eines Urlaubs kennengelernt.

Sein Job in der Ein-Mann-Dienststelle hat Vor- und Nachteile, sagt der Polizist. So lange er auf Pellworm ist, ist er im Grunde immer im Dienst. Die Insulaner kennen ihn und sprechen ihn auch mal mit Problemen an, wenn sie ihn beim Einkaufen treffen. Und auch wenn er keinen Dienstwagen hat – sein privates Auto ist den gut 1100 Einwohnern ebenso bekannt. Dafür ist es aber ein ruhigerer Dienst. Vor allem mit kleinen Unfällen, gestürzten Radfahrern oder Sachbeschädigungen an Autos ist er beschäftigt. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt er, „nur nicht so viel, dass es in Stress ausartet.“

Mit dieser Nähe müsse man aber auch umzugehen wissen, erklärt der Oberkommissar. „Man kann nicht immer gleich mit dem Gebührenblock kommen.“ Viel wichtiger sei es, dass die Menschen Fehler selbst einsehen – „verstehen, dass man sich im Auto anschnallt.“ Nur bei Straftaten gäbe es bei ihm keinerlei Kulanz. „Und das wissen die Leute hier auch.“

Nähe bedeutet allerdings ebenso, dass Pastoors selbst auch fast jeden auf der Insel kennt – auch wenn es mal um einen Todesfall geht. „Das sind die Dinge, die leider besonders im Gedächtnis bleiben.“ Bei seiner vorherigen Dienststelle sei er nach so einem Tag abends schlecht eingeschlafen, danach hätten ihn neue Fälle wieder abgelenkt. „Hier ist so etwas noch wochenlang Gesprächsthema.“ Aber auch wenn er seine Zeit in Kamp-Lintfort manchmal vermisst habe – das Zusammenarbeiten mit anderen Kollegen zum Beispiel – bereut hat er den Wechsel nach Pellworm nie. Und so will er auch nach dem Berufsleben bleiben, ohne Angst zu haben, sich irgendwann zu langweilen. Zu Hause tischlert er in der eigenen Werkstatt Möbel, außerdem ist er im Archiv-Verein der Insel aktiv. „Man muss hier auf nichts verzichten“, sagt er.

Inzwischen scheint nach längerer Suche (wir berichteten) auch die Nachfolge für Paul Pastoors gesichert zu sein. Der potentielle Nachfolger kommt aus einem anderen Bundesland, hat sich bei der Direktion aber bereits vorgestellt, heißt es aus dem Landespolizeiamt: „Es fehlen nur noch Formalitäten.“

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erstellt am 28.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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