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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 21:40 Uhr

Rollstuhl-Sportclub Husum : Aufgeben ist keine Option

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Rollstuhl-Sportclub Husum bietet Tischtennis und Tanzen an. Bogensport ist geplant – und Club-Vize Norbert Sack wünscht sich auch noch Basketball.

Die Schluckimpfung, die seine Behinderung hätte verhindern können, gab es damals noch nicht. Norbert Sack gehört zum Jahrgang 1950 und ist im Alter von zwei Jahren an Kinderlähmung erkrankt. Ohne Krücken und Rollstuhl kann er sich nicht fortbewegen. „Damals waren acht Kinder in unserer Straße betroffen“, erzählt der Wahl-Husumer, der ursprünglich aus Flensburg stammt. „Nein, ausgeschlossen fühlte ich mich nicht. Doch früher wurde ein Junge mit Krücken mehr gehänselt als heute.“ – 1962 ist die Polio-Schluckimpfung in Deutschland eingeführt worden. –

Norbert Sack, der große Gelassenheit ausstrahlt, lässt sich von seinem Handicap nicht unterkriegen – dafür stehen auch seine Hobbys. Der 66-Jährige ist ein begeisterter Sportler und Musiker. Mit seiner E-Gitarre gehört er seit 1968 zu den Fünf der Hamburger Ukuleleband „Quadromania“, die Jazz und Evergreens im Repertoire haben.

Was den Sport betrifft, so ist Basketball seine Leidenschaft. Und mit diesem schnellen Ballspiel hat auch alles angefangen im Rollstuhl-Sportclub (RSC) Husum, der 1983 von einem Freund Norbert Sacks, von Klaus-Dieter Martens, mitgegründet worden ist – es war der erste dieser Art in Schleswig-Holstein. 1985 trat Norbert Sack in den Verein ein und stand für 25 Jahre als Vorsitzender an der Spitze. Dann entschied er, dass die Zeit für einen jüngeren Nachfolger gekommen sei. Als „Vize“ unterstützt Sack seitdem den Vereinschef Frank Schiefelbein. Zurzeit gibt es 22 aktive Mitglieder – der Frauenanteil liegt bei 40 Prozent – mit den Förderern sind es 65. Die Sportler und Sportlerinnen von Mitte 20 bis „Ü60“ kommen nicht nur aus Nordfriesland, sondern auch aus den Nachbarkreisen Dithmarschen, Schleswig-Flensburg und dem Raum Rendsburg. „Die meisten sind nach einem Unfall – meistens mit dem Motorrad – im Rollstuhl gelandet.“

Das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk (TSBW), das ebenfalls zu den Mitgliedern gehört, stellt dem Club eine Sporthalle zur Verfügung.

Nach Husum ist Norbert Sack in den sechziger Jahren durch seine Ausbildung zum Bürokaufmann im TSBW gekommen. Damals habe er zwar Tischtennis gespielt, aber Behindertensport, wie er heute angeboten werde, sei noch kein Thema gewesen.

1985 konnte er durch den neuen Verein endlich Rollstuhl-Basketball spielen. In ihren besten Zeiten mischte die Mannschaft sogar überaus erfolgreich in der 2. Bundesliga mit. Gruppen mit Frauen und Männern sind bei sportlichen Begegnungen auf Liga-Ebene erlaubt – „nur in der Nationalmannschaft nicht“.

Dann blieb der Nachwuchs fern, sodass Basketball vom Trainingsplan verschwinden musste. „Leider“, findet Norbert Sack. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer oder „Fußgänger“ – Menschen, die nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sich aber für diese Sportart in einen setzen würden – und Zeit für und Lust auf Basketball haben, sollten sich bei ihm unter Telefon 04841/62976 melden. Vielleicht kommt es ja zu einer Neuauflage beim Basketball.  .  .

Auf reges Interesse stößt Rollstuhl-Tischtennis, das auch Norbert Sack spielt. Zurzeit gebe es zwei Mannschaften – eine behaupte sich in der Regionalliga und eine erfolgreich in der2. Bundesliga des Deutschen Rollstuhlsportverbandes – „sie kratzt an der 1. Bundesliga“.

Jedes Tischtennis- und Tanztraining beginnt mit krankengymnastischen Übungen unter fachlicher Anleitung. Ziel ist es, die restlichen Körperfunktionen eines Rollstuhlfahrers zu erhalten. Auch die Rollstuhl-Technik muss erlernt werden. Für den Sport stehen spezielle Stühle zur Verfügung.

Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich eine sehr aktive Rollstuhl-Tanzgruppe, die bereits öffentliche Auftritte absolviert hat. „Wir wollen Anfang 2017 einen Anfänger-Tanzkursus anbieten. Wer mitmachen möchte, darf sich an mich wenden. Trainiert werden wir von der ausgebildeten Tanzlehrerin Beate Nicolai.“ Und in Zusammenarbeit mit dem TSBW sei Bogensport in Planung. Auch Geselligkeit wird großgeschrieben im Club – ob bei Grillfesten oder Ausflügen.

Der Sport helfe ihm, beweglicher zu bleiben und Ehrgeiz zu entwickeln, sagt Norbert Sack. – Auch, wenn es darum geht, ohne ein technisches Hilfsmittel ins eigene Auto zu gelangen. Das will er und das schafft er.

Jeden Donnerstag, von 18 bis 20 Uhr steht Tischtennis in der TSBW-Sporthalle auf dem Programm, im Anschluss trifft sich der Fortgeschrittenen-Tanzkursus.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 15:00 Uhr

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