zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

28. Juli 2016 | 00:59 Uhr

Knud Knudsen : Amrums letzter Leuchtturmwärter erzählt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Knud Knudsen ist der letzte Amrumer Leuchtturmwärter. Eine Anzeige des SHZ für das Jobportal „jobs.sh“ weckte Erinnerungen. Er berichtet über die Arbeitsbedingungen in einem ausgestorbenen Beruf.

Oldersbek | „Leuchtturmwärter gesucht“ – solch eine Anzeige wird es heute kaum mehr geben, sagt Knud Knudsen augenzwinkernd. Der Mann muss es wissen, schließlich ist er der letzte Leuchtturmwärter von der Insel Amrum. Auf dem 1875 mit einer Million Ziegelsteinen gemauerten 60 Meter hohen Turm in Wittdün hat er Dienst verrichtet. Und heute, mit 83 Jahren, sitzt er in seinem Haus in Oldersbek, Kreis Nordfriesland, und schmunzelt über die nicht ganz ernst gemeinte, peppige Such-Anzeige, mit der vor einigen Wochen unser Medienhaus das Online-Portal JOBS.sh speziell für den Norden startete.

Knud Knudsen fühlte sich durch diese Anzeige so angesprochen, dass er sich in unserer Redaktion meldete, um etwas über diesen in Deutschland praktisch ausgestorbenen Job zu berichten. „Ich kann viel über den Beruf erzählen“ sagt der kernige Nordfriese. Dabei stellt sich schnell heraus, dass ein Leuchtturmwärter ein All-Round-Talent sein musste. Musste, denn die Automatisierung der Türme hat ihn ersetzt.

„In den 1980er Jahren jedenfalls stieg Knud Knudsen nahezu täglich die gut 200 Stufen bis zur Turmspitze hinauf, um die Funktionen zu kontrollieren. Dazu gehörte nicht nur bei Bedarf der Wechsel der 2000-Watt-Birne, sondern auch das Putzen der Reflektoren und des Lampenhauses. Nicht ganz ungefährlich, denn in 60 Meter Höhe schützte nur ein Geländer auf dem Rundgang um den Turm vor dem Absturz in die Tiefe. Wenn aber die Gläser gereinigt werden mussten, dann wurde auf dem Gang eine Leiter aufgestellt und weit oberhalb des Geländers, mit einem wunderbaren Blick bis nach Helgoland, das Lampenhaus geputzt. „Ich habe mir eine eigene Absturzsicherung gebaut, doch das war mehr psychologisch“, sagt er und gesteht, dass es ihn diese Aufgabe immer Überwindung gekostet hat.

Gewöhnungsbedürftig für Knud Knudsen war auch eine Hupe. Kein Wunder, war sie doch direkt neben seinem Bett im Wärterhaus montiert. Immer wenn ein Defekt auftrat, beispielsweise wenn eine Birne ausfiel, riss sie den Amrumer Leuchtturmwärter aus dem Schlaf. „Doch in der Nacht musste ich nicht auf den Turm, aus Sicherheitsgründen.“

Der gebürtige Pellwormer begann nach der Schulzeit beim damaligen Marschenbauamt auf Pellworm. Und als er von der Leuchtturmwärterstelle auf der Nachbarinsel Amrum hörte, hat er sich einfach mal beworben – und wurde genommen. Auf eine menschenleere Insel wäre er aber nicht gegangen, obwohl er den Trubel nicht braucht, wie er sagt. „Ich war ja auf Amrum nicht einsam“, sagt Knudsen, „schließlich traf ich täglich mit meinen Kollegen zusammen. Das Bild vom einsamen Mann auf dem Turm traf zumindest auf mich nicht zu.“

Doch mit der Überwachung der Technik und bei Bedarf der Fehlerbehebung war Knudsens Aufgabe noch längst nicht erfüllt. In der Sommersaison kamen hunderte Besucher, die das Wittdüner Wahrzeichen erklimmen wollten. „Da wurde es manchmal ganz schön eng, entweder es ging auf der schmalen Treppe hoch oder runter“, erzählt der letzte Leuchtturmwärter von Amrum. „Ich bin aber froh, dass nie etwas passiert ist. Besonders in der Nachsaison, wenn einzelne Menschen auf den Turm stiegen, habe ich mir manchmal Gedanken gemacht, aber es ist nie einer gesprungen“, sagt der 83-Jährige sichtlich erleichtert.

Während seiner Tätigkeit hat er auch seine Frau kennengelernt, die in der Nähe des Wärterhauses bei ihrer Oma Urlaub gemacht hatte. Gern erinnert er sich an 1984 zurück. Damals drehte das ZDF 14 Tage lang einen Film auf Amrum. „Täglich war ich mit der Crew zusammen, das waren prima Leute“, sagt Knudsen.

Warum der gebürtige Pellwormer, der auf Amrum gearbeitet hat, heute in Oldersbek auf dem Festland wohnt? „Ich möchte nicht mehr auf eine Insel, denn hier ist man doch flexibler. Heute ist Knud Knudsen am liebsten zu Hause, wo er auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück genug zu tun hat. Gerade hat er die Reste von zehn alten Eichen, die der Orkan „Christian“ umgeworfen hatte, weggeräumt. Nun wartet das Dach des Gewächshauses auf den rüstigen Rentner.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 12.Apr.2014 | 15:21 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen