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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 02:56 Uhr

St. Peter-Ording : Arbeiten, wo andere Urlaub machen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Frank Friedrichs und sein Team aus Schwimm-Meistern und Ehrenamtlern sorgen am Strand von St. Peter-Ording für Sicherheit. Sie helfen verlorengegangenen Kinder genauso wie verletzten Schwimmern.

Einen der schönsten Arbeitsplätze im Land hat Frank Friedrichs – garantiert mit Blick aufs Meer, viel frischer Luft, und für einen schönen braunen Teint muss er ganz sicher nicht ins Sonnenstudio. Seit 23 Jahren ist Frank Friedrichs Badestellenleiter am Strandabschnitt Ording in St. Peter-Ording und damit auch zuständig für das Strandparken dort. Bis zu 30.000 Badegäste können sich an den richtig schönen Wochenenden rund um seine Wachstation tummeln. Die steht auf Stelzen und ist so hoch gebaut, dass er einen einmalig schönen Blick aufs Meer, über den Strand und die Landschaft hat. Zeit, diesen Ausblick zu genießen, hat er allerdings kaum, denn seine vielfältigen Aufgaben fordern ihm eine Menge Konzentration und Organisationstalent ab.

Das fängt damit an, dass sich immer mal wieder Autos und Wohnmobile im weichen Sand festfahren und irgendwie aus dieser misslichen Lage befreit werden müssen. „Meistens helfen sich die Badegäste gegenseitig, aber manchmal reicht die Muskelkraft nicht aus. Dann ist unsere Hilfe gefragt.“ Ihm selbst steht am Strand ein blauer Pick-up mit der Aufschrift „St. Peter Ording“ und „Tourismus-Zentrale“ zur Verfügung. Der Fußraum hält am Ende des Tages den Vergleich mit einer Sandkiste stand, so oft, wie er auf seinen Touren rein- und rausspringen muss, weil jemand seine Hilfe oder seine Meinung braucht. Das Funkgerät ist immer dabei. Selten schweigt es mal länger als ein paar Sekunden.

In Friedrichs Hand liegt auch die Koordinierung der gesamten Badeaufsicht am Strand, die in St. Peter-Ording tagsüber von hauptberuflichen Schwimm-Meistern der Tourismus-Zentrale wahrgenommen wird. Von Mai bis September werden sie zusätzlich durch DLRG-Rettungsschwimmer unterstützt, die aus dem gesamten Bundesgebiet an die Nordsee reisen, um die zwölf Kilometer lange Sandbank zu bewachen. Lisa (24) kommt aus Nordrhein-Westfalen. Die Studentin arbeitet bereits zum achten Mal in den Ferien als Wasserretterin. Ums Geld geht es ihr dabei nicht, denn für den Einsatz am Strand erhält sie lediglich eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 22 Euro pro Tag, bei freier Logis in einer schlichten DLRG-Unterkunft. „Es macht mir einfach Spaß“, sagt sie zu ihrer Motivation. In St. Peter-Ording ist sie nun schon zum vierten Mal und weiß daher genau, was wann wo zu tun ist. Dem Team stehen Notfallkoffer, Erste-Hilfe-Sets, Funk- und diverse Rettungsgeräte zur Verfügung. Und zusätzlich ein Rettungs-Jet-Boot, mit dem hilflose Schwimmer oder Wassersportler in Not gerettet werden können.

Irina (19) und Sophie (16) aus Lohmar sind neu im Team. Beide sind total begeistert von ihrem Einsatzort. Gerne gehen sie gemeinsam auf Patrouille. Pro Tour sind sie locker zwei bis drei Stunden zu Fuß am Strand unterwegs. Dabei müssen sie nicht nur die Badenden im Auge behalten, sondern auch mal Treibgut beseitigen und verloren gegangene Kinder zu deren Eltern zurückbringen. Das kommt sehr häufig vor: „An manchen Tagen sind es bis zu 50 Kinder“, so Frank Friedrichs. Die medizinische Versorgung der Gäste, die sich an scharfen Muscheln oder beim Beachvolleyball verletzt haben, gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Teams. Und auch die ständige Ermahnung von uneinsichtigen Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner nicht wie vorgeschrieben an der Leine führen. Oder das Verweisen von Lenkdrachenbesitzern aus der Badezone. Ist das Baden wegen Gewitter oder zu stark ablandigen Winden verboten, muss die rote Flagge gehisst werden, dann heißt es aufpassen, dass wirklich niemand ins Wasser geht.

Bei ganz schlechtem Wetter kann es vorkommen, dass die Rettungsschwimmer zur Unterstützung des Personals in der Dünen-Therme eingesetzt werden. Doch diesbezüglich hatten Irina und Sophie bisher Glück. Sie haben eine ausgesprochen sonnige Phase erwischt. Beide sind „schon immer“ DLRG-Mitglieder, wie Sophie erzählt: „Ich war drei Tage alt, als ich von meinen Eltern bei der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft angemeldet wurde.“ Damit die Wachgänger fit bleiben, finden für sie regelmäßig Übungen im Wasser und mit den Booten statt. Die wichtigste Voraussetzung für den Job ist das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber, das zum Zeitpunkt des Einsatzes nicht älter als zwei Jahre sein darf. „22 entsprechend ausgebildete Helfer brauchen wir in den Sommermonaten. Und die bekommen wir auch problemlos zusammen, die Stellen hier bei uns sind heiß begehrt“, freut sich Frank Friedrichs über das große Interesse der jungen Leute. Und die kommen wohl auch deshalb so gerne nach Ording, weil der Spaß an der Sache nie zu kurz kommt. Wenn der Dienst nach einem langen Tag gegen 18.30 Uhr endet, sitzen die Rettungsschwimmer gerne noch ein bisschen zusammen, gehen tanzen, spielen Billard oder Dart oder verabreden sich am Strand. Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das kann so richtig schön sein.

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