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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 23:18 Uhr

Salondampfer „Alexandra“ in Husum : Auf dem Weg zur Herz-Transplantation

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schwimmendes Kulturdenkmal: Der Flensburger Salondampfer „Alexandra“ soll in der Husumer Werft einen neuen Kessel bekommen.

Es ist ein ungewöhnlicher Patient, der in Husum behandelt werden soll: Gestern traf das 108 Jahre alte Dampfschiff „Alexandra“ im Hafen ein. Chefkapitän Günter Herrmann und seine gut 40-köpfige Crew hören es allerdings lieber, wenn die alte Dame mit der Bezeichnung „Salondampfer“ angesprochen wird. Für die „Alexandra“ war es das erste Mal, dass sie in der Nordsee fuhr.

Der Dampfer, der 1982 durch das Landesamt für Denkmalpflege als Kulturdenkmal anerkannt wurde, besucht die Storm-Stadt jedoch nicht nur zur Kur. Eine schwere Transplantation steht bevor, die längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Das Herzstück des schwimmenden Kulturdenkmals, der etwa 23 Tonnen schwere Kessel, ist schadhaft und muss ausgetauscht werden. Ohne den kostspieligen und arbeitsaufwändigen Eingriff würde das Herz der Flensburgerin über kurz oder lang aufhören zu schlagen. Und so entschied sich der Förderverein unter Leitung seines Vorsitzenden Eberhard Starke, die „Alexandra“ einer Radikalkur zu unterziehen.

Um jedoch den strengen Anforderungen des Denkmalschutzes zu genügen, kam nur ein teurer Original-Nachbau als neuer Kessel in Frage – Kostenpunkt: gut 200.000 Euro. Der Großauftrag wurde ausgeschrieben – und die Husumer Werft bekam den Zuschlag.

Doch so einfach, wie sich der Auftrag „Kesselwechsel“ anhört, ist die Transplantation nicht. Da der ausgediente Kessel in einem Stück aus dem Bauch der fast 37 Meter langen und mehr als sieben Meter breiten „Alexandra“ herausgeholt werden soll, müssen unter anderem mehr als neun Quadratmeter Dachfläche aufgeschnitten werden. Auch der Schornstein mit seinem gelb-blau-gelben Ring wird entfernt. Und zu allem Überfluss müssen noch alle Leitungen gekappt werden.

Großes Geschick und Können ist daher von den Metallbauern, Elektrikern und Tischlern gefordert. Die Jahreszeit kommt ihnen aber entgegen: „Jetzt außerhalb der Saison können solche umfangreichen Reparaturen in aller Ruhe durchgeführt werden“, sagt der Chefkapitän des Schiffes, das mit 420 PS eine Höchstgeschwindigkeit von gut zwölf Knoten erreicht.

Doch der erste offizielle Termin nach der Operation steht für die alte Dame bereits fest. „Wir gehen davon aus, dass die ,Alexandra‘ im nächsten Jahr wieder an Himmelfahrt zur Rum-Regatta dabei sein wird.“ Das ist ein internationales Treffen historischer Wasserfahrzeuge, also ein absolutes „Muss“ für den stolzen Salondampfer.

Ihren Namen hat sie seit ihrer Schiffstaufe 1908 durch die Prinzessin Alexandra zu Schleswig-Holstein-Glücksburg nie geändert. Die „Alexandra“ oder auch „Alex“, wie sie liebevoll genannt wird, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. So wurde sie im Ersten Weltkrieg als Vorpostenboot eingesetzt. 1936 fuhr sie sogar als Begleitschifff für die Olympia-Regatta in Kiel. Am Ende des Zweiten Weltkrieges beförderte sie mehrere Tausend Flüchtlinge zum Liegeplatz der „Wilhelm Gustloff“ in Gotenhafen, die anschließend am 30. Januar 1945 auf ihrer Fahrt über die Ostsee von einem sowjetischen U-Boot torpediert wurde. Mehr als 9000 Menschen ertranken in den eisigen Fluten.

Der damaligen Crew ist es zu verdanken, dass die „Alexandra“ bei Kriegsende nicht versenkt wurde. 30 Jahre später, im Jahr 1975, drohte ihr dann aber das endgültige Aus – wegen Unrentabilität. Doch sie schaffte es wieder einmal: 1979 gründete sich der Verein zur Förderung dampfgetriebener Förderschiffe, aus dem später der Förderverein Salondampfer Alexandra hervorging, in dessen Besitz sich das Schiff seit 1986 befindet.

Seither schlägt das Herz der alten Dame regelmäßig und unaufhörlich. Und das soll auch mit dem neuen Kessel weiterhin so bleiben. Fünf bis sechs Wochen sind für den Werftaufenthalt veranschlagt. Allerdings könnte sich die Fertigstellung verzögern, so Günter Herrmann: „Zwar ist schon der ganze Unterbau des Schiffes saniert worden, aber nicht der Bereich unterhalb des Kessels. Ob da zusätzliche Arbeiten nötig werden, sehen wir erst, wenn der alte Kessel draußen ist.“

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