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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Lecker und Soholmer Au : Angler-Frust: Kiel streicht Förderung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von 2018 an soll es keine Fördergelder mehr für die Lecker und die Soholmer Au geben. Nordfrieslands Angler sehen die Bestände der Bach- und Meeresforellen in Gefahr.

Wenn die ersten Nachtfröste über das Land ziehen und die Menschen lieber im warmen Wohnzimmer bleiben, beginnen die Aktiven der Hegegemeinschaft der nordfriesischen Auen ihren Laichfischfang: Sie setzen ihre Elektrofanggeräte und die leichten Aluminiumboote in Gang und befahren die Auen, um laichbereite Bach- und Meerforellen zu fangen. Die großen Laichfische werden dann abgestreift, wie die Fachleute sagen. Das heißt: Rogen und Milch werden durch vorsichtiges Massieren aus den Elterntieren herausgedrückt und miteinander vermischt. Der Laichfisch kommt anschließend unversehrt in das Gewässer zurück. Später werden die befruchteten Eier in Zuchtrinnen im Bruthaus aufgelegt und zu kleiner Fischbrut entwickelt. Die Angler der nordfriesischen Vereine stabilisieren mit dem Aussetzen der fressfähigen Forellenbrütlinge seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich einen eigenen Bestand an wertvollen lachsartigen Fischen.

Damit soll nun von 2018 an Schluss sein, denn die Kieler Fischereibürokratie hat die Lecker und die Soholmer Au mit der Neufassung der Binnenfischereiverordnung aus der Liste der förderungsfähigen Fließgewässer des Landes gestrichen. Das hat zur Folge, dass alle Besatzmaßnahmen in diesen Gewässersystemen nicht mehr aus der Fischereiabgabe, die von den schleswig-holsteinischen Anglern selbst bezahlt wird, gefördert werden dürfen. Für Günter Ullmann, der als Vorsitzender des Sportfischervereins Leck seit mehr als dreißig Jahren an der Wiedereinbürgerung von Bach- und Meerforelle maßgeblich beteiligt ist, ist diese bürokratische Aktion unverständlich. „Das zuständige Ministerium in Kiel und das nachgeordnete Landesamt in Flintbek haben diese Maßnahme zu keiner Zeit mit uns besprochen. Vielmehr sind wir mit der Neufassung der Gewässerliste und der Herausnahme unserer Auen aus dem Förderprogramm schlichtweg überrollt worden. Günter Ullmann: „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass diese für mich nicht begründete Maßnahme ein schwerer Schlag ins Gesicht aller Ehrenamtler ist, die seit Jahren den Laichfischfang unter extremen Witterungsbedingungen mitgetragen haben.“

Er befürchtet auch, dass nun die für die Auen abgeschlossenen Hegepläne, die zum Beispiel die Art Besatzes festlegen, nicht mehr einzuhalten sind. Genauso stehe es mit den Vorgaben durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die eine Verschlechterung des ökologischen Zustandes der Gewässer verbietet. „Die gleichen Institutionen, die uns in den vergangenen Jahrzehnten mit bürokratischen Hausaufgaben überflutet haben, verhindern jetzt ohne Angabe der Entscheidungskriterien die weitere Finanzierung der unbedingt sinnvollen Besatzmaßnahmen.“

Die Lecker Sportfischer haben deshalb auch den Kreisanglerverband Nordfriesland eingeschaltet und um Unterstützung gebeten. Der Vorsitzende des Fachverbandes, Jürgen Töllner, kommt zu einer sehr ähnlichen Einschätzung wie Ullmann. „Mir stößt an der Vorgehensweise der Behörden gleich mehreres auf“. sagt er. So sei die Herausnahme der Auen aus der Förderung durch Fischereiabgabemittel – ohne jegliche Rücksprache mit den Beteiligten vor Ort, die ja das Fischereirecht und die Hegepflicht in den Händen halten – „ein unglaublicher Vorgang“. Dieses Taktieren schaffe Frustrationen bei den vielen ehrenamtlichen Akteuren. Ohne diese aber würde es in den Auen der Marsch keine einzige Bach- und Meerforelle mehr geben und der ökologische Zustand der Gewässer wäre noch bedenklicher als er es ohnehin schon ist.

„Des Weiteren missfällt mir, dass mir bislang keine fischereibiologischen Kriterien genannt wurden, nach denen diese Entscheidung gefällt wurde. Das nährt meinen Verdacht, es handelt sich hier um eine willkürliche oder sogar bewusst manipulierte Entscheidung“, so der Vorsitzende der Kreisangler.

Töllner befürchtet, dass die beiden Auen nicht nur aus der Besatzförderung herausfallen könnten, sondern künftig auch keine Mittel mehr bekommen, wenn es um eine eventuelle Renaturierung oder strukturelle Verbesserung von Gewässersystemen gehen sollte. „Solche Maßnahmen hätten die in den 1960er-Jahren durch ihre Begradigung stark gebeutelten Auen dringend verdient.“

Der Kreisanglerverband Nordfriesland hat sich dementsprechend mit einem unmissverständlichen Schreiben an den zuständigen Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck gewandt und ihn zur Wiederaufnahme der beiden Gewässersysteme in die Förderkulisse aufgefordert. Nun wartet man in nordfriesischen Anglerkreisen, ob an der Lecker Au künftig noch etwas geht, oder ob die Angler sich aus ihrem ehrenamtlichen Engagement für die Gewässer und ihre Bewohner zurückziehen müssen – nur weil ihnen ohne jegliche Not die notwendigen Mittel gestrichen wurden.

Eine Stellungnahme des Kieler Ministeriums zu diesem Sachverhalt lag gestern bis zum Redaktionsschluss nicht vor.

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erstellt am 29.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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