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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 05:20 Uhr

Diskussion in Friedrichstadt : Auf dem Weg zum Flächendenkmal

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Rund 100 Friedrichstädter diskutierten mit Vertretern des Landesdenkmalamtes über dessen Pläne, die Altstadt von Friedrichstadt zum Flächendenkmal zu erklären.

Das Thema liegt vielen Friedrichstädtern auf der Seele, vor allen Dingen denjenigen, die in der Altstadt wohnen: Die soll nach den Vorstellungen des Landesdenkmalamtes Flächendenkmal werden, das erste übrigens an der Westküste. Und so war es kein Wunder, dass sich viele Einwohner zu einem Infoabend in der ehemaligen Synagoge eingefunden hatten. Sie war mit rund 100 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Interessierte aus Friedrichstadt und Umgebung wollten hören, was die Denkmalschützer, allen voran Landeskonservator Dr. Michael Paarmann, mit der Ausweisung des historischen Stadtkerns bezwecken, in dem nicht wenige Einzelgebäude bereits geschützt sind, und für den zudem eine strenge Gestaltungssatzung gilt.

Gleich zu Beginn stellte Paarmann klar, dass nicht das einzelne Gebäude, nicht der Austausch eines Fensters oder einer Haustür, sondern Strukturen, die das historische Stadtbild, den gesamten geschichtsträchtigen Ortsteil bestimmen, im Fokus der Denkmalbereichssatzung stehen. Dieses in anderen Bundesländern bewährte Instrument erlaube die Mitsprache der Denkmalpflege endlich auch bei geplanten Veränderungen an Grachten, Freiflächen und historischen Pflastern, also auch bei kommunalen Planungen von Gewicht.

Auf kritische Nachfrage erläuterte Dr. Nils Meyer, zuständiger Gebietsreferent im Landesamt, die bestehende Gestaltungssatzung sei Ortsrecht, auf alle Gebäude unabhängig von ihrem historischen Wert gerichtet, damit habe die Denkmalbereichssatzung rechtlich und tatsächlich nichts zu tun.

Bei der Ausweisung eines Denkmalbereichs werde man zuerst aufgrund eigener fachlich fundierter Erkenntnis einer Gemeinde tätig, bestätigte Paarmann mit Blick auf die anstehende Ausweisung der Fischersiedlung Holm in Schleswig. Der Denkmalrat, ein unabhängiges Gremium von Fachleuten, Vertretern aus Wohnungswirtschaft und Politik habe im Januar den Satzungsentwurf für Friedrichstadt einstimmig gebilligt und damit das Verfahren auf den Weg gebracht. Die Oberste Behörde, das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa, prüft die Endfassung rechtlich, bevor diese der Stadt und der Unteren Denkmalschutzbehörde übermittelt wird, und die Verordnung nach ihrer Veröffentlichung in Kraft tritt. Das gesamte Verfahren werde etwa ein halbes Jahr dauern.

Angesprochen wurden auch Steuererleichterungen nach Einkommensteuergesetz. So werden im Denkmalbereich auch an Gebäuden, die selbst keine Denkmale sind, alle Maßnahmen gefördert, die erforderlich sind, um das Erscheinungsbild des Flächendenkmals zu erhalten. Dazu können die historisch richtige Fassadensanierung oder Neueindeckung des Dachs zählen. Sogar wenn ein bestehendes Gebäude etwa durch falsche Giebel- oder Wandverkleidung stört, werden Rückbau der Störung und denkmalgerechte Instandsetzung gefördert.

In der weiteren Diskussion mahnte Jörn Norden: „Wir brauchen wieder ein Gemeinschaftsgefühl, das darauf aufbaut und die Stadt vor falschen Entwicklungen schützt.“ Hans-Georg Hostrup, Vorsitzender der IG Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen, ging auch auf die Zukunft von Friedrichstadt ein, die in der Attraktivität der Stadt für Touristen und Bewohner liege. Dies sei das einmalige Gesamtensemble der historischen Innnenstadt. Hostrup: „Die Ausweisung als Flächendenkmal ist ein wichtiger Baustein, die Attraktivität zu erhöhen und gleichzeitig den Altstadtkern für die Zukunft zu schützen und damit zu erhalten.“ Die IG Baupflege sei überzeugt davon, dass Friedrichstadt es wert sei, als erstes Flächendenkmal an der Westküste anerkannt zu werden.

Den großen Schlussaplaus bewertete Bürgermeister Eggert Vogt als positives Signal für die nun kommenden Schritte bis zur endgültigen Anerkennung.

In der kommenden Woche wird der Entwurf voraussichtlich dem Kreis und der Stadt vorgelegt, sie haben dann sechs Wochen Zeit, dazu Stellung zu nehmen, erklärte das Landesdenkmalamt auf Anfrage . Ihre Einwände und Anregungen werden dann eingearbeitet. Anschließend wird der Entwurf vier Wochen lang öffentlich ausgelegt, das wird voraussichtlich im Januar geschehen.

Flächendenkmäler im Land sind: der Dorfkern von Sieseby, die Eisenbahnersiedlung Quellental in Büchen, die Lauenburger Unterstadt und die Siedlung Oher Weg in Glinde.

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erstellt am 29.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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